Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 319 mal aufgerufen
 ~° Medizinisches Wissen - Neurologie °~
Gipsy ( gelöscht )
Beiträge:

26.08.2008 15:00
RE: Veränderung der Gehirnaktivität bei Zwangsstörung antworten

°° VERÄNDERUNG DER GEHIRNAKTIVITÄT BEI ZWANGSSTÖRUNGEN °°

Zwangsstörungen werden häufig erst in einem relativ fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung diagnostiziert, oftmals weil die Betroffenen aufgrund von Schamgefühlen zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Britische Wissenschaftler haben entdeckt, wie Veränderungen in der Hirnaktivität eine Veranlagung zu einer Zwangserkrankung widerspiegeln.

Menschen, die von einer Zwangsstörung betroffen sind, leiden unter immer wiederkehrenden Zwangsgedanken, die schwer zu unterdrücken sind, wie zum Beispiel der Furcht vor Verunreinigung oder der Angst, dass einer nahe stehenden Person etwas Schreckliches widerfährt.
Um die Gedanken zu neutralisieren, führen sie Zwangshandlungen wie Händewaschen oder mehrmalige Wiederholungen bestimmter Handgriffe durch. Diese Rituale können sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und ein normales Leben und Arbeiten stark erschweren.
Derzeit wird die Diagnose auf der Basis eines klinischen Interviews gestellt und findet oftmals erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung statt.



Bei einer Zwangsstörung ist die Aktivität bestimmter Gehirnregionen verringert

Forscher um Samuel Chamberlain von der Universität Cambridge, Großbritannien, haben herausgefunden, dass die Messung der Aktivität bestimmter Gehirnregionen dazu beitragen könnte, festzustellen, ob ein Patient gefährdet ist, möglicherweise an einer Zwangsstörung zu erkranken. Die Wissenschaftler untersuchten dazu 14 Personen, die unter einer Zwangsstörung litten, 12 nahe Verwandte dieser Patienten sowie 14 weitere, gesunde, Personen, in deren Verwandtschaft niemand an einer Zwangsstörung erkrankt war.
Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) wurde die Aktivität des so genannten lateralen orbitofrontalen Cortex gemessen.
Diese Hirnregion ist am Treffen von Entscheidungen beteiligt.



Die Studienteilnehmer wurden gebeten, auf einem Bildschirm 2 Bilder zu betrachten, bei denen jeweils die Abbildung eines Hauses und die eines Gesichtes übereinander gelegt waren. Die Probanden sollten durch Versuch und Irrtum herausfinden, ob das Haus oder das Gesicht das korrekte Ziel war. Die Teilnehmer übermittelten ihre Entscheidung, welches der beiden Bilder korrekt war, über die Betätigung einer Taste und bekamen sogleich am Bildschirm eine Rückmeldung, ob die Wahl richtig gewesen war. Nach 6 korrekten Zuordnungen veränderte sich das Ziel, so dass die Probanden es neu lernen mussten.

Es stellte sich heraus, dass sowohl bei den Personen mit einer Zwangsstörung als auch bei deren Familienmitgliedern die Aktivität im lateralen orbitofrontalen Cortex deutlich geringer war als bei der Kontrollgruppe. Die verringerte Aktivität in der Hirnregion, die im Zusammenhang mit flexiblem Verhalten steht, könnte nach der Einschätzung der Forscher die Entwicklung von Symptomen einer Zwangsstörung begünstigen. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass diese Veränderungen im Gehirn innerhalb von Familien verbreitet sind und einen möglichen Faktor für die Vulnerabilität gegenüber Zwängen darstellt.

Weitere Untersuchungen werden zeigen müssen, welche schützenden Faktoren verhindern, dass Menschen mit einer Veranlagung für eine Zwangsstörung dennoch keine Symptome der Erkrankung entwickeln.

Mehr zu diesem Thema:
www.aerzte-im-netz.eu

------------------------------------------
Quelle: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
------------------------------------------

 Sprung  
Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen