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 ~°~ SOZIALES in Kindheit und Jugend ~°~
Gipsy ( gelöscht )
Beiträge:

20.07.2008 17:39
RE: #~# PUBERTÄT #~# antworten

PUBERTÄT: Ende des Familienfriedens?

Für Jugendlichen eine Zeit der Ablösung und des Erwachsenwerdens – für Eltern eine Phase, die Gelassenheit und starke Nerven erfordert. Die Pubertät kann die Eltern-Kind-Beziehung auf den Kopf stellen.

Setzt die Pubertät ein, fühlen sich viele Eltern zurückversetzt ins Trotzalter ihrer Kinder (etwa ab dem zweiten Lebensjahr), als die "Ich-Werdung" und der Drang nach Selbstständigkeit die Nerven schon mal auf eine harte Probe stellten. Die Pubertät kann man als Steigerung dieses Triebs nach Unabhängigkeit und Selbstfindung betrachten.

Hinzu kommt noch, dass das Eltern-Kind-Verhältnis eine komplett neue Wendung nimmt. Waren die Eltern - jedenfalls in harmonischen Familien - bis eben noch die unangefochtenen "Stars" ihrer Kinder, werden sie jetzt unter Umständen stark in Frage gestellt. Es droht das Ende der Familienidylle.


Immer früher

In der Regel fängt die Pubertät heute bei Mädchen etwa mit elf oder zwölf Jahren an und dauert bis zum 17. oder 18. Lebensjahr. Jungen kommen in diese Entwicklungsphase etwas später - mit zwölf oder 13. Die Pubertät kann aber auch später beginnen oder früher zu Ende sein. Die Eltern jedenfalls trifft es oft wie ein Schlag aus heiterem Himmel, denn sie wähnten die Pubertät noch in weiter Ferne.

Fakt ist jedoch, dass sie heute immer früher beginnt und dass sich die Geschlechtsreife pro Jahrgang um zwei Monate nach vorne verschiebt. Zum Vergleich: Bekamen Mädchen im 19. Jahrhundert ihre erste Regelblutung mit fast 17 Jahren, haben heute viele junge Frauen schon mit elfeinhalb Jahren ihre erste Periode. Von Fachleuten wird dieser Fakt vor allem auf die heute bessere medizinische Versorgung und ausgewogenere Ernährung zurückgeführt. Auch Umweltgifte und östrogen-ähnliche Stoffe, die zum Beispiel in Lebensmitteln enthalten sind, werden von einigen Wissenschaftlern verantwortlich gemacht.


Was ist pubertäres Verhalten?

In der Pubertät verändert sich der Körper. Unter dem Einschuss der Sexualhormone gelangen die Jugendlichen zu sexueller Reife. Parallel hierzu verläuft ein seelischer Prozess des Erwachsenwerdens, der eine mitunter turbulente Gefühlswelt erzeugt. Die kindliche Abhängigkeit und Identifikation mit den Eltern weicht dem Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, Geschlechterrollen werden erprobt und gefunden, Liebe und Sexualität erkundet. In diese Zeit fällt meist auch die erste Verliebtheit mit all ihren seelischen Hochs und Tiefs.



Die Jugendlichen sind jetzt gefühlsmäßig äußerst instabil und verletzlich, überspielen dies aber unter Umständen mit besonders "coolem" Verhalten und demonstrativer Abgeklärtheit. Phasen tiefster Verunsicherung wechseln sich mit größenwahnsinniger Selbstüberschätzung ab.

Die Pubertierenden bewegen sich ständig zwischen extremen Polen. Sie sind hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung in ihrer Lebenswelt (Gruppendruck) und der Abgrenzung von der Erwachsenenwelt. Sie suchen Abenteuer und Grenzüberschreitungen, brauchen aber als Rückhalt immer noch die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Eltern sowie die Geborgenheit einer intakten Familie. Wichtig: Auch schwer pubertierende "Stinkstiefel" brauchen noch Körperkontakt (!).


