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 ~* LYRIK ~~~ LITERATUR ~~~ APHORISMEN *~
Gipsy ( gelöscht )
Beiträge:

11.10.2007 11:58
RE: Der Deutsche Buchpreis geht an... antworten




~~~~~~~~~ DEUTSCHER BUCHPREIS GEHT AN JULIA FRANCK ~~~~~~~~~



Julia Franck bei der Preisvergabe im Frankfurter Römer


Damit hatte kaum einer gerechnet: Die 37-jährige Berliner Schriftstellerin Julia Franck hat mit ihrem Roman "Mittagsfrau" den Deutschen Buchpreis gewonnen. Sie setzte sich knapp gegen Favoritin Katja Lange-Müller durch. Die Reaktionen waren gespalten.

Die gebürtige Ost-Berlinerin konnte zunächst ihr Glück kaum fassen. Mit Tränen in den Augen trat sie aufs Podium im Kaisersaal des Frankfurter Römers und nahm den begehrten Preis entgegen. "Ich war wirklich überrascht über die Auszeichnung", gab Franck zu. Sie hätte eher zwei andere Bücher gesehen, die den Preis verdient hätten, meinte sie danach vor der Presse.

Verleger Florian Langenscheidt begrüßte die Entscheidung. "Es ist gut, dass ein junger Autor gewonnen hat." Konkurrent Thomas Glavinic, der mit seinem Roman "Das bin doch ich" auf Rang vier landete, war gerührt. "Ich sah, dass sie Tränen in den Augen hatte. Da hätte ich auch fast weinen müssen."

Die Mehrheit der Gäste der Buchpreis-Verleihung hatte eher die 56-jährige Katja Länge-Müller als Gewinnerin erwartet. "Hätte man im Publikum abgestimmt, wäre sie vorne gelegen", meinte ein Gast.



Katja Lange-Müller "Böse Schafe"
208 Seiten, € 16,90
ISBN-10: 3462039148
ISBN-13: 978-3462039146
Kiepenheuer & Witsch
September 2007



Schwierige Entscheidung

Ein Jury-Mitglied meinte sarkastisch, es handle sich zwar nicht um ein Votum, das einen begeistern würde, man müsste aber auch nicht dafür erschossen werden. Er spielte indirekt auf die kritische Debatte im Feuilleton der Tagespresse auf den Roman Francks an.

Letztendlich entschied sich aber die sieben-köpfige Jury nach energischen und intensiven Diskussionen für Francks Buch. "Besonders wurde darüber gestritten, was ein deutschsprachiger Roman jenseits von literarischen Moden und Konfektionsware zu leisten imstande ist", erklärte Jurysprecherin Felicitas von Lovenberg.


Eine Frau, die ihren Sohn verstößt


In dem Buch geht es um das bewegende Schicksal einer deutsch-jüdischen Familie. Im Mittelpunkt steht die "Mittagsfrau", die Krankenschwester Helene.
Es ist die verstörende Geschichte einer Frau vor dem Hintergrund zweier Weltkriege, die ihren kleinen Sohn verlässt, weil ihr die Nähe, die er sucht, zunehmend unerträglich wird. Das Buch, so die Jury, überzeuge durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität.

In dem Roman hat Franck auch Teile ihrer eigenen Lebensgeschichte eingebaut. "Es fällt erst einem nach dem Schreiben des Buchs auf, wie viel aus der eigenen Erfahrungs- und Bilderwelt stammt", sagte die ausgezeichnete Autorin gegenüber der Presse. Die Tochter einer alleinerziehenden Schauspielerin aus Ost-Berlin war 1978 im Alter von acht Jahren in den Westen gekommen. Inzwischen ist Franck ebenfalls alleinerziehend und hat zwei Kinder.


Julia Franck "Die Mittagsfrau"
432 Seiten, € 19,90
ISBN 978-3100226006
Fischer
September 2007


Die junge Schriftstellerin mit den langen Haaren setzte sich gegen Thomas Glavinic (Das bin doch ich, Hanser), Michael Köhlmeier (Abendland, Hanser), Katja Lange-Müller (Böse Schafe, Kiepenheuer & Witsch), Martin Mosebach (Der Mond und das Mädchen, Hanser) und Thomas von Steinaecker (Wallner beginnt zu fliegen, FVA) durch.
Sie erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro.


