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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 768 mal aufgerufen
 ~°~ Kinder, Jugendliche und die EPILEPSIE ~°~
Luca Offline




Beiträge: 10.600

13.03.2006 23:52
RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

Therapie der Epilepsien
Die Therapie der Epilepsien erfolgt fast immer medikamentös.
Wichtig für die Therapie ist die genaue Kenntnis der vorliegenden Anfallsform, da sich an dieser die gewählte Substanz ausrichtet. Die Dosierung der Medikamente muss individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden. Ziel ist es, Anfallsfreiheit bei möglichst wenig Nebenwirkung der Medikamente zu erzielen.
Da jeder Anfall den nächsten Anfall bahnt, sollte die Therapie rasch eingeleitet werden. Auch kann es nötig werden, ein gewisses Maß an Nebenwirkungen zu tolerieren. Dies hängt wesentlich von der Lebenssituation des Patienten ab. Wenn z.B. bei einer schweren Epilepsie mit häufigen Grand mal Anfällen Anfallsfreiheit erreicht wurde, dann wird eine durch das Medikament hervorgerufene Zahnfleischwucherung eher als kosmetisches Problem akzeptiert, denn als medizinische Komplikation gesehen.
In vereinzelten Fällen kommt bei fokalen Epilepsien auch eine Operation als Heilmethode in Frage. Voraussetzung hierfür ist, dass die Epilepsie von einem kleinen Herd ausgeht, der keine lebenswichtigen Funktionen steuert. Auch sollte die Behandlung durch Medikamente vorher gescheitert sein, da eine Operation immer eine Entfernung von Hirngewebe bedeutet, die Operation ist auch bei Erfolglosigkeit nicht rückgängig zu machen. Eine genaue Diagnostik ist daher in speziellen Zentren nötig.
Unterstützend können bei fokalen Epilepsien Mechanismen der sog. “Selbstkontrolle” angewandt werden. Diese richten sich nach der Anfallsart und müssen individuell gefunden und eingeübt werden. (z.B. Reiben der Hand bei Kribbelanfällen, Konzentrationsübungen, etc.) Grundsätzlich gilt, dass Aktivität anfallsunterdrückend wirkt.
Unerlässlich ist eine geregelte Lebensführung mit geregeltem Nachtschlaf. Alkoholentzug, d.h. der Abbau von Alkohol nach dessen Genuss, sollte ebenfalls gemieden werden, dürfte im Kindesalter jedoch eine untergeordnete Rolle spielen. In seltenen Fällen kommt auch eine spezielle Diät (Ketogene Kost) zum Einsatz.
Wichtig ist die geregelte und pünktliche Einnahme der Medikamente. Es sollten regelmäßige Kontrollen bei einem Epileptologen erfolgen.
Auseinandersetzung mit der Epilepsie
“Ärztetourismus”
Die Diagnose einer chronischen Erkrankung bedeutet immer eine schwere Belastung des Patienten und seines Umfeldes. Die Lebensplanung muß neu überdacht werden, Lebensumstände müssen geändert werden. Die Diagnose der Epilepsie ist zudem noch negativ stigmatisiert. Dies führt nicht selten zu Negierung und fehlender Mitarbeit bei der Therapie. Auch besteht gerne die Tendenz, eine “zweite Meinung” einzuholen, möglichst so lange, bis die Diagnose widerrufen wird oder die Medikation geändert wird.
