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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 997 mal aufgerufen
 °° Epilepsie allgemein °°
Remi Offline




Beiträge: 3.132

20.03.2008 12:19
RE: Epilepsie und Schwangerschaft Antworten

Epilepsie und Schwangerschaft

Epilepsie und Schwangerschaft

* Was kann ich tun bei Kinderwunsch?
* Ich bin schwanger - was nun?
* Verhalten während der Schwangerschaft bei Epilepsie
* Wie schütze ich mein werdendes Kind vor Missbildungen?
* Welche Missbildungen gibt es?
* Welche Medikamente sind besonders unsicher?
* Was kann ich tun um Missbildungen zu vermeiden

Grundsätzliches

Schwanger zu werden und Kinder zu bekommen, ist eine persönliche Entscheidung eines jeden Menschen. Ärztlicherseits wird grundsätzlich hierzu geraten. Es gibt allerdings eine Reihe von Risiken, die bekannt sein sollten.

Hier zu gehören:


* Kinder epilepsiekranker Eltern haben ein etwas höheres Risiko selber an Epilepsie zu erkranken.
* Dies gilt insbesondere dann, wenn beide Eltern epilepsiekrank sind.
* Antiepileptische Medikamente können das sich entwickelnde Kind im Mutterleib schädigen. Diese Gefahr ist besonders hoch bei bestimmten Medikamenten oder wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden (Ausführungen weiter unten). Dennoch kann häufig auf antiepileptische Medikamente während der Schwangerschaft nicht verzichtet werden.

Andererseits gilt:

* Die Schwangerschaft verläuft in aller Regel normal.
* Einzelne Anfälle während der Schwangerschaft führen nur in sehr seltenen Fällen zu Problemen.
* Eine natürliche Entbindung soll angestrebt werden.
* Es gibt eine geringfügig erhöhte Neugeborenensterblichkeit. Insbesondere bei hoher antiepileptischer Medikation muss das Neugeborene ärztlicherseits betreut werden.
* Die Versorgung des Säuglings sollte insbesondere bei hoher Anfallsintensität oder -häufigkeit sichergestellt sein

Was tun bei Kinderwunsch?

Die Schwangerschaft einer Epilepsiepatientin sollte möglichst gut geplant werden. Am Anfang steht ein ausführliches ärztliches Beratungsgespräch über Risiken der Schwangerschaft und Besonderheiten. Ist die Epilepsie familiär bedingt oder liegt ein Fehlbildungssyndrom vor, so sollte eine genetische Beratung über das Vererbungsrisiko stattfinden.

Die antiepileptische Medikation sollte bei konkretem Kinderwunsch schon vor Beginn der Schwangerschaft optimal eingestellt sein.

Hierzu gehört:

1. Der Versuch die Medikation gänzlich abzusetzen, wenn über längere Zeit Anfallsfreiheit bestanden hat (1-2 Jahre).
2. Die Umstellung auf eine Monotherapie, d. h. Behandlung mit nur einem Medikament.
3. Die Umstellung auf ein möglichst günstiges Medikament, d. h. ein solches mit einer möglichst niedrigen Fehlbildungsrate.
4. Die Dosis des Medikamentes sollte soweit wie möglich verringert werden.
5. Die Verteilung auf dreimalige tägliche Gabe bzw. die Verwendung von „Retardpräparaten“, also solchen, die zu gleichmäßigeren Blutspiegeln des Medikamentes führen, sollte bevorzugt werden.
6. Aktuell wird die vorbeugende Einnahme von Folsäure 2,5-5mg/Tag empfohlen, da manche Fehlbildungen auf einen Mangel an Folsäure zurückgeführt werden.

Welche Fehlbildungen kommen bei welchen Medikamenten vor?

Prinzipiell sollte zwischen großen und kleinen Fehlbildungen unterschieden werden. Zu den großen Fehlbildungen zählen die Spaltbildung im Rückenmark oder in der Wirbelsäule (offenes Neuralrohr), die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Herzfehlbildungen oder größere Fehlbildungen am Skelett.

