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Bananaberry92 Offline



Beiträge: 134

16.04.2010 23:28
RE: Gesundheitssystem Deutschlang / USA antworten

Hallo,

ich habe diese Woche nichts Besseres zu tun gehabt, als mich mal grob damit zu befassen, nämlich dem Gesundheitssystem der USA und habe gleichzeitig aus reinem Interesse versucht das mit dem in Deutschland zu vergleichen. (Naja, musste es für die Schule machen )

Ich bin bei dem Ganzen auf eine sehr interessante Statistik getroffen. Es ist schon erstaunlich, dass die Amis nur Platz 27 in der durchschnittlichen Lebenserwartung mit 69,3 Jahren und Deutschland auf Platz 14 mit 71,8 Jahren belegen. Klingt erst mal nicht viel, ist aber doch einiges und dieser Unterschied lässt sich vielleicht mit der Gesundheitssysteme (nur sehr grob betrachtet) erklären.

Hier in Deutschland sind die meisten, nicht alle, krankenversichert (2007 waren ca. 211.000 Menschen nicht versichert. Verglichen mit der ins gesamten Einwohnerzahl nicht besonders viele). Viele denken immer, dass es in den USA gar keine Versicherung so wirklich gibt. Dem ist nicht so. Es gibt Möglichkeiten, aber fast immer trägt der Versicherte einen hohen Eigenanteil. Mal ein bisschen was aus einer Statistik:
- über den Arbeitgeber sind etwa 180 Millionen Menschen versichert. Diese Art der Versicherung ist eine freiwillige (!!!) soziale Leistung des Arbeitgebers und wegen der hohen Kosten sinkt auch die Zahl der Arbeitgeber, die so ihre Mitarbeiter versichern
- privatversichert (also alle Kosten tragen die Versicherten selbst) sind nur etwa 22 Millionen
- Medicaid ist eine Versicherung, die für die Menschen mit geringem Einkommen, Schwangere, Kinder und Behinderte gedacht ist, aber auch hier ist wieder ein großer Eigenanteil dabei (ca. 40 Millionen Menschen)
- Medicare ist Medicaid recht ähnlich. Diese sorgt für Bürger ab 65 Jahren und für Behinderte (ca. 40 Millionen Menschen)
- Dann gibt es noch die Military health. Hier sind nur rund 10 Millionen Menschen versichert. Diese hat man nur, wenn man beim Militär arbeitet und mit dieser Versicherung sind gleichzeitig Frau und die minderjährigen Kinder versichert. Nur wenn ein Mann auch in Rente geht vom Militär aus, also seinen Dienst geleistet hat und abgeschlossen hat, ist sein Leben lang versichert. Ist dies nicht der Fall, hat man nach dem Austritt (ohne Abschluss also) keine Versicherung mehr über das Militär.

Eines fällt immer wieder auf: Die Menschen tragen einen großen Eigenanteil. Viele Menschen sind deshalb nicht versichert (ca. 43 Millionen). Sie können sich es einfach nicht leisten, die Gesundheit hat dort schon so manche Familie zerstört (wobei das auch hier der Fall ist). Wieder was aus der Statistik, was mich richtig umgehauen hat:
Man hat mal ausgerechnet, wie viel pro Kopf (also auch Kinder usw.) in den USA an Geld für Gesundheit ausgegeben werden muss. Es sind ca.7287 $ und so gut 2x so viel wie in Deutschland. Da stellt sich doch die Frage, warum das so ist. Das kann einige Ursachen haben, die wahrscheinlichste aber ist in der nicht besonders gesunden Lebensweise der Amis zu suchen.

Das wird auch jetzt ein Problem werden. Obama will die Krankenversicherung verpflichtend einführen. Das ist, denke ich, auch sehr wichtig. Die Kosten für Medikamente, Untersuchungen usw. sind einfach so hoch, dass es sich kaum einer so leisten könnte. Ein Problem, was immer wieder angesprochen wird ist folgendes: Die Menschen, die aus eigenverschulden eine Krankheit haben (z.B. Diabetes mellitus Typ 2), werden Schwierigkeiten haben eine Krankenkasse zu finden. Diese Menschen kosten Geld und sind auch noch selbst dran schuld.

Das ist alles ein großes hin und her. Das Gute wäre dann z.B. dass durch eine Versicherung chronisch Kranken und Behinderten wesentlich besser geholfen werden kann.

Viele sehen Deutschland als, ich sage mal, das Vorbild. Das mag alles gut und schön sein, aber, meiner Meinung nach, läuft auch bei uns vieles nicht so, wie es sein sollte. Nirgendwo ist das, eigentlich so wichtige, System perfekt. Dann wäre das alles ja wesentlich leichter.

In den USA meiden viele Leute Ärzte und Krankenhäuser wie sie nur können, denn es kostet. Und ein RIESEN Nachteil für die (noch) nicht Versicherten: Ärzte und Krankenhäuser müssen diese Menschen nur im Notfall behandeln, wenn dies nicht der Fall ist, sind Ärzte dazu berechtigt, diese Patienten abzuweisen. Da steht auch schon die nächste Frage im Raum: Wann ist es ein Notfall??? Theoretisch gesehen kann alles in einem Notfall enden, nur ist es dann vielleicht schon zu spät?

An dem System der USA ist noch viel zu tun, das ist klar. Aber auch bei uns gilt es, aus meiner Sicht, noch einiges zu verbessern. Es kann nicht sein, dass man selbst im Notfall im Krankenhaus warten muss (die Erfahrung habe ich machen müssen), nur weil da irgendwelche Privatpatienten vor einem sind. Um überhaupt entlastet zu werden durch die Kasse kostet das erst mal einiges. Wir sind eine 5-köpfige Familie (3 Kinder, 2 Erwachsene). Wir Kids sind bei meiner Mutter versichert. Sie bezahlt jeden Monat noch Zusatz-Versicherungen, damit die Kasse z.B. einen Teil der Brillen von mir und meinem Bruder übernimmt oder dass wir in einem Krankenhaus im Umkreis als Privatpatient behandelt werden können usw. Der Partner meiner Mutter ist privatversichert. Im Moment zahlt ein Teil er und den Rest die Firma, wenn er in Rente geht, hängt alles an ihm. Und das ist nicht zu wenig. Die Frage ist: Lohnt sich das? Es gibt die Menschen, die regelmäßig bei irgendwelchen Ärzten sind und es gibt die, die fast nie dort sind und alle zahlen.

Da ist viel, was anders sein müsste, was aber zu kompliziert wäre. Ich finde es persönlich gut, dass der Obama die Sache mit einer Krankenversicherung angeht. Es erleichtert erst mal viel, wenn die ganze Sache erst mal läuft (was natürlich ein riesen Kostenaufwand ist). Meine Schwester und ich sind vermutlich auch nur durch die super Versorgung durch das Militär durchgekommen. Einiges war immer schon da, aber es waren immer Menschen "ausgeschlossen". Ich persönlich bin gespannt, was sich alles an Zielen der USA umsetzen lässt, denn da steckt viel dahinter und ich glaube man unterschätzt die Schwierigkeit etwas. Abwarten.

So, genug geschrieben. Ist schon etwas schwierig das alles nachts um halb 12 zu schreiben Aber das braucht seine Zeit. Habe ja auch die Statistiken erst zusammenbasteln müssen (was sowas angeht, bin ich ein richtiger Statistiken-Fan, denn es gibt das, was man darstellen will, verglichen mit anderen Dingen (Länder usw.), wieder.

LG Shauni

[ Editiert von Bananaberry92 am 16.04.10 23:29 ]

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