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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 ~° Chronische Krankheiten °~
Luca Offline




Beiträge: 10.600

26.12.2005 20:43
RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids!

1. EINLEITUNG!

cquired Immune Deficiency Syndrome (engl. für erworbenes Immundefektsyndrom, zumeist als AIDS oder Aids abgekürzt) bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen, die beim Menschen infolge der durch Infektion mit dem HI-Virus induzierten Zerstörung des Immunsystems auftreten.[1] Diese Symptome bestehen aus Sekundärinfektionen (auch opportunistische Infektionen genannt) und Tumoren. Bereits während der mehrjährigen, symptomfreien Inkubationsphase können antivirale Medikamente eingesetzt werden, die die Lebenserwartung von Infizierten steigern können. Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, da die HI-Viren nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden können.

Aids wurde am 1. Dezember 1981 als eigenständige Krankheit erkannt und tritt in Gestalt einer Pandemie auf. Die WHO schätzt die Anzahl der 2005 an Aids Verstorbenen auf etwa 3,1 Millionen Menschen, mit 40,3 Millionen lebenden Infizierten und 4,1 Millionen Neuinfektionen im Jahr. Der Anteil der HIV-Infizierten liegt weltweit durchschnittlich bei etwa 1 % der 15–49-jährigen, erreicht in einzelnen afrikanischen Staaten jedoch Werte um 20 %.

Ansteckung

Das HI-Virus wird mit den Körperflüssigkeiten Blut, Sperma, Vaginalsekret, Liquor und Muttermilch übertragen. Potentielle Eintrittspforten sind frische, noch blutende Wunden in Schleimhäuten (Bindehaut, Mund-, Nasen-, Vaginal- und Analschleimhaut) bzw. nicht ausreichend verhornte, leicht verletzliche Stellen der Außenhaut (Eichel, Innenseite der Vorhaut). Die häufigsten Infektionswege sind der Vaginal- oder Analverkehr ohne Verwendung von Kondomen, der aufnehmende Oralverkehr (Schleimhautkontakt mit Sperma bzw. Menstruationsblut; bei unverletzter Mundschleimhaut stellt der Kontakt mit Präejakulat oder Vaginalsekret ein vernachlässigbares Infektionsrisiko dar, ebenso der passive Oralverkehr) und die Benutzung kontaminierter Spritzen bei intravenösem Drogenkonsum. Homosexuelle Männer gelten als Risikogruppe, da häufige Partnerwechsel und Analverkehr in der Szene weit verbreitet sind. Wie hoch das Risiko beim Geschlechtsverkehr ist, hängt vor allem von der Viruslast in der Samenflüssigkeit, im Scheidensekret und im Blut ab. Diese ist unmittelbar nach der Infektion, bevor sich Antikörper gebildet haben, besonders hoch, nimmt dann aber zunächst ab und steigt in späten Stadien der Erkrankung wieder an.

Bluttransfusionen bergen ebenfalls das Risiko einer HIV-Infektion, Routineüberwachung der Blutspender – wie sie in Deutschland seit 1985 durchgeführt wird – reduziert dieses jedoch stark. Aufgrund des durchschnittlich etwa 25 Tage andauernden Zeitfensters, während dem eine Neuinfektion noch nicht durch einen Test nachgewiesen werden kann, verbleibt jedoch eine Restgefahr.[3]

Das Risiko einer Infektion eines Kindes durch eine HIV-infizierte Mutter während der Schwangerschaft oder während der Geburt wird auf 10 bis 30 %[4] geschätzt. Bei bekannter HIV-Infektion der Mutter kann das Risiko einer Übertragung auf das Kind durch die Gabe antiretroviraler Medikamente und die Geburt durch Kaiserschnitt auf ca. 2 % vermindert werden.

Vor allem in der Anfangszeit der Epidemie infizierten sich viele intravenös-Drogenabhängige durch die gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln. Auch Ärzte und pflegerisches Personal haben ein gewisses Risiko der Ansteckung bei Nadelstichverletzungen im OP oder nach Punktionen an infizierten Patienten.

Die HIV-Konzentration in Tränen, Schweiß und Speichel reicht für eine Ansteckung nach heutigem Erkenntnisstand nicht aus. Zudem erscheint aufgrund der Aids-Epidemiologie eine Infektion über Insekten oder Tröpfcheninfektion als unwahrscheinlich.[5]

Ansteckungswahrscheinlichkeit

Mittels postexpositioneller Prophylaxe (PEP) kann nach einem Vorfall einer möglichen Infektion entgegengewirkt werden. Die 28 Tage andauernde, medikamentöse PEP bietet nur dann vollständigen Schutz, wenn die Behandlung innerhalb von zwei Stunden nach Exposition begonnen wird und kann bis zu 24 nach intravenöser und bis zu 72 Stunden nach Exposition über die Schleimhäute noch immer wirksam sein.

Ansteckungswahrscheinlichkeit

Hauptquelle dieses Abschnitts: Leitlinie „Postexpositionelle Prophylaxe der HIV-Infektion“ der AWMF [1]

Die Infektionswahrscheinlichkeit liegt nach derzeitigen Erkenntnissen bei den meisten Übertragungswegen zwischen 1:100 und 1:1000. Wichtigste Ausnahme ist die Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Geburt mit einer Infektionswahrscheinlichkeit von ca. 15 % und durch eine verseuchte Bluttransfusion, bei der das Infektionsrisiko 95 % beträgt.

Die folgenden Häufigkeiten sind Angaben, die durch Partnerstudien und epidemiologische Studien ermittelt wurden. Das individuelle Risiko kann sehr viel höher sein. So erhöht eine gleichzeitig vorliegende andere Geschlechtserkrankung das Infektionsrisiko um das 5- bis 10-fache, eine hohe Viruslast des Überträgers sogar um das 10- bis 30-fache. Geschlechtsverkehr während der Regelblutung der Frau ist mit einem erhöhten Infektionsrisiko für beide Partner verbunden, beschnittene Männer haben ein geringeres Infektionsrisiko. Insgesamt scheint das Infektionsrisiko nicht konstant über die Anzahl der Kontakte zu sein, so dass das Risiko einzelner Kontakte womöglich erheblich zu niedrig angegeben ist. Mit besseren Medikamenten sinkt möglicherweise das Übertragungsrisiko durch die sinkende Viruslast in Blut und Sekreten.

* Ungeschützter vaginaler Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Partner ist mit einem Risiko einer HIV-Infektion von ca. 0,05 - 0,15 % für die Frau, und von 0,03 - (bei einer Studie) 5,6 % für Männer verbunden, tendenziell jedoch für Männer etwas geringer als für Frauen.