Zu den kleineren Fehlbildungen zählen kosmetische Auffälligkeiten, wie ein tiefer Ohransatz oder ein breiter Nasenrücken oder ein abstehender kleiner Finger sowie leicht korrigierbare Fehlbildungen wie z. B. eine Harnröhrenöffnung an der falschen Stelle oder ein überzähliger Finger.

In Statistiken zu Fehlbildungen werden häufig nur die großen Fehlbildungen einbezogen.

Darüber hinaus gilt, dass über die klassischen antiepileptischen Medikamente (Babiturat, Benzodiazepine, Carbamazepin, Phenytoin, Valproinsäure,) weit aus mehr bekannt ist, als über die Antiepileptika der neuen Generation (Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Topiramat, Tiagabine).

Als vereinfachte Regel kann angenommen werden, dass das Fehlbildungsrisiko bei Einnahme eines der klassischen Medikamente zwischen 4 und 7 % liegt. Bei Einnahme von 2 Medikamenten gleichzeitig steigt das Fehlbildungsrisiko auf etwa 10% bei 3 Medikamenten auf etwa 15%. Hierin sind die kleinen Fehlbildungen nicht mitgezählt. Zu beachten ist dass das natürliche Fehlbildungsrisiko, also dasjenige von gesunden Frauen, schon bei 2-3% liegt.

Zu den Medikamenten ist im einzelnen folgendes bekannt:

Carbamazepin kann zu einer erhöhten Rate von offenem Neuralrohr führen, etwa 1-2% aller Schwangerschaften sind betroffen. Daneben wurden unter anderem folgende Fehlbildungen beschrieben: Herzfehler, Fehlbildungen am harnleitenden System oder den Geschlechtsteilen, Veränderungen an den Augenbrauen, verbreiterter Nasenrücken, kurze Nase, verkleinerter Kopf. Bei etwa 20% der Kinder kommt es zu Entwicklungsverzögerungen in der Gebärmutter mit kleinerem Kopfumfang, auch scheint die Rate von Fehlgeburten etwas höher.

Benzodiazepine (Clobazam (Frisium®), Clonazepam (Rivotril®), Diazepam (Valium® ), Lorazepam (Tavor®) führen, nach neueren Erkenntnissen nicht sicher zu Fehlbildungen, begünstigen aber die Entwicklung von Fehlbildungen bei Therapie mit anderen Antiepilepsiemitteln. Von daher kann während der ersten 12-14 Schwangerschaftswochen, während der Zeit in der sich das Kind im Mutterleib entwickelt, auf ein Benzodiazepin umgestellt werden. Nach Ablauf dieser 14 Wochen sind alle Organe gebildet und das Kind wächst. Danach kann auf die ursprüngliche Medikation zurück umgestellt werden, da die Benzodiazepine nur als Notfallmedikamente gelten, ihre Wirkung verlieren und Patienten sich daran gewöhnen können.

Valproinsäure:

Bei Anwendung von Valproinsäure in der frühen Schwangerschaft bis zur 14. Schwangerschaftswoche kommt es gehäuft zur Ausbildung eines offenen Neuralrohrs (2-3% aller Schwangerschaften). Herzfehlbildungen und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten wurden beobachtet. Weitere kosmetische Fehlbildungen im Bereich des Gesichts, der Finger, Zehen und Nägel sind beschrieben worden. Selten kommen auch Fehlbildungen am harnleitenden System oder den Geschlechtsteilen vor. Falls möglich sollte dieses Medikament in der frühen Schwangerschaft vermieden werden.

Babiturate:
Z. B. Phenobarbital (Phenaemal®)) oder Primidon (Mylepsinum®)
An größeren Fehlbildungen wurden vor allen Dingen Herzfehler beobachtet. Kleinere Gesichtsfehlbildungen und Entwicklungsverzögerungen wurden beschrieben. Insbesondere Barbiturate können ins kindliche Blut oder die Muttermilch übertreten. Sie führen zu einer erhöhten Schläfrigkeit, Antriebsarmut und Trinkschwäche des Neugeborenen. Ist dies deutlich erkennbar sollte besser abgestillt werden.

Ethosuximid (Suxinutin®):
Selten aber dennoch erkennbar gehäuft treten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten auf.