Was Eltern Probleme macht

Pubertierende suchen nach Vorbildern und Idealen. Zum Leidwesen der Eltern haben sie in dieser Rolle oft "ausgedient". Kein Wunder, dass Eltern leiden, wenn sie nach elf Jahren kindlicher Anhänglichkeit und Abhängigkeit unvermutet von ihrem Thron geschubst werden. Aufgrund ihres Wachsens und Gedeihens sind die Jugendlichen jetzt darauf angewiesen, ihre Eltern in einem realistischeren Licht zu sehen und sich von ihnen zu lösen. Das geht nicht ohne Schmerzen auf beiden Seiten.



Verbale Anfeindungen und Provokationen stehen während der Pubertät in vielen Familien auf der Tagesordnung. Eltern, die bis dahin einen "gepflegten" Umgangston mit ihren Kindern hatten, kann das ganz schön an die Nieren gehen; manche ziehen sich gekränkt und beleidigt zurück. Es fällt ihnen nicht immer ganz leicht, zwischen pubertärem Übermut und echten Grenzüberschreitungen zu unterscheiden.

Waren die Eltern bis dato noch uneingeschränkte Ratgeber und Entscheider über das Wohl ihrer Kinder, werden diese jetzt zunehmend selbstständiger und treffen ihre Entscheidungen selbst bzw. verlassen sich mehr auf externe Ratgeber (Freunde, Clique). Das kann für die Eltern einen herben Vertrauensverlust darstellen. Sie fürchten, dass ihnen ihre Kinder allzu früh "verloren gehen". Für die Jugendlichen ist es aber enorm wichtig, dass man ihnen diese Entscheidungen zutraut, dass sie als Entscheider ernst genommen und anerkannt werden.

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Tipps zum besseren Umgang


* Stehen Sie zu Ihrer Unvollkommenheit: Damit helfen Sie Ihrem Kind zu einem realistischen und "gnädigen" Menschenbild zu kommen.

* Nehmen Sie Provokationen nicht persönlich. Das Kind grenzt sich nicht von Ihnen ab, sondern von der Elterngeneration an sich.

* Gehen Sie Konflikten nicht aus dem Weg: Jugendliche setzen ihren Eltern zwar ständig Widerstand entgegen, sie suchen aber auch deren Autorität.

* Lassen Sie die Beziehung nie abbrechen: Nichts ist schlimmer, als wenn Jugendlichen das Gefühl haben, aufgegeben zu werden.

* Bleiben Sie immerim Gespräch: Halten Sie keine Vorträge, sondern hören Sie Ihrem Kind auch zu.

* Diskussionen sind erwünscht: Sie helfen den Jugendlichen, ihre eigene Position zu bestimmen. Bleiben Sie dabei (wenn möglich) freundlich und gelassen, beziehen Sie aber eindeutige Standpunkte.

* Kinder wollen "richtige" Erwachsene: Eltern, die versuchen, jugendlicher als ihre Kinder zu sein (Stichwort: Jugendwahn!), nehmen ihnen damit den Freiraum zur eigenen Entfaltung und Abgrenzung.

* Geben Sie ihrem Kind Stück für Stück Freiräume: Am besten dort, wo es den Jugendlichen wichtig ist, Ihnen aber nicht allzu weh tut: z.B. auffallende Kleidung, Musik.

* Halten Sie an gut etablierten Familienregeln fest: z.B. gemeinsames Essen, Respekt vor dem Eigentum des Kindes, Recht auf ungestörte Zeit im eigenen Zimmer.

* Sprechen Sie mit anderen Eltern: Gut, wenn Sie sich in einer ähnlichen Lage befinden, noch besser, wenn Sie "es" schon hinter sich haben.

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Zum Trost:
Denken Sie immer daran, dass die Grundlagen der Eltern-Kind-Beziehung vor der Pubertät gelegt wurden und durch sie nicht zerstört werden. Bedenken sollten Sie außerdem, dass die Selbstständigkeit Ihrer Kinder auch eine neue Freiheit und Entlastung von der ständigen Fürsorge darstellt.

Mein Kommentar dazu:
Das ist ein leidlich schwacher Trost, wenn man tatsächlich drin steckt, im Leben mit einem pubertierenden Wesen...noch dazu mit einem offensichtlich ganz besonders "schweren Fall"...wirklich, ein richtig schwacher Trost...

Und trotzdem:




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aus: www.ard.de
Text: Ina Mersch
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