Generell gibt es in jedem Bereich der Medizin verschiedene Möglichkeiten, Erkrankungen zu behandeln. So können z.B. unterschiedliche Medikamente mit der gleichen Berechtigung als Einstiegsmedikament genutzt werden. Es handelt sich um die sog. Medikamente der ersten Wahl, die von denen der 2. und ferneren Wahl gefolgt werden. Die Reihenfolge der Anwendung hängt mit dem Bekanntheits- und Schweregrand möglicher Nebenwirkungen zusammen sowie der Einschätzung der möglichen Wirkung. Je nach Erfahrung kann der eine Epileptologe dem einen Präparat den Vorzug geben, ein anderer einem anderen. Wichtig ist jedoch, dass das Medikament konsequent verabreicht wird, die Wirkung und die Nebenwirkungen dokumentiert werden und der Blutspiegel bis zur Verträglichkeitsgrenze ausdosiert wird, bevor ein Medikament verworfen wird. Nur so lässt sich vermeiden, dass ein und dasselbe Medikament im Laufe einer Krankheitsgeschichte immer wieder unzulänglich eingesetzt wird und keine Fortschritte erzielt werden. Die Therapie sollte daher in der Hand eines Arztes liegen, häufiger Arztwechsel führt dazu, dass keine Therapiestrategie konsequent verfolgt werden kann.
stationäre Behandlung
Um den Patienten besser kennen zu lernen, die möglichen Nebenwirkungen beobachten zu können und eine Einschätzung der Gesamterkrankung zu ermöglichen, ist zu Beginn der Erkrankung oft eine stationäre Aufnahme notwendig. So kann das Kind in all seinen Bereichen beurteilt werden. Ein multidisplinäres Team aus Ärzten, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und Lehrern kann einen direkteren und dadurch genaueren Einblick in die Möglichkeiten des Kindes bekommen, als es die (gefilterte) Anamnese durch die Eltern vermag.
So wird ein Kind nicht selten auf Grund eines Grand mal Anfalls vorgestellt, die auslösenden Absencen wurden durch die Eltern jedoch nicht beobachtet, in der Schule galt das Kind als verträumt. Auch bereitet die Beschreibung von Anfällen, die nie beobachtet wurden, häufig Schwierigkeiten. So können Stürze ganz unterschiedlichen Anfallstypen entsprechen.
Eine gemeinsame Beobachtung und “Namensfindung” kann für den weiteren Verlauf die Kommunikation erleichtern. (Was stellen Sie sich z.B. unter “Wuhpser” und “Gickerer” vor?)
Der stationäre Aufenthalt sollte gleichzeitig zur Schulung der Wahrnehmung der Anfälle, der Fortführung der Therapie und zur psychologischen Verarbeitung der Erkrankung genutzt werden.
Nebenwirkungen
Bei Antikonvulsiva handelt es sich um wirksame Medikamente, die in die Informationsweitergabe der Zellen eingreifen. Somit ist es verständlich, dass diese Medikamente auch Nebenwirkungen aufweisen können. Zu unterscheiden sind die dosisabhängigen Nebenwirkungen von den nicht-dosisabhängigen Nebenwirkungen. Erstere können z.B. durch Reduktion der Dosis gemindert oder aufgehoben werden. Hierzu gehört z.B. das Doppeltsehen, das eine typische Überdosierungserscheinung des Carbamazepins ist. Hohe Dosen von Antiepileptika können zu Verlangsamung und verminderter Spannkraft führen. Unter Valproat wird häufig ein Zittern beobachtet. In einigen Fällen kann es zu Haarausfall und Gewichtsschwankungen kommen.
Fast alle Antiepileptika werden über die Leber ausgeschieden, so dass eine regelmäßige Überwachung der Leberwerte erfolgen muß.