Phenytoin (z. B. Phenhydan®):
Auch hier wurden Herzfehler, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und kleinere Gesichtsfehlbildungen sowie Fehlbildungen an den Händen und Fingern beschrieben. Daneben kann es zu verlangsamtem Wachstum der Kinder im Mutterleib und zu einem verringerten Geburtsgewicht kommen.

Lamotrigin (Lamictal®, Lamotriax®):

Wie bei allen neueren Antiepileptika ist die Erfahrung mit Schwangerschaften noch nicht ausreichend, um eine klare Aussage bezüglich des Fehlbildungsrisikos zu ermöglichen. Bei über 200 Schwangerschaften mit Lamotrigin in Monotherapie lag die Fehlbildungsrate bei etwa 4%. Wird Lamotrigin mit einem anderen Mittel kombiniert, steigt die Fehlbildungsrate auf 8-10%. Letzte Beobachtungen deuten daraufhin, dass insbesondere die Kombination von Lamotrigin und Valproinsäure Fehlbildungen hervorrufen kann. Neben Fehlgeburten wurden Fehlbildungen an Gehirn und Verdauungsapparat beobachtet.

Gabapentin (Neurontin®):
Die Zahl der beobachteten Schwangerschaften reicht noch nicht aus, um eine Aussage zu ermöglichen. Eine auffällig erhöhte Fehlbildungsrate wurde bisher nicht beobachtet.

Topiramat (Topamax®):
Die Zahl der beobachteten Schwangerschaften reicht noch nicht aus, um eine Aussage zu ermöglichen. Eine auffällig erhöhte Fehlbildungsrate wurde bisher nicht beobachtet.

Levetiracetam (Keppra®):
Insbesondere in der Monotherapie liegen bisher keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Tiagabin (Gabitril®):
Da das Medikament nicht zur Monotherapie zugelassen ist, liegen bisher keine ausreichenden Erfahrungen mit Schwangeren vor.

Pregabalin (Lyrica®):

Das Medikament ist erst kürzlich zugelassen worden, daher liegen noch keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Zonisamid (Zonegran®):
Zonisamid ist erst kürzlich in Deutschland zugelassen worden. Trotz Erfahrungen in Japan und den USA liegen keine ausreichenden Daten vor.


Auf was sollte während der Schwangerschaft geachtet werden?

Schwangerschaften bei Epilepsie-Patientinnen gelten als Risikoschwangerschaften. Diese Einschätzung beruht hauptsächlich auf der oben erwähnten Gefährdung des Kindes im Mutterleib. Darüber hinaus verlaufen Schwangerschaften bei Epilepsie-Patientinnen weitgehend normal. Einige Autoren sprechen von einer etwas erhöhten Rate an Fehlgeburten und frühem Kindstod nach der Entbindung. Dies ist jedoch nicht sicher belegt. Bei etwa der Hälfte der Frauen ändert sich die Anfallshäufigkeit während der Schwangerschaft nicht, bei je einem Viertel nimmt sie etwas zu oder ab. Eine Anfallszunahme kann mitunter daran liegen, dass die Schwangere weniger oder gar keine Medikamente einnimmt. Etwa jede 7. Frau handelt so um. Auch nimmt ihr Körpergewicht zu, so dass sich die Medikation auf ein größeres Volumen verteilt und der Blutspiegel abnimmt.

Epileptische Anfälle auch generalisierte Anfälle gefährden nicht das Kind. Dies liegt an der höheren Sauerstoffbindung des kindlichen Blutes. Das Geburtsgewicht der Kinder ist weder erhöht noch erniedrigt. Die Frühgeburtsrate ist nicht erhöht. Auch die Rate an Geburten mit der Saugglocke und Kaiserschnitten ist nicht erhöht. Häufiger als bei Gesunden wird die Geburt bei Epilepsiepatientinnen eingeleitet. Dies geschieht sehr wahrscheinlich, um die Geburt unter kontrollierten Bedingungen ablaufen zu lassen. Anfälle unter der Geburt sind eine Rarität. Sie scheinen bei Patientinnen mit idiopathisch-generalisierten Epilepsie-Syndromen (z.B.: Absencen, Aufwach Grand-Mal, jugendliche myoklonische Epilepsie) etwas vermehrt vor zu kommen. Die Zahl von Zwillings- oder Mehrlingsgeburten ist nicht erhöht.