* Das Infektionsrisiko für Oralverkehr beim Mann (Fellatio), bei dem Sperma in den Mund aufgenommen wird, ist geringer, eine Infektion ist jedoch nicht ausgeschlossen. Eine Infektion durch Vorflüssigkeit („Lusttropfen“) ist sehr unwahrscheinlich. Bei Oralverkehr bei der Frau (Cunnilingus) wird das Risiko ebenfalls als geringer als beim vaginalen Geschlechtsverkehr angesehen. Auch das Risiko beim sogenannten Rimming wird als äußerst gering eingeschätzt.

* Bei Analverkehr treten häufig kleine Risse an der Schleimhaut auf. Dementsprechend liegt das Risiko beim Analverkehr nach einer Studie mit homosexuellen Männern bei 0,82 % für den passiven Teilnehmer und um 0,3 % für den aktiven Teilnehmer.

* Andere Sexualpraktiken, bei denen kein Kontakt zu Schleimhäuten, Blut, Sperma oder Vaginalsekret besteht, haben ein extrem geringes Infektionsrisiko.

* Das Infektionsrisiko durch Nadelstiche hängt sehr von der Situation ab. Das Infektionsrisiko wird durchschnittlich mit 0,3 % angegeben und steigt mit folgenden Faktoren: sehr tiefe Verletzungen (16-fach erhöht), sichtbare Blutspuren auf der Nadel oder Nadel war vorher in einer Vene oder Arterie des Überträgers (jeweils 5-fach erhöht), bei hoher Viruslast des Überträgers (6-fach erhöht). Das Risiko bei Hohlnadeln ist höher als bei geschlossenen Nadeln.

* Das Risiko, sich bei gemeinsamer Benutzung einer Kanüle, meist beim Spritzen von Heroin, zu infizieren, liegt um 0,7 % und sinkt mit dem zeitlichen Abstand zwischen den Injektionen, allerdings nur langsam, da in der Kanüle eingeschlossene Viren lange infektiös bleiben können, teilweise auch noch nach Tagen. Ein Auskochen der Nadeln ist zwar generell möglich, wenn es lange genug durchgeführt wird, allerdings sind handelsübliche Nadeln nicht dafür geeignet, weil die verwendeten Kunststoffe nicht entsprechend hitzefest sind. Eine chemische Desinfektion (Alkohol oder andere Desinfektionsmittel) ist nicht ausreichend, weil nicht gewährleistet ist, dass die Substanzen ganz in die Kanüle eindringen.

Teilweise besteht die Möglichkeit einer Postexpositionsprophylaxe. Diese besteht aus allgemeinen Maßnahmen (Waschen des Penis nach dem Verkehr, Ausdrücken der Stichwunden und Behandlung mit Desinfektionsmittel) und spezifischen Maßnahmen wie der Gabe von antiretroviralen Medikamenten. Nach einem Ansteckungsverdacht sollte immer sofort ein Arzt aufgesucht werden, der über mögliche Maßnahmen informiert und diese auch einleiten kann.

Kondome werden weltweit als Verhütungsmittel genutzt. Sie bieten nicht nur vor ungewollter Schwangerschaft Schutz, sondern auch vor Infektionskrankheiten wie AIDS.



Mit diesem Kunstwerk soll an die Immunschwächekrankheit AIDS erinnert werden. Das Projekt wurde 1986 von der NAMES-Organisation begonnen. Es enthält Tausende von Bildern, jedes ist einem Menschen gewidmet, der an AIDS gestorben ist.






Gruß
Luca

Luca Offline




Beiträge: 10.600

26.12.2005 20:46
#2 RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids Teil II

Was ist Aids?

Aids steht für die englische Bezeichnung "Acquired Immune Deficiency Syndrome", zu deutsch "Erworbener Immundefekt". Bei einem Immundefekt ist die Abwehrfähigkeit des Körpers gegenüber Krankheitserregern vermindert.

Ursache für Aids ist die Infektion mit HIV, dem "Human Immunodeficiency Virus" ("menschliches Immundefekt-Virus"). 1983/84 wurde HIV-1 entdeckt, wenig später HIV-2. Beide Virustypen und ihre Untergruppen (Subtypen) weisen spezielle Merkmale auf und kommen je nach Kontinent unterschiedlich häufig vor. Für alle gelten aber die gleichen Schutzmöglichkeiten.

Die Wissenschaft teilt die HIV-Infektion in verschiedene Stadien ein. Weil aber jede Infektion unterschiedlich verläuft und zugleich starken Schwankungen unterliegt, gibt es keine starre Abfolge. Mit Aids wird das Stadium bezeichnet, bei dem das Immunsystem stark beeinträchtigt ist und sich bestimmte lebensbedrohliche Infektionskrankheiten und Tumoren entwickeln können.

Zwar ist die HIV-Infektion noch nicht heilbar, aber dank medizinischer Therapien bestehen gute Chancen, dass sich eine Immunschwäche zurückbildet oder um viele Jahre hinauszögern lässt. Zumindest in den reichen Ländern der Welt hat der medizinische Fortschritt bei Menschen mit HIV zu einer deutlich höheren Lebenserwartung und Lebensqualität geführt.

Aids ist aber nach wie vor eine lebensbedrohliche Krankheit, die immer wieder auch für unbegründete Ängste, für Diskriminierung und Ausgrenzung steht. Deshalb gilt es, zu informieren, aufzuklären, Vorurteile abzubauen, Zuwendung und Hilfsbereitschaft zu fördern
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Wie schwächt HIV das Immunsystem?

Die Bezeichnung "Immunschwäche-Virus" deutet bereits an, was HIV im Menschen anrichtet: Es schädigt das Immunsystem. Dieses hat die Aufgabe, in den Körper eingedrungene Krankheitserreger - z.B. Bakterien, Pilze oder Viren - unschädlich zu machen. Wenn das Immunsystem nicht richtig arbeitet, können auch ansonsten harmlose Infektionen schwere, sogar lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen. Man nennt sie "opportunistische Infektionen" (Abkürzung "OI"), weil sie "die günstige Gelegenheit" - nämlich die Schwäche des Immunsystems - nutzen, um sich zu vermehren.

HIV schädigt das Immunsystem, indem es unter anderem die Helferzellen (auch CD4-Zellen, T4-Zellen oder T4-Helferzellen genannt) befällt und sich in ihnen vermehrt. Die Helferzellen haben z.B. die wichtige Funktion, andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr eingedrungener Erreger zu steuern. Wenn HIV in den Körper gelangt, kommt es zu einer Abwehrreaktion; die hierbei gebildeten Antikörper können das Virus aber nicht aus dem Körper entfernen. Eine geringe Anzahl der befallenen Helferzellen wird direkt durch das Virus zerstört. Weitere, vor allem indirekte Mechanismen können zu eingeschränkten und fehlgesteuerten Abwehrreaktionen führen und so die Zahl der Helferzellen stark verringern.