Bei den dosisabhängigen Nebenwirkungen lässt sich meist ein zeitlicher Zusammenhang zur Einnahme der Medikamente herstellen. Die Erscheinung tritt immer im gleichen Abstand zur Tabletteneinnahme auf, nämlich zu dem Zeitpunkt der höchsten Konzentration im Blut. Auffälligkeiten bei der Tabletteneinnahme sind keine Wirkung der Substanz, hier müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden.
Gerade eine Verlangsamung oder verminderte Spannkraft führen immer wieder zu unkontrollierter Dosisreduktion und fehlender Compliance. Es ist jedoch auch immer zu prüfen, ob diese nicht durch die Erkrankung der Epilepsie hervorgerufen ist. So kann es bei falscher Medikamenteneinnahme (oder fehlender Therapie) zu einem Dämmerzustand kommen, der einer Trance gleicht und einen anhaltenden Krampfanfall ohne Muskelkrämpfe darstellt. Andererseits kann das Epilepsiesyndrom (z.B. Lennox-Gastaut-Syndrom) mit einem geistigen Abbau einhergehen, der unabhängig von der Medikation und den Anfällen eintritt.
Änderungen der Dosierung und medikamentöse Umstellung sollten daher immer mit dem behandelnden Epilepstologen abgestimmt werden. Es sollte versucht werden, das Ausmaß der Veränderung zu erfassen. Bei leichten Nebenwirkungen, wie z.B. ein Ruhezittern oder eine vermehrte Atmung (bei Sultiam häufig), sollte überprüft werden, in wieweit sie als Beeinträchtigung aufgefasst werden müssen, oder ob sie bei Anfallfreiheit zu tolerieren sind. Wenn durch die Reduktion des Medikaments erneut Anfälle auftreten, kann es vorkommen, dass diese auch bei erneuter Dosissteigerung nicht wieder kontrolliert werden können.
Therapiefindung
Die Phase der Therapiefindung kann eine deutliche Belastung für das Kind und seine Familie darstellen. Gerade bei komplizierten Epilepsien, bei denen nicht sofort Anfallfreiheit erreicht wird, kommt es zu einem Wechselbad der Gefühle. Hoffnung auf das neue Medikament ist gepaart mit der Furcht vor Versagen und Nebenwirkungen. Zeitweise kann es auch zu einer Leistungsminderung kommen, wenn z.B. die optimale Dosis noch nicht gefunden wurde. Dies ist z.T. in Schriftbildveränderungen sichtbar, teilweise kommt es auch zu Verhaltensänderungen des Kindes. Pädagogisch ist darauf zu achten, dass die Verhaltensweisen adäquat beachtet werden, d.h. dass weder ein zu großer sekundärer Krankheitsgewinn durch völlige Entlastung entsteht, noch ein zu großer Druck durch Disziplinierung.
Schulischer Aspekt
Heilbarkeit
Zum Glück können 80% der Epilepsien durch Medikamente so behandelt werden, dass Anfallsfreiheit erreicht wird. Nach mehrjähriger (mind. 2 – 5 Jahre) Anfallsfreiheit kann bei Kindern, bei denen keine Ursache für die Epilepsie gefunden wurde, ein Auslassversuch (Reduktion der Medikamente) unternommen werden. Gerade im Kindesalter ist Epilepsie somit eine heilbare Erkrankung, die jegliche Anstrengung rechtfertigt. Aus diesem Grunde ist die Integration epileptischer Kinder in der Schule sehr wichtig und eine Aufgabe für den Lehrer, mit der er den Lebensweg eines Menschen ebnen kann.
Kein geistiger Abbau durch Epilepsie

