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Dieses Thema hat 0 Antworten
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 ~* LYRIK ~~~ LITERATUR ~~~ APHORISMEN *~
Gipsy ( gelöscht )
Beiträge:

30.08.2007 21:34
RE: "In guten und in bösen Tagen", von W.Meurer antworten

In guten und in bösen Tagen...


Es war - wie üblich - ein hektischer Morgen in der Klinik, als so gegen 8:30 Uhr ein älterer Herr - so um die 80 - an der Rezeption erschien, um sich einige Klammern aus seinem verletzten Daumen ziehen zu lassen.
Die diensttuende Schwester nahm seine Personalien auf, gab ihm ein Nummer, und bat ihn, doch Platz zu nehmen. Sie wußte, daß es wohl sicherlich mehr als eine Stunde dauern würde, bevor sich jemand um den alten Herrn und seine Klammern kümmern könnte.
Die Schwester registrierte aber auch, wie der alte Herr immer wieder auf seine Armbanduhr schaute, und sein Gesichtsausdruck dabei immer nervöser wirkte.
Da sie selbst eine ausgebildete Krankenschwester war, und sie gerade nicht viel zu tun hatte, beschloß sie, dem so rastlos wirkenden alten Patienten die paar Klammern selbst zu ziehen.

Nach Entfernung des Verbandes sah sie, daß die Verletzung gut verheilt war, und so fragte sie einen der Ärtze nach den notwendigen Instrumenten. Während des Ziehens der Klammern und dem Anlegen eines neuen Verbands, kam sie mit dem alten Herrn in's Gespräch, und so fragte sie ihn, ob er denn im Verlaufe des Vormittags noch einen anderen Artzttermin habe, und ob er deswegen so nervös sei, dort eventuell zu spät zu kommen. Der alte Herr erwiderte ihr, daß er in's Alters-
Pflegeheim müsse, um dort mit seiner Frau gemeinsam zu frühstücken - wie sie das während ihrer 6o Ehejahren immer gehalten hätten, und er wolle nicht zu spät kommen.

Die Schwester fragte ihn dann nach dem Gesundheitszustand seiner Frau und erfuhr, daß sie hochgradig von der Alzheimerkrankheit befallen sei. Auf die Frage der Schwester, ob seine Frau denn sehr böse wäre über seine Unpünktlichkeit, meinte der alte Mann:
"Nein, böse ist sie gewiß nicht. Sie weiß nicht einmal, daß ich da bin, da sie mich schon lange Zeit gar nicht mehr erkennt!"

Mehr als erstaunt fragte die Schwester zurück, warum er denn jeden Morgen diese Strapaze auf sich nehme, um mit seiner Frau zu frühstücken, wenn sie ihn ja doch eh' nicht mehr kenne. Er lächelte, als er leicht die Hand der Schwester streichelte, und meinte dann leise: "Wenn sie auch mich nicht mehr kennt - aber ich weiß immer noch, wer sie ist!"

Die Schwester mußte ihre Tränen zurückhalten über diese so verblüffend einfach gegebene Antwort, und spürte eine Gänsehaut über ihren ganzen Körper gehen, als sie dachte: "Mein Gott - das ist die Art von Liebe, die ich mir in meinem Leben wünschen würde - einfach, gradlinig und wahr!"

Und bevor sie den alten Mann entließ, umarmte sie ihn, hauchte ihm noch einen Kuß auf die Wange und flüsterte ihm noch leise zu: "Danke für dieses wundervolle Erlebnis...!"

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Lieber Leser, was hälst du davon, diese wunderschöne Geschichte an Deine Verwandten, Freunde,
Nachbarn und Arbeitskollegen weiterzugeben? Bei all’ dem Unrat, mit dem wir ja tagtäglich fast
zugemüllt werden, brauchen wir ja ab und an auch mal etwas Schönes - oder?
Herzlichst
Euer Willy Meurer


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Diese kleine, aber feine Geschichte hat Willy Meurer mir heute geschickt und ich dachte, es könnte hiesiger Literaturrubrik keineswegs schaden, wenn sie durch etwas sehr persönliches aufgewertet würde...

Like always:
Thanks for it Willy!

Bye for now,
Natascha

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