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 ~° Medizinisches Wissen - Neurologie °~
Gipsy ( gelöscht )
Beiträge:

29.04.2006 15:23
RE: I. AUTISMUS - die erste mehrerer Strassen... antworten

AUTISMUS (griechisch autós: selbst)

schwere Verhaltens- und Kommunikationsstörungen, die durch extreme Selbstbezogenheit gekennzeichnet sind.

Eine Symptomgruppe, die sich vor dem dritten Lebensjahr entwickelt, ist der frühkindliche Autismus; zumeist tritt Autismus jedoch im Schulalter auf.
Die Häufigkeit liegt bei etwa vier Erkrankungen pro 10 000 Kinder, und es sind viermal so viele Jungen wie Mädchen betroffen. Eine Frühdiagnose ist bereits ab dem dritten Lebensmonat möglich, weil autistische Kinder schon in diesem Alter durch besondere Bewegungen auffallen.

Außerdem kommen viele autistische Kinder mit einem kleinen Gehirn zur Welt, das im ersten Lebensjahr überproportional stark wächst (Journal of the American Medical Association, 2003).
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Der Begriff Autismus bezieht sich auf die innere Zurückgezogenheit der Patienten, ein willentliches Sichabkapseln von der Außenwelt ist damit nicht gemeint. Ein autistisches Kind ist oftmals unfähig, Sprache sinnvoll einzusetzen oder Informationen aus der Umwelt aufzunehmen. Rund die Hälfte aller autistischen Kinder ist stumm, und diejenigen, die sprechen können, wiederholen oft nur mechanisch, was sie gehört haben.
Autistische Kinder scheinen schwächere oder andersartige Schmerzempfindungen zu haben.

Weitere Merkmale des Autismus sind:

- ungleichmäßige Entwicklung
- übermäßige Faszination für mechanische Gegenstände
- ritualartige Reaktionen auf Reize aus der Umgebung
- Widerstand gegen jegliche Veränderung in der Umwelt.

Ein typisches Verhalten besteht darin, dass sich autistische Kinder an Spielzeug oder andere Objekte klammern. Manche autistischen Kinder entwickeln überdurchschnittlich früh besondere Fähigkeiten, z. B. im Rechnen.

Ursachen, Prognosen und Behandlung von Autismus werden auch heute noch erforscht. Als Ursachen werden genetische Schäden angenommen, die sich u. a. als Autoimmunkrankheit oder degenerative Erkrankung der Nervenzellen des Gehirns äußern können.
Bei Autisten wurden Gendefekte auf den Chromosomen 6, 7 und 15 gefunden; Gene waren dort zerstört oder lagen doppelt vor. Aufgrund der genetischen Störungen sind die Neurotransmittersysteme der Botenstoffe Serotonin, Glutamat und Gamma-Aminobuttersäure beeinträchtigt.

Autistische Kinder leiden vergleichsweise häufig an einer Autoimmunerkrankung der Darmschleimhaut und Entzündungen des Gehirns. Neben einer genetischen Prädisposition (Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten, Anm. von mir) könnten auch Einflüsse wie Komplikationen bei der Geburt eine Rolle spielen, die zur Minderentwicklung bestimmter Gehirnregionen führen. Außerdem hatten Frauen, die während der Schwangerschaft täglich rauchten, ein um 40 Prozent höheres Risiko, ein autistisches Kind zur Welt zu bringen (Epidemiology, 2002).

Bei der Erziehung autistischer Kinder steht Lernen in kleinen Schritten im Vordergrund sowie eine strenge Kontrolle des kindlichen Verhaltens. Die Prognose für autistische Kinder, die auch nach dem fünften Lebensjahr noch stumm sind, ist im Allgemeinen ungünstig.
Kindern, die sprechen, kann leichter geholfen werden. Wichtig ist, dass Autismus frühzeitig erkannt wird.

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Bruno Bettelheim

Der Psychoanalytiker Bruno Bettelheim beschäftigte sich u. a. in seiner Forschungsarbeit mit der Persönlichkeitsentwicklung unter dem Aspekt extremer Belastungen. Neben seiner Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und seiner Studie über Autismus wurde Bettelheim vor allem mit seinem 1976 erschienenen Buch "Kinder brauchen Märchen" (sehr lesenswert! Anm. meinerseits) weltbekannt.

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Eine persönliche Sicht:

Was ist Autismus?

"In meiner Sicht handelt es sich bei dem 'Autismus' nicht um eine spezifische Krankheitseinheit sondern um eine grundlegende Handlungsoption aller Menschen, wenn sie auf Grund irgendwelcher innerer oder äußerer (biologischer, psychischer oder sozialer) Bedingungen in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Dieses Verständnis der Bedeutung autistischer Verhaltensweisen in Verbindung mit der Selbstorganisation von Menschen im Allgemeinen führt zu einem neuen Verständnis dieses Phänomens, das, in Verbindung mit den je neu zu erforschenden Bedingungen in jedem Einzelfall ein erfolgreiches Handeln in diesem Bereich ermöglicht."

Peter Rödler


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Da mich dieses Thema persönlich - warum auch immer - sehr interessiert, werde ich darüber wohl noch mehr zu schreiben haben...

...drum: Fortsetzung folgt!

Bye
Gipsy

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