Mit voranschreitender HIV-Infektion nimmt die Zahl und die Funktionsfähigkeit der Helferzellen ab. Das Immunsystem ist dadurch immer weniger in der Lage, den Körper vor Krankheiten zu schützen. Wenn sich opportunistische Infektionen oder bestimmte Krebsformen entwickeln, spricht man vom "Vollbild Aids". Außerdem läuft das Immunsystem bei einer HIV-Infektion ständig auf Hochtouren und ist überaktiv. Deshalb kommt es vermehrt zu Autoimmunreaktionen, und die Gefahr für Allergien ist erhöht.

HIV vermehrt sich auch in der Zeit, in der sich Infizierte völlig gesund fühlen, ebenso dann, wenn das Immunsystem das Virus (zumindest teilweise) unter Kontrolle zu halten vermag. Mittlerweile ist zwar in Ansätzen geklärt, warum das Immunsystem die HIV-Vermehrung bei manchen Menschen besser unterdrückt als bei anderen. Aus diesem Wissen konnte aber noch keine wirksame Behandlungsform entwickelt werden.

Auch ein geschwächtes Immunsystem kann noch gut mit vielen Krankheitserregern fertig werden. Menschen mit HIV brauchen also nicht vor jedem Schnupfen Angst zu haben.
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Wie verläuft eine HIV-Infektion?

HIV-Infektionen entwickeln sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, und jeder einzelne Verlauf zeigt in der Regel starke Schwankungen. Symptome können, müssen aber nicht auftreten. Und zwischen einzelnen Krankheitsphasen liegen oft lange Zeiten ohne körperliche Beschwerden. Selbst ein voll entwickelter Immundefekt kann bis zum Auftreten schwerster Erkrankungen zunächst ohne Krankheitszeichen (= Symptome) verlaufen.

Wie stark sich HIV vermehrt und dadurch das Immunsystem schädigt, kann durch die Messung der "Viruslast" überprüft werden (= Zahl der Viren pro Milliliter Blut): Je höher die Viruslast, desto schneller wird das Immunsystem zerstört. Auch die Zahl der Helferzellen, gemessen pro Mikroliter Blut, gibt Auskunft über den Zustand des Immunsystems: Je weniger Helferzellen, desto ausgeprägter die Immunschwäche.

In jedem Stadium aber kann man etwas für seine Gesundheit tun, unabhängig davon, ob man Symptome hat oder nicht: Zum einen kann man eine antiretrovirale Therapie machen. Zum anderen gibt es heute bessere Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung opportunistischer Infektionen. Außerdem ist es immer sinnvoll, das Immunsystem selbst zu unterstützen, z.B. durch gesunde Ernährung, Sport, Behandlung anderer Erkrankungen wie Hepatitis und die Vermeidung zusätzlicher Infektionen.

Akute HIV-Infektion

Etwa zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung können Beschwerden auftreten, die einer Grippe ähneln: Fieber, Hautausschlag, Muskelschmerzen, Schluckbeschwerden, Mandel- und Lymphknotenschwellungen. Die Beschwerden halten meist wenige Tage oder Wochen an und verschwinden dann vollständig. Diesen Abschnitt bezeichnet man als "akute" oder "primäre" HIV-Infektion; er verläuft oft aber auch "klinisch stumm", das heißt, ohne deutlich erkennbare Symptome.

Während der akuten Infektion erkennt das Immunsystem das sich sehr rasch und massiv vermehrende Virus und setzt ihm körpereigene Abwehrzellen entgegen, z.B. Helferzellen, Suppressorzellen (CD8-Zellen; sie haben u.a. die Aufgabe, die Immunantwort zu bremsen; damit sie nicht überreagiert und sich möglicherweise gegen den eigenen Körper richtet) und Killerzellen (Immunzellen, die infizierte Zellen zerstören können). Zugleich produziert es so genannte Antikörper, die HIV bekämpfen sollen. Diese lassen sich in der Regel drei bis sechs Wochen, spätestens etwa zwölf Wochen nach der Ansteckung mit dem HIV-Test nachweisen.

Symptomfreies Stadium

Dem Immunsystem gelingt es, eine Art Gleichgewicht zwischen Virusvermehrung und Virusabwehr zu erreichen. Vermutlich tragen Antikörper, Abwehrzellen und vom Körper gebildete lösliche Stoffe dazu bei, dass viele der ständig neu produzierten Viren sowie der von HIV befallenen Körperzellen zerstört werden. Dieses Gleichgewicht bleibt ohne antiretrovirale Therapie etwa fünf bis zehn Jahre stabil - abhängig unter anderem von der Fähigkeit des Immunsystems, HIV zu bekämpfen, der genetischen Ausstattung des Einzelnen, dem Lebensalter, ebenso von der Ernährung, den allgemeinen Lebensumständen, der seelischen Verfassung sowie von Vor- und Begleiterkrankungen. In dieser Zeit bemerken Menschen mit HIV kaum etwas von der Infektion. Jedoch kann es zu Veränderungen der Blutwerte kommen.

Symptomatisches Stadium

In dieser Phase der HIV-Infektion treten Infektionskrankheiten auf, weil das Immunsystem bereits deutlich geschwächt ist. Sie sind aber (noch) nicht lebensbedrohlich. Weitere Symptome sind Nachtschweiß, Fieberschübe, Lymphknotenschwellungen, Hautveränderungen, anhaltende Durchfälle, Pilzerkrankungen.

Die Krankheitszeichen, die bei einer HIV-Infektion auftreten können, sind im Einzelnen betrachtet unspezifisch, d.h., sie kommen auch bei vielen anderen Krankheiten vor. Ob ein Immundefekt vorliegt oder nicht, können deshalb nur Ärztinnen und Ärzte feststellen, die auf diesem Gebiet erfahren sind.

Aids-Vollbild

Treten bei einem schweren, durch HIV verursachten Immundefekt bestimmte Krankheiten auf, spricht man von "Aids". Dazu zählen z.B. die Pneumocystis-Pneumonie (PcP), eine Form der Lungenentzündung, oder infektiöse Erkrankungen anderer Organe, z.B. der Speiseröhre mit dem Hefepilz Candida albicans. Auch Viren wie Herpes simplex oder Herpes zoster können zu schweren Erkrankungen führen. Die häufigsten Tumorerkrankungen im Zusammenhang mit Aids sind durch Viren bedingte Krebsarten, z.B. das Kaposi-Sarkom oder der Gebärmutterhalskrebs sowie Lymphome (bösartige Tumoren des Immunsystems).