An Vorsorgeuntersuchungen ist vor allem eine ausführliche Ultraschalldiagnostik zum Auschluss von Fehlbildungen (evtl. mehrfach) in der 8.-16. Schwangerschaftswoche notwendig.
Was ist bei der Entbindung zu beachten?

Zunächst sollte eine Geburt auf natürlichem Wege angestrebt werden. Nur bei kompliziertem Schwangerschaftsverlauf, nachgewiesener Fehlbildung des Kindes, hoher Anfallshäufigkeit oder hochdosierter medikamentöser Einstellung kann ein Kaiserschnitt ratsam sein. Von Hausgeburten ist abzuraten, da ärztliche Hilfe hier nicht so rasch verfügbar ist.

Wenn Carbamazepin, Phenytoin oder Phenobarbital eingenommen werden, soll in den 4 Wochen vor der geplanten Entbindung täglich 10 mg Vitamin K (Konakion) eingenommen werden. Dies geschieht um Gerinnungsproblemen vorzubeugen.
Soll das neugeborene Kind gestillt werden?

Grundsätzlich wird zum Stillen geraten. Aber auch hier gibt es einige Dinge, die bekannt sein sollten.

Alle Medikamente gegen Epilepsie finden sich auch in der Muttermilch wieder. Bei den meisten Medikamenten ist die Konzentration in der Muttermilch jedoch gering und führt nicht zu Nebenwirkungen beim Kind. Ausnahmen hiervon sind Levetiracetam und Phenobarbital. Insbesondere beim Phenobarbital kann dies, wie oben erwähnt zu einer „Sedierung“ (Dämpfung) des Kindes führen. Bei überhöhter Schläfrigkeit, Antriebsarmut oder Trinkschwäche des Säuglings sollte abgestillt werden.
Was ist nach der Entbindung zu beachten?

Wie alle Frauen erleben auch Epilepsie-Patientinnen nach der Entbindung hormonelle Umstellungen. Diese können zu Stimmungsschwankungen, Wochenbettdepressionen oder gar Wochenbettpsychosen (Wahn und Halluzinationen) führen. Diese Symptome stehen nicht mit der Epilepsie in Verbindung.

Wenn die antiepileptische Medikation vor oder während der Schwangerschaft erniedrigt wurde sollte sie wieder auf die ursprüngliche Dosis, die vor der Schwangerschaft eingenommen wurde zurückgesetzt werden.

Wichtig ist, dass es bedingt durch ein nächtlich unruhiges Kind zu Schlafstörungen kommen kann. Der hierdurch entstehende Schlafmangel kann wiederum epileptische Anfälle provozieren. Hier sollte es, falls möglich, zu einer partnerschaftlichen Aufteilung der nächtlichen Betreuung des Säuglings durch beide Eltern kommen.

Insbesondere bei hoher Anfallshäufigkeit sollten Vorkehrungen getroffen werden, die bei einem plötzlichen Anfall der Mutter eine Versorgung des Kindes garantieren bzw. helfen Unfälle zu vermeiden.

Hierzu zählen:

* Mitbetreuung durch eine nahestehende weitere Person
* Gefahrloses Wickeln des Säuglings z.B. auf einem flachen abgepolsterten Bett
* Baden des Kindes in einer Babybadewanne mit nur sehr wenig Wasser
* Information von nahestehenden Personen über die aktuelle Anfallssituation

Nach der Neugeborenenphase und einer kinderärztlichen Erstuntersuchung des Neugeborenen ist es ausreichend, wenn die üblichen kindlichen Vorsorgeuntersuchungen eingehalten werden.