Preis schafft mehr Aufmerksamnkeit

Der Deutsche Buchpreis, der am Montag zum dritten Mal verliehen wurde, ist nach Ansicht des Chefs des Münchner Hanser Verlags, Michael Krüger, zu einer Marke geworden. Der gesamte Buchhandel stehe hinter der Auszeichnung, sagte Krüger. Der Preis mache es ausländischen Verlegern leichter, eine Auswahl zu treffen und verschaffe zugleich den Autoren mehr Aufmerksamkeit in Deutschland. Vorbild sind die beiden anderen großen renommierten europäischen Buchpreise, der Prix Goncourt in Frankreich und der Booker Prize in Großbritannien. Der Preis entwickle sich allmählich zu einem "deutschen Prix Goncourt", meinte Verleger Langenscheidt gegenüber hr-online.

Doch immer noch seien deutsche Bücher nur schwer im Ausland zu verkaufen, monierten Buch-Experten im Anschluss an die Preisverleihung. Es würden deutlich mehr Bücher aus dem englischen ins deutsche übersetzt als umgekehrt.


Jedes Jahr wechselt die Jury

Deutschsprachige Verlage konnten je zwei Titel aus ihrer aktuellen Buchproduktion einreichen. Eine siebenköpfige Jury, die jedes Jahr neu besetzt wird, wählte aus den eingereichten Titel rund 20 Bücher aus, die auf die so genannte Longlist gesetzt wurden. Aus diesen wählte sie wiederum sechs Publikationen aus, die in die engere Auswahl - die so genannte Shortlist - kamen.


Thomas Glavinic "Das bin doch ich"
240 Seiten, € 19,90
ISBN-10: 3446209123
ISBN-13: 978-3446209121
Hanser, August 2007


Zum ersten Mal konnten die Verlage in diesem Jahr bis zu fünf weitere Titel empfehlen, die den Bewerbungskriterien entsprechen. So kam zusätzlich eine Liste von 61 Büchern zustande, auf die die Jury zurückgreifen kann.

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2007 gehören neben der Sprecherin der Jury, Felicitas von Lovenberg («Frankfurter Allgemeine Zeitung»), an: Christian Döring (Lektor und Kritiker), Karl-Markus Gauß (Autor und Herausgeber der Zeitschrift "Literatur & Kritik"), Ijoma Mangold (Süddeutsche Zeitung), Rudolf Müller (Müller & Böhm, Literaturhandlung im Heine Haus), Mathias Schreiber (Der SPIEGEL) und Hajo Steinert (Deutschlandfunk).


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Die Romane der Shortlist im Überblick

*Erstaunliche erzählerische Leistung: Julia Franck "Die Mittagsfrau"

*Thomas Glavinic "Das bin doch ich"

*Von Mathematik und Hundeliebhaberei: Michael Köhlmeier "Abendland"

*Mit Realitätssinn und Witz: Katja Lange-Müller "Böse Schafe"

*Ein literarischer Spaß: Martin Mosebach "Der Mond und das
Mädchen"

*Ehrgeiziges Debüt: Thomas von Steinaecker "Wallner beginnt zu fliegen"
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Alle Romane der Longlist

*Überzeugend und spannungsvoll: Thommie Bayer "Eine kurze Geschichte vom Glück"

*Spurensuche in Amerika: Larissa Boehning: Lichte Stoffe

*Fast wie im richtigen Leben: John von Düffel "Beste Jahre"

*Erstaunliche erzählerische Leistung: Julia Franck "Die Mittagsfrau"

*Thomas Glavinic "Das bin doch ich"

*Leben mit dreifacher Identität: Lena Gorelik "Hochzeit in Jerusalem"

*Tod, fest vernäht mit dem Leben: Sabine Gruber "Über Nacht"

*In Erinnerungen schwelgend: Peter Henisch "Eine sehr kleine Frau"

*Von Mathematik und Hundeliebhaberei: Michael Köhlmeier "Abendland"

*Mit Realitätssinn und Witz: Katja Lange-Müller "Böse Schafe"

*Große Tiefenschärfe: Michael Lentz "Pazifik Exil"

*Haifischbecken Kunstbetrieb: Pierangelo Maset "Laura oder die Tücken der Kunst"

*Enkel-Perspektive: Harald Martenstein "Heimweg"

*Großartige Charakter- und Gegenwartsstudie: Robert Menasse "Don Juan de la Mancha"

*Ein literarischer Spaß: Martin Mosebach "Der Mond und das Mädchen"

*Geheimnisvoller Liebeskrimi: Mathias Nolte "Roula Rouge"

*Die Lakonie des arbeitslosen Architekten: Gregor Sander: "abwesend"
"
*Manchmal ist es zum Totlachen": Arnold Stadler "Komm, gehen wir"

*Ehrgeiziges Debüt: Thomas von Steinaecker "Wallner beginnt zu fliegen"

*Lebenslangeweile und Sinnsuche: Peter Truschner "Die Träumer"
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aus: www.hr-online.de
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