Weil HIV auch die Zellen des Zentralnervensystems schädigen kann, können im Verlauf der HIV-Infektion Nervenentzündungen und Hirnleistungsstörungen auftreten, die meist langsam und unauffällig beginnen.
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Wie lässt sich der Zustand des Immunsystems feststellen?

Anhand der so genannten Blutwerte, also der Helferzellzahl und der Viruslast, lässt sich feststellen, ob und wie weit HIV das Immunsystem bereits geschädigt hat und wie schnell sich das Virus im Köper vermehrt. Sie spielen außerdem eine wichtige Rolle bei der Frage, wann mit einer Therapie begonnen werden soll und wie gut die Medikamente wirken. Helferzellzahl und Viruslast müssen dabei immer gemeinsam betrachtet werden, um aussagekräftig zu sein.

Helferzellen

Gemessen wird die Zahl der Helferzellen pro Mikroliter Blut. Diese Zellen gehören zu den Lymphozyten, einer Unterfamilie der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und sind - wie alle Lymphozyten - Immunzellen. Je weniger Helferzellen vorhanden sind, desto stärker ist das Immunsystem geschädigt. Als normal gelten Werte zwischen 500 und 1.200 Helferzellen pro Mikroliter. Normalwerte wie auch Messwerte können - je nach Labor, das die Blutprobe untersucht, und je nach Methode, mit der die Zellen gezählt werden - etwas unterschiedlich ausfallen. Sinkt die Zahl unter 250-200 CD4-Zellen pro Mikroliter, ist das Immunsystem stark geschädigt, und es besteht die Gefahr, dass opportunistische Infektionen auftreten. Um dies zu verhindern, sollten zusätzlich zur Kombinationstherapie Medikamente zur vorbeugenden Behandlung (= Prophylaxe) von opportunistischen Infektionen eingenommen werden.

Neben den in absoluten Zahlen angegebenen Werten ist auch das Verhältnis zwischen der Zahl der Helferzellen und derjenigen der übrigen Lymphozyten (so genannte relative CD4-Zellzahl, angegeben in Prozent) von Bedeutung. Erst Absolutwert und Prozentwert - zusammen mit weiteren Werten wie Anzahl der Suppressorzellen und Verhältnis zwischen Helfer- und Suppressorzellen (so genannte CD4/CD8-Ratio) - lassen eine vernünftige Aussage über den Zustand des Immunsystems zu, deshalb sollte man sich nicht zu sehr auf die absolute Zahl der Helferzellen konzentrieren. Der Normalwert der relativen Helferzellzahl liegt bei über 30 %, das heißt, dass mindestens ein Drittel der Lymphozyten Helferzellen sein sollten (liegt der Wert unter 15 %, ist das Immunsystem stark geschädigt). Ein Beispiel: Bei 600 Helferzellen, die aber nur 12 % aller Lymphozyten ausmachen, ist das Immunsystem in einem schlechteren Zustand als bei 400 Helferzellen, wenn sie 31 % der Lymphozyten-Gesamtzahl stellen.

Die Viruslast

Gemessen wird die Zahl der Viruskopien - genauer: der RNA-Kopien - pro Milliliter (= /ml) Blut. Das Ziel der gegen HIV gerichteten Therapie ist, die Viruslast unter die Nachweisgrenze der empfindlichsten Testverfahren zu senken (derzeit bei 20 bis 50 Viruskopien) und sie über einen möglichst langen Zeitraum so niedrig zu halten. Steigt die Viruslast während der Therapie wieder an, bedeutet das, dass sich HIV erneut vermehren kann: Die Medikamente wirken nicht mehr. Das kann zur Folge haben, dass das Virus aktiver und gefährlicher wird.

Lautet der Befund "Viruslast negativ", "Viruslast nicht nachweisbar" oder "Viruslast unter der Nachweisgrenze", so heißt das nicht, dass keine Viren mehr im Blut sind, sondern nur, dass sie wegen zu geringer Menge nicht mehr gemessen werden können. Das kann bedeuten, dass die Virusmenge auch im Sperma oder in der Scheidenflüssigkeit gering ist. Forschungen haben nämlich ergeben, dass es zwischen der Viruslast im Blut und derjenigen im Sperma/Vaginalsekret einen Zusammenhang gibt: Je höher/niedriger die Viruslast im Blut, desto höher/niedriger ist sie auch in diesen Körperflüssigkeiten - es gibt allerdings Ausnahmen. Auch bei nicht mehr nachweisbarer Viruslast im Blut kann man aber dennoch HIV beim ungeschützten Sex und beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen übertragen.

Im Allgemeinen werden Ergebnisse unter 10.000 Viruskopien/ml Blut als niedrig, über 100.000 als hoch bewertet. Wie immer die Werte auch ausfallen: Geht es um die Frage, ob man mit einer antiretroviralen Therapie beginnen soll, kann die Viruslast nur im Zusammenhang mit dem Immunstatus, mit anderen Blutwerten und - nicht zuletzt - mit dem gesundheitlichen Zustand sinnvoll bewertet werden.

Ob Helferzellzahl oder Viruslast - ein einzelner ungünstiger Messwert ist kein Grund, in Panik zu geraten. Die Werte können aus verschiedenen Gründen schwanken:

Wird die Helferzellzahl morgens gemessen, fallen die Werte anders aus als nachmittags oder abends. Um vergleichbare Werte zu erhalten, ist es daher ratsam, immer zur gleichen Tageszeit zur Blutabnahme zu gehen. Ein bis zwei Stunden Unterschied machen dabei aber nichts aus.

Bei Infektionen (z. B. einer Erkältung), selbst wenn sie unbemerkt ablaufen, verändern sich die Werte zum Teil deutlich: Die Helferzellzahl sinkt meist, und die Viruslast steigt an. Danach normalisieren sich die Werte wieder.

Einfluss haben ebenso negativer Stress, Depressionen, starker Alkoholgenuss, Drogengebrauch, Mangelernährung, langes Sonnenbaden usw.
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Opportunistische Infektionen

Unter einer antiretroviralen Therapie bleibt die Zahl der Helferzellen auf hohem Niveau, sodass der natürliche Schutz des menschlichen Immunsystems ausreicht, um Krankheitserreger abzuwehren. Falls die Helferzellzahlen aber trotz Therapie oder weil man keine antiretroviralen Medikamente einnimmt unter bestimmte Werte fallen, kann man die natürliche Abwehr durch die gezielte Gabe von Medikamenten unterstützen, um opportunistischen Infektionen vorzubeugen (medikamentöse Prophylaxe).