Auch bei wiederholten großen Anfällen kommt es in der Regel nicht zu einem geistigen Abbau. Wenn geistiger Abbau und Epilepsie bei einem Patienten zusammentreffen, ist dies in diesen (seltenen) Fällen Ausdruck der Hirnerkrankung, die Grundlage der Epilepsie und auch des geistigen Abbaus ist. Jedes Kind sollte daher in die Schulform integriert werden, die seinem geistigen Vermögen entspricht. Kinder mit Epilepsie sind zu Recht in allen Schulformen anzutreffen. Eine Sonderrolle sollte ihnen nur im unbedingt erforderlichen Ausmaß (s.u.) zukommen.

Erste Hilfe bei Anfällen

Das Erleben von Krampfanfällen im Unterricht dürfte eher ein seltenes Ereignis darstellen. Die notwendigen Maßnahmen ergeben sich aus dem Anfallsablauf:

Für alle Anfälle gilt:
Ruhe bewahren
Anfall möglichst gut protokollieren
Auslöser? Situation aus der der Anfall auftrat? Uhrzeit
Beginn des Anfalls: Aura? Einseitig?
Verlauf des Anfalls
Ende des Anfalls: plötzlich? Reorientierung?
Zeit nach Möglichkeit mit der Uhr stoppen


Hilfen beim Grand mal

Der Grand mal Anfall “appelliert” am meisten zur Hilfeleistung. Normaler Weise sind jedoch keine größeren Maßnahmen notwendig:
Die tonische Phase ist oft zu kurz, um überhaupt einzugreifen. Bei vorhandener Aura kann man das Kind u.U. prophylaktisch hinlegen.
In der klonischen Phase sollte man lediglich alle gefährlichen Gegenstände außer Reichweite bringen. Also:
Weg vom Heizkörper
Stühle und Tische entfernen
Kleidung lockern
Weiche Unterlage unter Kopf
Bewegungen vorsichtig so steuern, dass sich das Kind z.B. nicht selbst schlägt
Bei Nachlassen der Kloni in die stabile Seitenlage nach links bringen

Keinesfalls sollte man

Gegenstände in den Mund stecken, um den Zungenbiss zu vermeiden
Zuckende Gliedmaßen festhalten
Versuchen den Mund zu öffnen um zu “beatmen”
Stimulationen versuchen wie Tauchen in kaltes Wasser, Schläge etc.

Jeglicher Versuch, die Muskulatur gegen Widerstand in eine andere Richtung zu bringen, ist entweder nutzlos oder gefährdet den Patienten.

Im Anfall ist die Muskulatur selbst bei einem Kind so stark, dass bei grober Gewalt (Festhalten) Knochen brechen könnten. Gegenstände werden entweder durchgebissen oder führen zu Kieferbrüchen und Zahnschäden. Durchgebissene Gegenstände können die Atemwege verlegen. Auch die Finger, die der Helfer in den Mund steckt, können durchgebissen werden!

Abgebissene Zungen (eine extreme Rarität) befinden sich außerhalb der Mundhöhle und sind somit ungefährlich. Die Wundversorgung einer veletzten Zunge nach dem Anfall ist ausreichend, die Zunge heilt sehr gut. Allenfalls sollte durch Lagerung verhindert werden, dass das Blut eingeatmet wird.

Der Versuch, den Patienten zu beatmen, muss scheitern, da die Muskulatur des Brustkorbes und das Zwerchfell am Anfall teilnehmen. Eine Zufuhr von Sauerstoff (cave Sanitäter) führt zu einer Verlängerung des Anfalls.

Die Gabe eines “Notfallmedikamentes” (Diazepam) ist erst bei einer Anfalldauer von mehr als 3 Minuten notwendig. Dies kommt nur in extremen Ausnahmesituationen vor. Diazepamrektiolen werden wie ein “Zäpfchen” verabreicht.

Meist ist es nicht notwendig, den Notarzt zu rufen. Bei bekannter Epilepsie ist es ausreichend, wenn die Eltern bald möglichst Kontakt zum Epileptologen aufnehmen. Dieser muss entscheiden, ob die Therapie des Kindes geändert werden oder eine Dosisanpassung erfolgen muss.

Beim ersten cerebralen Krampfanfall sollte das Kind umgehend einem Arzt vorgestellt werden, der eine akute Ursache für den Anfall (z.B. Meningitis) ausschließen muss.

Dies gilt auch, wenn sich die Anfallsart gewandelt hat oder wenn der Anfall ungewöhnlich lange andauert.