Quelle:www.Epilepsie-Netz.de

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Beratung von Frauen vor und in der Schwangerschaft nach den schottischen Leitlinien


Die Nichtbefolgung bekannter Leitlininen in der Beratung von Frauen mit Epilepsie wird in der neuen Ausgabe vom Britisch Medical Journal in einer Studie den dortigen Ärzten bescheinigt. Die meisten wurden von ihrem Allgemeinarzt behandelt, die Anfallskontrolle sei schlecht, die Einnahme der Medikamente sehr unterschiedlich, die Beratung zur Verhütung, wie allgemein zu einer Schwangerschaft, sei ineffektiv. Weniger als 50% der untersuchten Schwangerschaften waren geplant, teilweise wegen Versagens der Pille (falsche Pille in Verbindung mit dem Antiepileptikum). Mit ein Grund sei, daß die Leitlinien zur Beratung und Behandlung meist für Neurologen verfaßt seinen und die Allgemeinärzte nicht erreichten. Fairgrieve, S. D, Jackson, M., Jonas, P., Walshaw, D., White, K., Montgomery, T. L, Burn, J., Lynch, S. A (2000). Population based, prospective study of the care of women with epilepsy in pregnancy. BMJ 321: 674-675 [Full text]

* Schwangerschaften bei Frauen mit Epilepsie sollten wann immer möglich geplant sein, um eine entsprechende Betreuung sicher zu stellen.

*
In der Verhütung sollte bei Gabe enzyminduzierender Antiepileptika ( Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Phenobarbital ) bedacht werden, daß die Wirkung der Pille beeinträchtigt werden kann. Es sollten in diesen Fällen kombinierte Antibabypillen mit mindestens 50µg Östrogen/Tag angewendet werden, oder andere nicht hormonelle Verhütungsmethoden gewählt werden.

* Vor der Schwangerschaft sollte eine ausführliche Information dieser Frauen stehen. Sinnvollerweise wird diese Information allen Frauen mit dieser Erkankung im gebärfähigen Alter gegeben.

Die Mehrheit der Kinder von Müttern mit Epilepsie sind normal und gesund. Es besteht aber bei den Kindern besonders der Frauen die Antiepileptika nehmen ein erhöhtes Mißbildungsrisiko für kleinere kosmetische wie für schwerwiegende Mißbildungen im Vergleich zu Frauen ohne Epilepsie.

Es ist möglich, daß dieses Risiko durch eine genetische Prädisposition für Mißbildungen in einigen dieser Familien besteht. Die Familenvorgeschichten beider Partner sollten diesbezüglich angesehen werden.

Pränatale Screeninguntersuchungen mit Blut- und Ultraschalluntersuchungen kann viele, insbesondere die größeren Mißbildungen frühzeitig entdecken.

Tonisch-Klonische Krämpfe (große Anfälle) in der Schwangerschaft stellen ein Risiko für Mutter und Kind dar. Antiepileptika vermindern dieses Risiko.

Antiepileptika beinhalten ein erhöhtes Risiko von Neuralrohrdefekten (Spinn bifida usw.). Die möglichst frühzeitige Gabe von Folsäurepräparaten ist besonders wichtig um dieses Risiko zu vermindern.

Vor und während der Schwangerschaft sollte das Ziel Anfallsfreiheit bei möglichst niedriger Dosis von Antiepileptika sein. In manchen ausgewählten Fällen kann ein Ausschleichen der Antiepileptika vor Beginn der Schwangerschaft sinnvoll sein, in anderen die Umstellung von einer Mehrfach- oder Polytherapie auf eine Monotherapie (Therapie mit einer Substanz).

Folsäure

*
Alle Frauen mit Epilepsie sollten angewiesen werden täglich 5mg Folsäure bereits in der Zeit einzunehmen in der sie planen schwanger zu werden und in mindestens den ersten 12 Wochen nach der Befruchtung.

Vitamin K

*
Die Babys von Frauen die mit der Gabe enzyminduzierender Antiepileptika behandelt werden ( Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Phenobarbital ) haben ein erhöhtes Risiko von Blutungen Haemorrhagische Erkrankungen durch einen Mangel an Vit. K abhängigen Gerinnungsfaktoren. Frauen die diese Medikamente nehmen sollten prophylaktisch mit Vitamin K (Konakion) 20mg oral/täglich von der 36. Schwangerschaftswoche an bis zur Geburt behandelt und ihre Babys sollten bei Geburt 1mg Vitamin K intramuskulär erhalten.