Bricht trotzdem eine OI aus, gibt es immer noch eine Reihe gezielter Behandlungsmöglichkeiten. Entscheidend für einen Therapieerfolg ist, dass die Infektion rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Der Behandlung von OI sind allerdings Grenzen gesetzt, solange es nicht gelingt, die zu Grunde liegende Immunschwäche und ihren Verursacher - HIV - zu beherrschen.

Oft aber ist es für Ärzte und Ärztinnen schwierig, eine OI zu erkennen, vor allem dann, wenn kein HIV-Test gemacht wurde und keine Informationen über den Immunstatus vorliegen - und wenn es an entsprechender Erfahrung mangelt. Außerdem ist die Gefahr, dass eine OI erst spät erkannt und behandelt wird, umso größer, je weniger sich der Arzt auf diesem Gebiet auskennt. Schon deshalb ist es wichtig - unter Umständen sogar lebenswichtig -, sich von erfahrenen HIV-Spezialist(inn)en behandeln zu lassen, selbst wenn man dafür längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen muss. Adressen bekommt man bei einer Aidshilfe in der Nähe.

Häufig auftretende OI

Pneumocystis-Pneumonie (PcP)

Anhaltender trockener Husten ohne Auswurf, Fieber und Luftnot bei körperlicher Belastung (beispielsweise Treppensteigen) sind meist die ersten Zeichen dieser Lungenentzündung, die durch den Erreger Pneumocystis jiroveci ausgelöst wird. Dieser Schlauchpilz kommt überall vor, und man kann den Kontakt mit ihm nicht vermeiden. Wenn die Zahl der Helferzellen (CD4-Zellen) unter 200 pro Mikroliter Blut liegt, ist vermehrt mit dieser Infektion zu rechnen; eine medikamentöse Prophylaxe ist dann dringend anzuraten. Am häufigsten tritt die PcP bei einer CD4-Zellzahl unter 150 auf. Durch die Medikamente lässt sich das Ausbrechen der PcP fast immer verhindern.

Toxoplasmose

Der Erreger - Toxoplasma gondii - ist ein Parasit, der hauptsächlich über rohes oder nicht durchgegartes Fleisch und gelegentlich durch Katzenkot übertragen wird. Er kann alle Zellen des menschlichen Körpers befallen, verbreitet sich aber besonders im Gehirn. Die ersten Symptome sind meist dumpfe Kopfschmerzen und Fieber. Später kann es zu Lähmungen oder Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen, zu Sprach-, Seh- oder Hörstörungen, zu Benommenheit, Konzentrationsschwäche und Verhaltensänderungen kommen. Bei einer Toxoplasmose handelt es sich nahezu immer um eine alte Infektion, die unter der Immunschwäche wieder ausbricht. Frühzeitig erkannt und behandelt, bestehen gute Aussichten auf Heilung.

Infektion mit dem Cytomegalie-Virus (CMV)

Das Cytomegalie-Virus gehört zur Familie der Herpesviren und kann sich in verschiedenen Organen ansiedeln. Betroffen sind meist der Verdauungstrakt und die Netzhaut (Retina), seltener die Lunge und das Gehirn. Eine Entzündung der Netzhaut (Retinitis) kann, wenn sie nicht behandelt wird, sehr rasch zur Erblindung führen. Warnzeichen sind verschwommenes und unscharfes Sehen, Probleme beim räumlichen Sehen, Einschränkungen des Gesichtsfeldes, Flimmern und "Schneegestöber" vor den Augen.

Im Stadium Aids können außerdem Tumoren auftreten. Die Möglichkeiten zu ihrer Behandlung sind Chemotherapie, Bestrahlung und chirurgische Eingriffe. Auch hier wirkt sich eine gut eingestellte antiretrovirale Therapie günstig aus: Zumindest einige Tumoren treten weniger häufig auf oder bilden sich sogar zurück. (Ausführliche Informationen zu opportunistischen Infektionen und HIV-bedingten Tumoren finden sich unter anderem in den entsprechenden Ausgaben des MED-INFO der AIDS-Hilfe Köln e.V.)

Quelle
Auszug aus unserer Broschüre "kombinationstherapie" (4., überarbeitete Auflage, Berlin 2004)



Gruß
Luca:ice:

Luca Offline




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26.12.2005 20:47
#3 RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids Teil III

Schutz vor Ansteckung

Kondome beim Anal- und Vaginalverkehr schützen vor HIV und senken das Risiko einer Ansteckung mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit, z.B. Hepatitis oder Syphilis. Safer Sex heißt darüber hinaus, beim Oralverkehr darauf zu achten, dass kein Sperma oder Blut (z.B. Menstruationsblut) in den Mund, auf Schleimhäute oder in die Augen gelangt. Beim Drogengebrauch ist wichtig, nur das eigene sterile Spritzbesteck und Zubehör zu verwenden.

Im Folgenden bieten wir ausführliche Informationen zu Safer Sex und zu Kondomen, zu Safer Use, zur Frage "Was ist, wenn es mit dem Schutz mal nicht geklappt hat?" und zum Thema "Impfung".

Safer Sex

Vaginalverkehr

Zum Risiko der Frau: Über die empfindlichen Scheidenwände kann HIV leicht in die Blutbahn eindringen. Das Risiko, sich anzustecken, ist besonders groß, wenn im Genitalbereich schon eine andere Infektion vorliegt, ebenso während der Monatsblutung.
Zum Risiko des Mannes: Infektiöse Scheidenflüssigkeit kann über die Schleimhäute des Penis zur Ansteckung führen; diese haben häufig sehr kleine, nicht spürbare Verletzungen. Während der Monatsblutung ist das Infektionsrisiko wegen des Kontakts mit Blut größer.
HIV ist leichter vom Mann auf die Frau übertragbar als umgekehrt. Für beide besteht aber ein Risiko.

Schutz beim Vaginalverkehr bieten Kondome, ggf. zusammen mit fettfreiem Gleitmittel.

Das Herausziehen des Penis kurz vor dem Samenerguss ist keine geeignete Methode, um sich vor HIV zu schützen.

Analverkehr

Hier ist das Risiko besonders groß, sich mit HIV und anderen Krankheitserregern anzustecken. Der After ist stark durchblutet, seine Schleimhäute sind sehr leicht verwundbar.

Auch der "aktive" Partner - also derjenige, der seinen Penis einführt - kann angesteckt werden: Die empfindliche Eichel und der Harnröhrenausgang können mit Erregern in Kontakt kommen.

Kondome, zusammen mit einem fettfreien Gleitmittel, bieten beim Analverkehr guten Schutz.

