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Gipsy ( gelöscht )
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13.12.2007 12:38
RE: Medikamententests: Werbung oder Wissenschaft? Antworten

Zweifelhafte Studien:

"MEDIKAMENTENTESTS SIND MEHR WERBUNG ALS WISSENSCHAFT"


Mit Aufträgen für lukrative Studien bringen Pharmafirmen Ärzte dazu, ihre Medikamente zu verschreiben - auch wenn diese oft teurer sind als die der Konkurrenz. Arzneimittelexperten fordern deshalb eine weitere Verschärfung der Gesetze.


Eine Nasennebenhöhlenentzündung kann man mit Penizillin zum Preis von 15 Euro behandeln. Oder mit Avalox - einem Medikament, dass von Fachleuten auch Panzerschrank-Antibiotikum genannt wird, weil es erst bei schweren Infektionen eingesetzt werden sollte. Zehn Tabletten Avalox kosten 65 Euro. Der Pharmakonzern Bayer testet sein Medikament aktuell an mehr als 15.000 Patienten - im Rahmen einer sogenannten Anwendungsbeobachtung.
Über 300 solcher Studien der Pharmaindustrie laufen zur Zeit.


Ärzte erhalten von den Pharmafirmen Geld für die Tests.

"Viele dieser Anwendungsbeobachtungen sind mehr Werbung als Wissenschaft", sagt Susanne Dietrich, Direktorin des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse: "Der Arzt soll umgelenkt werden auf das Präparat, das in der Anwendungsbeobachtung betrachtet wird." In den meisten Fällen hätten die getesteten Präparate aber keinen Zusatznutzen gegenüber den Präparaten, die der Arzt vorher verordnet hat. "Das heißt die, meisten Patienten werden mit diesen Präparaten nicht besser behandelt werden, sondern in vielen Fällen nur teurer", sagt Dietrich.



Erfahrungsgewinn für die einen, Zusatzverdienst für die anderen

Avalox ist seit acht Jahren auf dem Markt. Trotzdem gibt der Hersteller Bayer auf Anfrage von NDR Info an, dass man sich von der laufenden Studie einen wissenschaftlichen Erfahrungsgewinn und Hinweise auf sehr seltene Nebenwirkungen erhofft. Für Ärzte sind solche Studien ein interessanter Zusatzverdienst.
Pro Patient zahlen die Pharmakonzerne bis zu 700 Euro.

Die Kosten für die Medikamente tragen die gesetzlichen Krankenkassen, auch noch lange nach dem Ende der Studie: Denn die Patienten nehmen die Medikamente oft jahrelang weiter. Der wissenschaftliche Wert der Studien ist dagegen umstritten.
Das weiß auch das Bundesgesundheitsministerium und hat deshalb im April dafür gesorgt, dass die Pharmafirmen das Ziel und die teilnehmenden Ärzte ihrer Anwendungsbeobachtungen melden müssen.



Neue Pflichten der Pharmafirmen ändern wenig

Allerdings mit wenig Erfolg: Ein erster Blick zeigt, dass auch weiterhin unwirtschaftliche Präparate getestet werden. Weiter sind Präparate dabei, die schon seit Jahren auf dem Markt sind und bei denen man sich fragen muss, ob man hier nicht schon genug Erfahrungen gesammelt hat.


Bayer beharrt: Die Avalox-Studie ist notwendig.


Und die Studien sind auch nach der Gesetzesänderung ein Massenphänomen geblieben. In neun der laufenden Untersuchungen nehmen jeweils über 15.000 Patienten die entsprechenden Medikamente ein. "Ein Vielfaches dessen, was man für eine wissenschaftliche Untersuchung braucht", sagt Eberhard Gramsch, der als Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen die Ärzte vertritt: "Bei dieser großen Teilnehmerzahl lässt sich natürlich der Verdacht nicht ganz von der Hand weisen vor, dass hier marktwirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle spielen."



13 Jahre altes Präparat wird getestet

In den meisten der Großstudien werden Medikamente eingesetzt, die älter als fünf Jahre sind, Wirkungen und Nebenwirkungen sind also nicht mehr unbekannt
. Zum Beispiel bei Pantozol, ein Medikament gegen Magenschmerzen. Eingeführt wurde es in Deutschland 1994, also schon vor dreizehn Jahren.

Arzneimittelexperte Gerd Glaeske vermutet, dass der Hersteller Nycomed, ehemals Altana, die Nachfrage auch mit Hilfe von Anwendungsbeobachtungen groß hält: "Pantozol steht an der zweiten Stelle der umsatzstärksten Medikamente überhaupt. Das ist deshalb verwunderlich, ja skandalös, weil für dieses Mittel sehr viele preiswertere Alternativen existieren."

Für Glaeske ist es ein Skandal, dass die gesetzlichen Krankenkassen und damit die Beitragszahler Marketing-Kampagnen der Pharmafirmen für überteuerte Medikamente finanzieren müssen. Er fordert eine weitere Verschärfung der Kontrollen von Anwendungsbeobachtungen.

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Von Ann-Katrin Johannsmann, NDR
www.tagesschau.de
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Aha, es gibt sie also doch: Die Pharma-Mafia!
Geahnt haben wir das ja schön länger...



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