Umgang mit Frauen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko


* Der Steroidmetabolismus ist möglicherweise durch enzyminduzierende Antiepileptika beschleunigt. Bei Gabe von enzyminduzierenden Antiepileptika ( Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Phenobarbital ) sollten diese Frauen die doppelte übliche Steroiddosis erhalten. (48mg statt den normalerweise angeratenen 24mg Betamethason), es sollte hier immer eine sofortige prophylaktische Gabe von Vitamin K (Konakion) 20mg oral/täglich begonnen werden.

Antiepileptika vor und während der Schwangerschaft

* Frauen mit Epilepsie die schwanger werden wollen, sollten zur Beratung immer einem Experten vorgestellt werden. Die Diagnose sollte dabei nochmals überprüft und spezifiziert werden.

* Falls bereits mindestens 2 Jahre Anfallsfreiheit vorliegt sollte ein langsames Absetzen der Antiepileptika durch den Facharzt unter Kontrolle im Verlauf von 3-6 Monaten erwogen werden.

* Bei Frauen die nicht
mindestens 2 Jahre anfallsfrei sind, oder bei denen auf Grund der speziellen Art der Epilepsie ein erhöhtes Risiko für erneute Anfälle besteht, oder bei Frauen die das Risiko erneuter Anfälle nicht in Kauf nehmen wollten sollte ein Versuch einer Umwandlung einer Polytherapie in eine Monotherapie erwogen werden.

*
Ziel sollte Anfallsfreiheit bei möglichst niedriger Dosis von Antiepileptika sein.

* Wenn Valproinsäure das einzige Antiepileptikum der Wahl ist sollten hohe Plasmaspiegel vermieden werden, die Dosis sollte möglichst auf mindestens 2 Tagesdosen verteilt werden und/oder es sollte ein Präparat mit verzögerter Freisetzung und gleichmäßigem Plamaspiegel ( Retard /chrono usw.) verwendet werden.

* Falls bei Vorstellung bereits eine Schwangerschaft besteht, sollte in der Regel bei wirksamer Medikation nicht mehr umgestellt werden. Dies da die Möglichkeiten dann noch das Risiko der Mißbildung zu reduzieren minimal sind.

* Ärzte sollte ihrer Meldepflicht unerwünschter Nebenwirkungen im Falle von Mißbildungen im besonderen Maße nachkommen um die Kenntnisse hierüber zu verbessern.

Dosisanpassung während der Schwangerschaft:

*
Entscheidend bleibt die Wirkung: bei unzureichender Wirksamkeit ist die Dosis zu erhöhen, oder muß manchmal auch ein weiteres Antiepileptikum dazu gegeben werden.

*
Für die Bestimmung von Plasmaspiegeln gilt wie sonst auch, daß sie nur bei Anzeichen von Toxizität, zur Überprüfung der Compliance oder bei Polytherapie indiziert ist.

Vorsorge



* Allen Schwangeren eine Kontrolle des AFP (alpha feto Protein) angeboten werden. Dabei sollte über die Konsequenzen bereits vor der Screening- Untersuchung aufgeklärt werden.

*
Allen Schwangeren sollte eine besonders qualifizierte Ultraschalluntersuchung ( 18 - 22. Woche) angeboten werden. Es sollte auch dann der Hinweis gegeben werden, daß die beste Untersuchung keine 100%ige Sicherheit bietet.

* die Behandlung des Status epileptikus erfolgt wie sonst auch: Diazepam 10 - 20mg iv (zunächst 10mg als Bolus mit langsamer Injektion weiterer 2mg Dosen nach Erfordernissen). Wenn notwendig Phenytoin iv 15mg/Kg nicht schneller als 50mg/Minute. Wenn kein venöser Zugang möglich ist, kann die Diazepamdosis als Rektiole gegeben werden.

Wehen und Entbindung

* Klinik mit Konsiliardienst oder neurologischer Abteilung auswählen.

* Unterrichtung, daß die meisten Geburten auch bei Epilepsie als normale, vaginale Entbindungen ablaufen.

*
Antiepileptika werden während der Wehen wie gewohnt weiter gegeben. Keine Dosis auslassen.