Hilfen bei Absencen

Absencen sind zu kurz für Erste Hilfe Maßnahmen. Hier ist vor allem die Beobachtung des Lehrers wichtig, da Absencen meist in der Schule (Morgenstunden) auftreten. Durch Fehlleistungen (unvollständige Sätze im Diktat, Innehalten beim Sprechen) fällt das Kind zuerst in der Schule auf und die zu Grunde liegenden Absencen entgehen oft den Beobachtungen der Eltern. Langzeit-EEG-Ableitungen bestätigen die Faustregel: “Jede beobachtete Absence entspricht beim Schulkind 100 übersehenen Absencen.” Viele Kinder erreichen die “EEG-Ambulanz” nicht unter dem Verdacht von Anfällen, sondern zur Abklärung von Schulleistungsstörungen und Tagträumereien!

Hilfen bei Komplex partialen Anfällen

Komplex partiale Anfälle führen am häufigsten zu sozialer Ächtung, da sie oft verkannt werden und wenig dramatisch verlaufen.

Das Ende des Anfalls, teilweise auch der Beginn, ist unscharf, der Patient macht einen “vernünftigen” Eindruck und wird u.U. allein gelassen. So kann es zur Selbstgefährdung kommen, weil der Patient gefährliche Handlungen ausführt: z.B. heißes Wasser ausschütten, die Straße überqueren,....

Unsinnige Handlungen erwecken den Eindruck einer Geisteskrankheit oder einer psychischen Erkrankung: z.B. führt das Ausziehen in der Öffentlichkeit zu sozialer Ablehnung, obwohl es nicht der Entscheidungskraft des Patienten unterliegt.

Die Reaktion des Patienten ist nicht berechenbar. So wird wohlgemeinte Hilfe u.U. mit einem Abwehrreflex beantwortet: Der Patient stößt den Helfer weg, trifft ihn an empfindlichen Stellen und es wird ihm dann die Absicht des Weh-tun-wollens unterstellt.

Die Erste Hilfe besteht hier wesentlich aus dem Begleiten.

Aufsicht bis der Patient das volle Bewusstsein wieder erlangt hat

Verhindern gefährlicher Handlungen durch vorsichtiges Leiten

Entfernung gefährlicher Gegenstände

Beruhigendes Zureden (Es ist möglich, dass das Bewusstsein nicht völlig erloschen ist, dass Teile des Anfalls erlebt werden und dass sich der Patient daran erinnert)

Um die Therapie durch den Arzt zu optimieren, ist es hilfreich Informationen zu erhalten über

die Bewusstseinslage während des Anfalls

Testung durch

Aufforderung zum Nachsprechen

Zeigen auf Gegenstände

Zeigen von Gegenständen, die sofort und/ oder nach dem Anfall benannt werden sollen

Nennen von Worten, die nach dem Anfall abgefragt werden sollen.

Genaue Anfallbeschreibung

Epilepsie und Lernvermögen

Je nach Epilepsieform kann es zu

Aufmerksamkeitsstörungen (Absencen),

Verlangsamung (u.a. durch die Medikation)

Verminderte Spannkraft, leichtere Ermüdbarkeit

kommen.

Die Einschränkungen des Kindes sollten bei der Notengebung berücksichtigt werden.

Ggf. sollte bei Klassenarbeiten bei Verlangsamung mehr Zeit zur Erfüllung der Aufgaben gegeben werden.

Absencen während eines Diktates zeichnen sich durch Auslassung, komplex-fokale Anfälle ggf. durch einen erkennbaren Wechsel in der Schrift aus. Diese sollten nicht zu einer schlechteren Note führen.

Wenn möglich sollten Prüfungen so gelegt werden, dass sie in die anfallsarme Zeit des Kindes treffen. Hier hilft ein genauer Anfallskalender, der bei Häufung von Anfällen während der Unterrichtszeit geführt werden sollte.

Weichen schulische Leistungen extrem von der Durchschnittsleistung des Kindes ab, so sollte eine Wiederholung von Tests und Schulaufgaben ermöglicht werden.

Bei verminderter Spannkraft sind zusätzliche Pausen wünschenswert.