Oralverkehr

Zum "Blasen": Das Stimulieren des Penis mit Mund oder Zunge gilt als risikoarm, solange kein Blut im Spiel ist. Wichtig ist: kein Sperma in den Mund, auf Wunden, auf die Schleimhäute oder in die Augen gelangen lassen. Wenn dennoch Sperma in den Mund gelangt, nicht schlucken, sondern möglichst schnell ausspucken und Mund ausspülen, am besten mit Alkohol. Ist Sperma in die Augen gelangt, diese möglichst schnell mit Wasser ausspülen. Wer ganz sichergehen will, benutzt beim Blasen ein Kondom. Es schützt außerdem vor Mund-Tripper.
Zum Lecken der weiblichen Geschlechtsorgane: Gilt ebenfalls als risikoarm, außer während der Menstruation. Wer auf "Nummer Sicher" setzt, benutzt beim Lecken ein "Dental dam", ein Latextuch, das zwischen Mund und Scheide gelegt wird; den gleichen Zweck erfüllt auch ein aufgeschnittenes Kondom oder Frischhaltefolie. Dental dams gibt's z.B. in Apotheken.

Eindringen mit den Fingern...

... in die Vagina oder den After ist risikoarm, auch bei nicht intakter Haut (auf kurzgeschnittene Fingernägel achten!). Während der Menstruation empfiehlt es sich, Fingerlinge, Kondome oder Gummihandschuhe zu verwenden.

Fisting

Bei dieser Praktik - ob anal oder vaginal - ist das Risiko gering, solange es nicht zum Blut-Blut- oder Blut-Schleimhautkontakt kommt. Schutz bieten Latexhandschuhe (auf kurzgeschnittene Fingernägel achten!). Wenn man fetthaltige Gleitmittel (z.B. Crisco) verwendet, ist Anal- oder Vaginalverkehr nach dem Fisten riskant ist, weil Fett die üblichen Kondome beschädigt, sodass sie nicht mehr schützen.

S/M (Sado-Maso)

Was HIV angeht, ist S/M risikolos - vorausgesetzt, es gibt keine Wunden, in die Blut oder Sperma gelangen kann, und Blut oder Sperma gelangen nicht in die Augen, auf Schleimhäute oder in den Mund. Auch die "Werkzeuge" sind sicher, solange kein Blut im Spiel ist. Werden sie auch bei/von anderen benutzt, sollten sie vor dem Weiterreichen gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.

Sex mit Sexspielzeugen

Was HIV angeht, sind Dildos, Vibratoren und andere Toys sicher, wenn sie nur von/bei derselben Person benutzt werden. Werden sie von/bei anderen verwendet, zieht man ihnen zuvor jeweils ein neues Kondom über oder wäscht sie sorgfältig mit Wasser und Seife.

Frauen sollten Sex-Toys bei sich nicht zuerst anal und dann vaginal benutzen. Dadurch können Bakterien aus dem After in die Scheide gelangen, was mitunter zu unangenehmen Infektionen führt.

Andere Praktiken

Praktiken mit Urin ("Golden Shower") und Kot (Scat) wie auch das Lecken des Anus (Rimming) sind unbedenklich, was HIV angeht (solange kein Blut im Spiel ist). Man kann sich dabei allerdings mit anderen Krankheitserregern anstecken, z.B. Hepatitis-Viren. Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen.

Küssen - auch tief und ausgiebig -, gegenseitige Masturbation und Massage, sich aneinander reiben und dergleichen: Diese Praktiken bergen kein HIV-Risiko, solange kein Blut oder Sperma in den Mund, die Augen, auf Schleimhäute oder auf Wunden gelangt.
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Kondome & Co.

Was wird wofür benutzt?

Analverkehr:

Normale Kondome reichen (zusammen mit genügend fettfreiem Gleitmittel!) vollkommen aus. Man kann aber auch extra starke und reißfeste nehmen, wenn man sich damit sicherer fühlt. Auf keinen Fall aber zwei Kondome übereinander ziehen - durch die starke Reibung können sie leicht zerstört werden!
Ausreichend Gleitmittel verwenden!

Vaginalverkehr:

Auch hier reichen normale Kondome völlig aus.
Ein Gleitmittel sollte immer dann verwendet werden, wenn nicht ausreichend Vaginalsekret produziert wird.

Oralverkehr:

Jede Art von Kondomen ist geeignet, auch dünnere.
Lecken der Vagina, des Anus: wahlweise Dental Dam (Latextuch) oder aufgeschnittenes Kondom (vor allem zum Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis, Tripper, Syphilis usw.)

Bei Verwendung von Sexspielzeug, z.B. Dildos und Vibratoren:

Ein Kondom ist nur nötig, wenn die Toys von verschiedenen Sexpartnern oder nacheinander in After und Vagina benutzt werden. In diesem Fall vor jedem Wechsel ein neues Kondom drüberrollen oder vor der Weitergabe gründlich mit heißem Wasser und Seife reinigen.

Extra große Kondome (Kondomgrößen L, XL, XXL):

extra große Kondome nur benutzen, wenn sie wirklich benötigt werden (sonst rutschen sie ab).

Leuchtkondome und andere Scherzartikel:

Solche Kondome sind nicht mit "EN 600" gekennzeichnet, sondern tragen den Aufdruck "Scherz-/Stimulationsartikel - nicht zur Verhütung geeignet!" Auch zum Schutz vor HIV sind diese Kondome nicht verwendbar!

Kondome aus Schafsdarm:

nicht verwenden: Sie sind durchlässig für Bakterien und Viren!

Was tun bei Allergien?

Zuerst vom Facharzt abklären lassen, wogegen sich die Allergie richtet. Wenn die Ursache erkannt ist, auf andere Produkte wechseln.

Allergie gegen Latex:

Kondome aus Polyurethan benutzen
Allergie gegen Inhaltsstoffe und Produktionsrückstände von Kondomen: hypo-allergene Kondome benutzen. Sie sind weitestgehend frei von allergieauslösenden Bestandteilen.
Allergie gegen Inhaltsstoffe von Gleitmitteln: Gleitmittelmarke wechseln

Wo bekommt man Kondome & Co.?

Die größte Auswahl an Kondomen bieten Kondomfachgeschäfte und gut sortierte Sex-Shops. Aber natürlich gibt es sie auch in Apotheken, Kaufhäusern und Drogerien. Kondome kann man ebenso über den Versandhandel beziehen.

Dental Dams, Latexhandschuhe und Fingerlinge bekommt man meist nur in Apotheken. Latexhandschuhe gibt's auch in Drogerien.

Gleitmittel sind über Kondomfachgeschäfte, gut sortierte Sex-Shops, über den Versandhandel und bisweilen auch in Apotheken erhältlich.