* Tonisch-klonische Anfälle treten bei 1 - 2% der Frauen während der Wehen auf. Behandlung wie sonst auch. Wiederholte große Anfälle während der Wehen stellen eine Indikation für einen Kaiserschnitt (unter Narkose) dar. (wegen des Risikos des Sauerstoffmangels für das Kind)

* Schmerzbehandlung wie bei anderen Frauen auch.

Versorgung des Säuglings

* Epilepsie und Antiepileptika stellen keine Kontraindikation für Stillen dar. Wenn der Säugling allerdings trinkfaul und hypoton ist, sollte bei Säugling der Blutspiegel der Medikamente überprüft werden, ist dieser hoch sollte abgestillt werden.

* Insgesamt ist von wenigen Ausnahmen abgesehen, davon auszugehen, daß die Kinder von Eltern mit einer Epilepsie ein etwa 3% iges Risiko haben selbst eine Epilepsie zu entwickeln. (höher bei speziellen Syndromen).

*
* Die folgenden Ratschläge gelten identisch für den Vater mit einer Epilepsie im Umgang mit dem Säugling Ob überhaupt besondere Vorkehrungen erforderlich sind, richtet sich nach dem individuellen Anfallsrisiko.
* Je höher das Anfallsrisiko bei der Frau um so mehr sollte sie beim Füttern eine für den Säugling sichere Position einnehmen. Z.B.: auf dem Boden sitzend oder auf dem Sofa mit einem unterlegten Kissen.
* Je höher das Anfallsrisiko bei der Frau um so eher sollte auf dem Boden gewickelt werden.
* Bei hohem Anfallsrisiko ist ein Kinderwagen mit automatischer Bremse sinnvoll.
* Bei hohem Anfallsrisiko sollte die Frau den Säugling nicht alleine baden.
* Schlafmangel der Mutter sollte möglichst gering gehalten werden, da dieser anfallsauslösend sein kann.
* Ergänzt und erweitert nach 1997, "Management of pregnant women with epilepsy" (available via www.show.scot.nhs.uk/sign/sogap1.htm). This guideline was developed by a multidisciplinary group in accordance with rigorous methodology recommended by the Scottish Intercollegiate Guidelines Network (Fast wörtliche gering abgeänderte Übersetzung durch KCM)

Quelle: www.Neuro24.de

Gruss
Remi

Der Blues wurde deshalb erfunden, weil die Seele vieler Menschen sonst noch schneller verkümmert wäre!


Vivi1988 ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2011 21:40
#2 RE: Epilepsie und Schwangerschaft Antworten

Gibt es ein Medikament welches Vergleichbar mit Carbamazepin ist, wo das Risiko niedriger ist ?

Remi13 Offline




Beiträge: 69

24.07.2011 15:29
#3 RE: Epilepsie und Schwangerschaft Antworten

Hallo Vivi,

auch hier können wir dir als "Laien" nicht weiterhelfen!
nur soviel, es gibt 4 Grundarten bei Epilepsiemedikamenten.
meiner Meinung nach gehört z.B. Lamotrigin oder jetzt seit ein paar Jahren auch Keppra zu den Mitteln mit den wenigsten Nebenwirkungen.

aber ob Du darauf ansprichst, und unter diesen Mitteln Anfallfrei bist, das musst du wiederum mit fachkundigen Ärzten beprechen und ausprobieren!

Gruss
Remi

Gestehe jedem anderen den Freiraum zu, den du selber für dich benötigst!

Vivi1988 Offline



Beiträge: 3

24.07.2011 16:48
#4 RE: Epilepsie und Schwangerschaft Antworten

Danke für Deine Antwort. Keppra nehme ich im Kombi mit Carbamazepin und kriege nur max. 3 Anfälle im Jahr. Mit meinen Neurologen sprach ich schonmal drüber aber er war nicht so begeistert. Habe mir bei einem anderen Neuro eine 2. Meinung geholt. Wegen dem Carbamazepin sieht auch dieser Probleme und im empfahl eine evtl Umstellung. Darüber sprech ich im August mit meinem Neuro nochmal.

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