Epilepsie und Sportunterricht

Kinder mit Epilepsie können und sollen Sport treiben! Körperliche Aktivität führt nicht zu Anfallshäufungen!

Die Integration in den Sportunterricht ist auch aus sozialen Gründen unerlässlich.

Eine Sportbefreiung sollte nur im unbedingt erforderlichen Maß erfolgen. Dies hängt von der Anfallsform ab. Der Epileptologe sollte hierzu ein genaues Attest erstellen.

Im Allgemeinen gilt:

Vorsicht beim Umgang mit Wasser

Eine eigene Aufsichtsperson beim Schwimmunterricht, da bei einem Anfall ein lautloses Ertrinken möglich ist. Die Aufsichtsperson, die nur für das epilepsiekranke Kind zuständig ist, soll gewährleisten, dass das Kind bei einem Anfall sofort aus dem Wasser geholt wird.

Kein Schwimmen in trüben Gewässern oder bei Strömung (Rettung!)

Wasser ist jedoch in der Regel nicht anfallauslösend, insbesondere kaltes Wasser nicht. Das Kind kann somit am Schwimmunterricht teilnehmen.

Vorsicht bei Absturzmöglichkeit aus großer Höhe

Geräteturnen mit Hilfestellung und dicker Matte in der Regel möglich

Meiden von Klettern am Seil oder der Stange über die Höhe der Hilfestellung hinaus.

Vorsicht vor Erschütterungen des Kopfes

Kopfbälle sind generell im Kindesalter ungünstig, da es zur Commotio cerebri mit ihren Folgen kommen kann. Dies gilt um so mehr für Kinder mit Epilepsie.

Boxen sollte im Kindesalter auf Grund der möglichen Hirnschädigung ohnehin tabu sein.

Im Allgemeinen problemlos sind Leichtathletik, Bodenturnen, Ballspiele (außer Kopfballtraining).

Epilepsie und Schullandheim

Leider werden viele Kinder mit Epilepsie aus Furcht vor Anfällen vom Besuch des Schullandheims ausgeschlossen. Hierzu besteht jedoch im Allgemeinen kein Grund. Es ist davon auszugehen, dass im Schullandheim nicht mehr Anfälle auftreten, als ansonsten während des Jahres, vorausgesetzt, die Regeln der geregelten Lebensführung werden eingehalten. Der soziale Aspekt des Aufenthaltes im Schullandheim und die Integration in die Peer Group ist höher zu bewerten als ein geringfügig erhöhtes Anfallsrisiko.

Wichtig sind

Geregelte Medikamenteneinnahme

Die Medikamente sollten am günstigsten in einer “Dosette” (Box mit Tageseinteilung für 1 Woche) für die Dauer des Aufenthaltes vorgerichtet sein.

Die Dosette sollte das Medikationsschema auf der Rückseite stehen haben.

Es sollte mindestens eine Tagesdosis als Reserve vorhanden sein, falls Tabletten verloren gehen.

Auch bei Tagesfahrten sind die erforderlichen Medikamente mitzuführen und nach Verordnung einzunehmen.

Bei aktiver Epilepsie ggf. “Notfallmedikation” mitnehmen, diese durch den Epileptologen genau bestimmen lassen:

Wenn.... dann....

Wenn nicht....dann....

Ggf. Telefonnummer des Epileptologen mitnehmen

Beruhigt ungemein, kommt in der Regel nicht zur Anwendung.

Geregelter Nachtschlaf

Schlafentzug senkt die Anfallsschwelle. Je nach Ausmaß und anderer Begleitumstände kann dies zu einer Provokation von Anfällen führen. Dies gilt insbesondere für protrahierten Schlafentzug, d.h. anhaltend gestörte Bettruhe.

Fahrten sollten so geplant sein, dass sie keine Nachtfahrt im Zug oder Bus beinhalten. Ggf. sollte das Kind dann auf anderem Wege zum Aufenthaltsort gelangen (z.B. Flug nach England bei geplanter Nachtfahrt der Klasse im Zug)

Geregelte Bettzeiten, die auch eingehalten werden (keine Mitternachtsparty im Zimmer des Kindes mit Epilepsie, ggf. im Ausnahmefall Einzelzimmer).

Diese Beschränkungen im Tagesablauf nicht als Belastung für die Gruppe deuten, sondern als Selbstdisziplin des Kindes loben.

Kein Alkohol

Alkohol wirkt als Antiepileptikum, sein Entzug, d.h. der Abbau des genossenen Alkohols in der Folge des Genusses, senkt die Krampfschwelle und erhöht somit die Anfallbereitschaft. Dies kann alleine oder in Kombination mit anderen Risikofaktoren (z.B. Schlafentzug) zum Auftreten eines Anfalls führen.

Auch bei Jugendlichen sollte auf den Ausschank von Alkohol verzichtet werden, zumindest müssen alternativ antialkoholische Getränke angeboten werden.

Schüler, die z.B. nicht von der Bowle trinken, sollten im Verzicht auf Alkohol bestärkt und nicht belächelt werden.

Verzicht auf Alkohol sollte nicht als Krankheitszeichen dargelegt werden, sondern als vernünftiger Lebenswandel.

Gleiches gilt für Drogen, die eine Wirkung auf das Gehirn haben, und somit entweder erregend und anfallfördernd wirken können oder aber anfallhemmend und bei Entzug zu Anfällen führen können. Die Schule sollte im Kampf gegen Drogen eine Vorbildfunktion übernehmen.

Vereinbarung, was geschieht, wenn ein Anfall erfolgt ist

In der Regel sind keine besonderen Maßnahmen notwendig, der Aufenthalt kann in der Regel fortgeführt werden.

Bei Häufung von Anfällen oder Änderung des Anfallsmusters sollte Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufgenommen werden.

In der Regel empfiehlt es sich nicht, einen Arzt vor Ort aufzusuchen, es sei denn,

der Anfall käme nicht zum Stillstand oder

es besteht der Verdacht auf eine akute Erkrankung.

Schlussbemerkung

Leider bestehen in der Bevölkerung auch heute noch deutliche Vorurteile gegenüber Personen mit Epilepsie. So befanden bei einer Umfrage 1996 noch 27% der Befragten, dass Kinder mit Epilepsie eine Sonderschule besuchen sollten, 20% hielten Epilepsie für eine Geisteskrankheit. Diese Vorurteile abzubauen, sollte ein wesentliches Anliegen auch der Schulen sein.

Aus Angst vor Diskriminierung der Kinder geben viele Eltern die Epilepsie ihres Kindes, gerade beim Besuch weiterführender Schulen, nicht an. Dabei hat jeder Lehrer Möglichkeiten, das Schicksal epilepsiekranker Kinder zu erleichtern:

Stärkung der Persönlichkeit durch Verständnis und Anerkennung

Hilfen zur Integration durch Betonung der “Normalität” auch der Epilepsieerkrankung.

Gespräch mit Eltern und Arzt, um sich im konkreten Fall genauer zu informieren und um adäquate Hilfe beim Anfallsgeschehen leisten zu können.

Genaue Anfallsbeobachtung. Der Lehrer erweitert durch seine Beobachtung den Wahrnehmungszeitraum der Eltern und hilft damit die Medikation zu optimieren.

Die psychische Belastung der Kinder mit der “geheimen” Krankheit, über die nicht gesprochen werden darf, lässt sich nur erahnen. Es ist eine dankenswerte Aufgabe für jeden Lehrer, wenn er durch seine Hilfe für ein epilepsiekrankes Kind zum Pädagogen werden darf.den darf


gefunden bei:http://www.epilepsie-elternverband.de/

Quelle: Epilepsie-Elternverband

Gruß
Remi:harmonie:

rebecca Offline




Beiträge: 1.277

18.03.2006 01:26
#2 RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

:Blume:

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