Gleitmittel - welche?

nur fettfreie, für diesen Zweck bestimmte Substanzen verwenden!
auf keinen Fall öl- oder fetthaltige Substanzen wie Nivea, Vaseline, Speiseöle und Bratfette!
Wie benutzt man das Kondom?
Die (unbeschädigte!) Verpackung vorsichtig aufreißen, am besten mit den Fingern. Kondom nicht durch spitze oder scharfe Gegenstände (Schere, Messer, Schmuck usw.) oder durch Fingernägel und Zähne beschädigen!
Wichtig ist, das Kondom bereits vor dem ersten Eindringen zu benutzen.
Vorhaut zurückziehen und das Kondom gleichmäßig über den steifen Penis ganznach unten abrollen. Dabei das Kondom an der Spitze etwa 1-2 cm mit den Fingern zusammendrücken, um genügend Platz für das Sperma zu lassen. Darauf achten, dass das Kondom nicht durch Fingernägel beschädigt wird.
Niemals zwei Kondome übereinander verwenden! Sie scheuern gegeneinander und rutschen leichter ab.
Beim Analverkehr reichlich fettfreies Gleitgel auf das Gummi geben und auch den Anus des Partners damit schmieren.
Vor jedem (erneuten) Eindringen kurz mit der Hand überprüfen, ob das Kondom noch richtig sitzt.
Nach dem Samenerguss Penis und Kondom zusammen aus Vagina oder Anus herausziehen, solange der Penis noch steif ist (damit der Gummi nicht abrutscht!). Dabei das Kondom am Gummiring festhalten.
Zur Sicherheit
Kondome so aufbewahren, dass sie vor Reibung, Druck, Hitze, scharfen und spitzen Gegenständen geschützt sind.
Kondom-Folierung nicht mit Messer, Schere oder anderen scharfkantigen Gegenständen öffnen.
Kondome kühl und trocken lagern.
Achtung bei brüchigen und rissigen Fingernägeln!
Kondome vertragen sich nicht mit bestimmten Vaginalzäpfchen und Salben! Unbedingt auf die Packungsbeilage achten.
Starke Haarstoppeln nach Intimrasuren können dem Kondom schaden.
Auf jeden Fall Qualitätskondome (mit dem Aufdruck "geprüft nach EN 600") verwenden.
Beim Kondomkauf immer auf eine unbeschädigte Verpackung achten. Die Packungen sind mit einem Haltbarkeitsdatum versehen. Wenn es abgelaufen ist, Kondome nicht mehr benutzen.
Bei Fernreisen empfiehlt sich die Mitnahme eines Kondomvorrats. In manchen Ländern entsprechen die dort erhältlichen Kondome nicht immer den EU-Qualitätsstandards.

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Safer Use

Risiken beim Spritzen

Sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht: Bakterien, Pilze und Viren - wie HIV und Hepatitis-Viren. Sie befinden sich z.B. in Blutresten in gebrauchten Spritzen oder Nadeln, in gebrauchten Filtern, auf schmutzigen Löffeln und so weiter.

Needle-Sharing

Am gefährlichsten ist das Needle-Sharing, wenn also Nadel und/oder Spritze von mehreren benutzt werden. Über Bluteiweiß-Reste, die man mit bloßem Auge oft nicht mehr erkennen kann, können Viren, Bakterien und Pilze in die Blutbahn gelangen und z.B. Schüttelfröste, Krämpfe oder Abszesse verursachen. Eine Reihe von Bakterien und Pilzen kann auch in Herz und Lunge geraten, sich dort festsetzen und zu schweren (manchmal lebensbedrohlichen) Komplikationen führen. Sehr gefährlich sind Hepatitis-Viren und HIV. HIV ist das Virus, das Aids verursacht - und Aids ist immer noch nicht heilbar. Hepatitis-Infektionen können die Leber schwer angreifen. Wird eine Hepatitis chronisch, kann es zu Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs kommen.

Nur sterile Spritzbestecke bieten einen optimalen Schutz vor Infektionen. Können Drogengebraucher nicht darauf zurückgreifen, sollten sie Spritzbesteck auf jeden Fall vorher reinigen (siehe "Tipps zum Reinigen des Spritzbestecks")!

Gerade in Gefängnissen ( auch in deutschen!), ist das Needle-Sharing angesagt, und man bezahlt sogar noch für ein verunreinigtes Spritzenbesteck ca. 40-50€, bezahlt wird meistens in Tabak, oder Briefmarken, da Geld nicht angesagt ist!!

Deshalb bitte ich Euch, jede Art von Unterstützung zu gewähren, die dazu beiträgt, das Häftlinge sich frische Spritzbestecke auf der Krankenstation unüberwacht mitnehmen können!
Das dient natürlich auch dazu, die schwulen Häftlinge vor einer weiteren Ansteckungsgefahr zu schützen!


Drug-Sharing

Wird die gesamte Substanz mit EINER Spritze aufgezogen und dann, nach Teilstrichen bemessen, an die anderen weitergeben, ist das sehr riskant. Zwar benutzt jede/r die eigene Spritze, doch wenn die erste Spritze oder Nadel nicht steril sind, können Bakterien, Pilze und Viren weitergetragen werden.

Um Stoff gerecht zu teilen, gibt es eigentlich nur eine saubere Lösung: Eine/r teilt das Pulver, die anderen suchen sich ihre Portion aus. Dann benutzt jede/r den eigenen Löffel, den eigenen Filter, die eigene Spritze.

Work-Sharing

Auch beim gemeinsamen Benutzen von Werkzeug werden Krankheitserreger übertragen: Gebrauchte Filter und Tupfer, verunreinigte Löffel und Gläser, sogar abgestandenes Wasser sind "Verstecke" von Krankheitserregern und ein idealer Nährboden für Pilze und Bakterien. Diese Bedingungen sind "ideal" für die Übertragung von Hepatitis-Viren. Daher solten Drogengebraucher immer nur den eigenen Löffel, unbenutzte Filter und Tupfer sowie frisches Wasser verwenden.


Risiken senken durch Reinigen des Spritzbestecks

Nur ungebrauchte, sterile Spritzbestecke sind wirklich sicher!

Wenn Drogengebraucher aber keines zur Verfügung haben (z.B. in Haft), können sie erst einmal sniefen oder rauchen, um den "Affen" zu vermeiden. So haben sie Zeit, sauberes Spritzbesteck zu besorgen. Wenn das nicht geht, sollten sie das eigene Spritzbesteck unbedingt provisorisch desinfizieren.

Die Methoden zur provisorischen Desinfizierung sind nicht 100%ig sicher! Am sichersten ist das Auskochen mit Wasser. Ausführliche Informationen bietet unsere Broschüre "Safer Use - Risiken minimieren beim Drogengebrauch".
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Im Notfall

Wenn es mit dem Schutz mal nicht geklappt hat...

