Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 258 mal aufgerufen
 ~* LYRIK ~~~ LITERATUR ~~~ APHORISMEN *~
Gipsy ( gelöscht )
Beiträge:

27.07.2007 18:15
RE: LYRIK - Bertolt Brecht antworten

Bertolt Brecht


ERINNERUNG AN DIE MARIE A.

An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei.
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst.
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nurmehr: ich küßte es dereinst.

Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke dagewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.



~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~


Ich liebe dieses Gedicht von Bertolt Brecht sehr, ich halte es für sein schönstes überhaupt!
Ganz besonders die Wolkendarstellung schon in der ersten Strophe:

"...Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben..."


- eine unbeschreiblich schöne Wendung!
Ich werde sicher noch einige von ihm einstellen, wobei obiges, wie gesagt, mein persönlichstes ist!

Gipsy

 Sprung  
Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen