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 ~~ Fachliteratur ~~
Luca Offline




Beiträge: 10.600

24.02.2006 23:01
RE: Indianische Heilkunde! Antworten

Claudia Gudelius


Feuerfrosch


In dem Roman Feuerfrosch geht es um geschädigte Frösche im Indianer Reservat von Pine Ridge. Obwohl sich der Protagonist Nikita Siwash an die Öffentlichkeit wendet und um Unterstützung bittet, das Froschsterben aufzuklären, findet er kein Gehör. Erst als ein weißer Farmer im Reservat auf mysteriöse Art im Zusammenhang mit den mißgebildeten Fröschen ums Leben kommt, interessiert sich die Allgemeinheit für die Geschehnisse in Pine Ridge. Da nur Angehörige der weißen Rasse den geheimnisvollen, plötzlichen Froschtod sterben, vermuten die einen, Indianer könnten dahinter stecken, während die anderen nach einem gentypischen Merkmal suchen, das den Indianern den Tod durch das Froschgift erspart. Zusammen mit dem Genforscher Professor Clark und der weißen Kongreßabgeordneten Candice Foster gelingt es Nikita Siwash, der selbst Heilkundiger in indianischer Medizin ist, den wahren Hintergrund für das Froschgift aufzuklären. Die Feststellung, daß sich das Gift nur bei bestimmten genetischen Merkmalen entfalten kann, führt zu einer erschreckenden Forderung des Kongresses: das Indianer Reservat muß geräumt werden. Ist das Land der Lakota für immer verloren oder erweist sich "Bruder Frosch" letztendlich doch als Verbündeter der Indianer?


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Kurzbeschreibung:
Unci, die älteste Indianerin unter den Alten der Oglala im Pine-Ridge-Reservat, kippt mit einem Korb knallroter, zappeliger Frösche Unglück in die Runde des versammelten Rates. Die Zeichen des Unheils häufen sich in den Badlands. Nikita, dem Sioux-Hexer wird wegen seiner spirituellen Kräfte der tote Cowboy des Chemikers Hull angelastet. Kriminelle Machenschaften, Machtkämpfe zwischen Traditionalisten und Fortschrittlichen sowie die alte Auseinandersetzung zwischen Rot und Weiss überdecken lange die wahren Ursachen des Unheils, die letztlich von Nikita und Candice, einer Kongressabgeordneten, aufgedeckt und zu einer überraschenden, politisch brisanten Lösung geführt werden.


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Die Autorin über ihr Buch:
Den Plot für den medizinischen, genetischen und chemischen Hintergrund meines Romans habe ich gründlich recherchiert und mit Kapazitäten in der deutschen Genforschung abgesprochen. Ich selbst bin praktische Ärztin und habe meine Dissertation über Indianische Heilkunde geschrieben. Seit über 40 Jahren beschäftige ich mich wissenschaftlich mit dem Thema Indianer.


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Leseprobe:
Motorengeräusch und laute Stimmen rissen ihn aus den Träumen. Er glaubte, nur Minuten geschlafen zu haben. Er rannte vor die Hütte und sah die Sonne hoch am Himmel stehen. Sie glitzerte auf dem Revolverlauf, den Wintersun ihm entgegenstreckte.

„Kannst du mir nicht die Hand geben, wie jeder anständige Indianer?“ brummte er gereizt. Seine Augen brannten in dem grellen Licht, und er hob die Hand, um sie zu bedecken. Wintersun wirbelte heran und bohrte den Revolverlauf in Nikitas Bauch. Mit dem Schmerz in seinem Magen nahm er langsam die Autos wahr, die unten am Eagle Point parkten, die vielen Indianer, die dort standen, angeführt von der Äpfelelite der Lakota, den ergebenen Bürgern Lance und Lost His Eye, bis hin zu Bluebird, dem Präsidenten und Misty Moon, der Schuldirektorin.

„Ich muß kotzen“, keuchte er.

Schließlich waren es Longwater und Bluebird, die ihn auf seine Toilette begleiteten und zusahen, was er von sich gab. Als ob ich ungesehen durch mein Plumsklo verschwinden könnte, dachte Nikita erbost und ließ sich Zeit mit der Morgenwäsche. Es hatte keinen Sinn etwas zu fragen und erfahren zu wollen. Longwaters Mund war verkniffen wie ein Gallapfel vom letzten Winter, und Bluebird blickte ernster als Sitting Bull bei der Kapitulationserklärung.

„Du mußt vor den Stammesrat“, ließ ihn Longwater endlich wissen, aber da saß er schon eingekeilt zwischen ihm und Bluebird im Polizeiwagen von Wintersun, der nach Pine Ridge sauste und im Rückspiegel kontrollierte, ob Nikita noch da sei. Vielleicht habe ich Hull totgedacht, überlegte er, wenn das so ist, dann gehe ich in Serie.

Die Atmosphäre im Sitzungssaal des Stammesrats war so kalt wie ein Gefängnisgang im Winter. Nikitas Magen war leer, er fühlte sich hohl vom Bauch bis zum Kopf. Da war nichts, was ihm helfen konnte, nur ein großes dumpfes Nichtverstehen. Sie stritten mal wieder, die ehrwürdigen Alten der Treaty Councils und die satte Stammesregierung, gewählt nach amerikanischem Gesetz. Die einen wollten die anderen nicht anerkennen, es ging um Grundsätzliches.

„Allein die Treaty Councils können verurteilen“, mahnte ein Weißhaariger und wackelte mit dem Kopf. Zwei Gruppierungen gäbe es unter ihnen und ihre Legitimation sei älter als der Vertrag von Laramie. Noch seien sie souverän und trotz ihrer Armut unabhängig wie der Adler über dem Land. Das amerikanische Gesetz habe nur Unrecht gebracht und gälte nichts im Stammesrat. Bluebird habe kein Recht, Nikita zu verurteilen.

„Fort Laramie ist mehr als hundert Jahre alt, und unsere Souveränität haben wir in Wounded Knee verloren“, gab Bluebird zurück.

„Du vielleicht und dein voller Magen, dein Auto vor der Tür und dein Konto beim BIA. Aber ich gehe zu Fuß über Mutter Erde und wickle mich nicht in Dollarnoten. Ich sitze noch in meiner Visionsgrube und höre die alten Lieder, Ate heya ca eya, dies sagt der Vater.“ Es war ein Short Bull, der so sprach, ein Lakota, alt und gebeugt wie ein sturmgepeitschter Ahorn mit knorrigen Ästen.

Zuerst erhoben sich die Weißhaarigen, dann folgten die mit den langen grauen Zöpfen und schließlich die Leute aus der Wolfssippe und jene vom Luchsbund. Bluebird ließ die Hände sinken und starrte ihnen nach. Gemäß alter Sitte hatten sie gegen ihn gestimmt, genauso wie mit einem Kreuz auf dem Stimmzettel. Nikita allerdings glaubte nicht, daß ihm das heute noch helfen würde. Die alten Zeiten waren vorbei.

Dann blickte er Ellen an, sah große dunkle Augen in einem blassen Gesicht. Sie drückte und knetete den Lederriemen ihrer Tasche, zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf. Die Botschaft war so eindeutig wie ernüchternd: Ich kann nichts für dich tun. Aber was hatte er getan? ...

Luca:Blume:

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