Das Kondom ist gerissen, oder es wurde "im Sturm der Gefühle" einfach vergessen: So etwas kann durchaus passieren. Der eindringende Partner kann dann seinen Penis waschen und zu urinieren versuchen, um Reste von Körperflüssigkeiten des Partners/der Partnerin ab- und auszuspülen. Bisher ist nicht geklärt, ob für die aufnehmende Person eine Darm- oder Scheidenspülung sinnvoll oder im Gegenteil gefährlich ist.

Kommt beim Sex Sperma in die Augen, diese möglichst schnell mit Wasser ausspülen. Ist Sperma in den Mund gelangt, schnell ausspucken und ausspülen (je schneller, desto besser - wenn's geht, mit Alkohol).

Wenn jemand ein erhöhtes Infektionsrisiko hatte (z.B. ungeschützter Sex mit einem HIV-positiven Menschen oder Blut- oder Schleimhautkontakt mit HIV-infiziertem Blut, etwa bei einer Nadelstichverletzung im Krankenhaus), ist möglicherweise auch eine Post-Expositions-Prophylaxe - kurz HIV-PEP - sinnvoll. (Zur Erklärung: post = nach, Exposition = hier: Kontakt mit HIV, Prophylaxe = Infektionsvermeidung) Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich eine vierwöchige Chemotherapie mit Medikamenten, die gegen HIV gerichtet sind. Sie hat die bestmögliche Wirkung, wenn sie innerhalb von zwei Stunden nach dem Risikokontakt begonnen wird. Je mehr Stunden vergehen, desto geringer ist die Chance, dass die HIV-PEP wirkt. Außerdem ist möglichst bald mit einem Resistenztest zu überprüfen, ob das übertragene Virus möglicherweise schon gegen bestimmte Anti-HIV-Medikamente unempfindlich ist - in diesem Fall müssten diese Medikamente ausgetauscht werden.

Ob und wie gut die HIV-PEP wirkt, kann man allerdings nicht genau sagen. Außerdem treten manchmal auch starke Nebenwirkungen auf (Spätfolgen sind jedoch eher nicht zu erwarten).

Die Post-Expositions-Prophylaxe ist also kein "Kondom für danach", sondern eine Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen. Ob eine HIV-PEP eingesetzt werden sollte, lässt sich nur mit einem erfahrenen Arzt/einer erfahrenen Ärztin klären!
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Impfung, Mikrobizide und Co.

Impfung

In den 80ern hieß es, in wenigen Jahren werde es einen Impfstoff gegen HIV geben. Heute traut sich kaum ein Wissenschaftler mehr, eine halbwegs verlässliche Prognose abzugeben. Der Grund liegt in der Vielfalt und in der Veränderbarkeit des Virus: Verschiedene Subtypen mit verschiedenen Bauplänen, Mischtypen dieser Subtypen - so genannte Rekombinanten - und die genetische Wandelbarkeit des Virus machen es der Forschung besonders schwer.

Als 1996 der Siegeszug der medikamentösen Therapie begann und man (allzu optimistisch) erwartete, dass man mit ihrer Hilfe HIV aus dem Körper entfernen könne, wurden die Forschungsmittel für die Impfstoffentwicklung gekürzt. Es erschien aussichtsreicher, sie in die Medikamentenentwicklung zu stecken. Nachdem man die Grenzen der neuen Therapie erkennen musste, wird seit einigen Jahren wieder verstärkt in die Impfstoffforschung investiert -unter anderem unterstützt auch die Deutsche AIDS-Stiftung diese weltweiten Bemühungen. Inzwischen sind zahlreiche Impfstoffe in der Entwicklung. Die Wissenschaftler/innen haben allerdings die Erwartungen stark nach unten korrigiert. Wenn es - vielleicht in einigen Jahren - gelingt, einen wirksamen Impfstoff zu produzieren, wird die Wirksamkeit voraussichtlich nicht darin bestehen, dass ein Impfling vollständig gegen eine HIV-Infektion geschützt ist. Ein "Impferfolg" wäre es bereits dann, wenn die Infektion bei einem Impfling, der sich nach Impfung mit HIV infiziert, milder verliefe und die Viruslast geringer wäre. Dann wäre der infizierte Impfling auch weniger infektiös (= ansteckend für andere).


Mikrobizide

Mikrobizide sollen - als Creme oder Zäpfchen in der Scheide - verhindern, dass HI-Viren in die Blutbahnen der Frau eindringen. Theoretisch könnte das ein entscheidendes Mittel sein, um Frauen mehr Unabhängigkeit vom Schutzverhalten der Männer zu bieten. Denn so könnten Frauen eine Schutzmaßnahme selbst bestimmt und unabhängig vom Mann anwenden. Praktisch wirken bisher verfügbare Mikrobizide aber leider relativ aggressiv, dass sie die empfindliche Scheiden-Schleimhaut schwächen können - womit sie neue Eintrittspforten für das HI-Virus schaffen und die Ansteckungsgefahr sogar noch erhöhen. Das Ziel der Forschung ist, Mikrobizide zu entwickeln, die wirksam gegen das Virus, aber gleichzeitig unproblematisch für die Schleimhaut sind. In den nächsten 5-10 Jahren ist die Entwicklung eines wirksamen Mikrobizids unwahrscheinlich. Außerdem wäre es wahrscheinlich so, dass auch diese Mikrobizide keinen 100%igen Schutz vor einer Ansteckung bieten würden.


Prä-Expositions-Prophylaxe

Da Impfung und Mikrobizide noch Jahre entfernt sind bzw. weil es sein kann, dass auch in den nächsten 20 Jahren noch keine Impfung bzw. kein ausreichend wirksames Mikrobizid bereitstehen, besinnt sich die Forschung zurzeit auch in der Prävention auf das, was wirkt: Medikamente gegen HIV. 2004 begannen Studien dazu, ob die tägliche Einnahme eines Medikaments gegen HIV vor einer Infektion schützt (ähnlich wird dies bereits praktiziert, um die HIV-Übertragung von Müttern auf ihre neugeborenen Kinder zu verhindern). Die Untersuchungen finden an Personen statt, die ein hohes HIV-Infektionsrisiko haben. Ergebnisse werden bereits in wenigen Jahren vorliegen. Vergleichbar ist ein solches Vorgehen mit der Prävention und Therapie von Malaria. Allerdings weiß man aus diesem Gebiet, dass der Malariaerreger bei häufiger Anwendung der Anti-Malaria-Medikamente in der Prävention resistent wird. Dies könnte auch bei Anwendung von HIV-Medikamenten zur Verhinderung der HIV-Übertragung geschehen.

Quelle
Redaktioneller Beitrag; Autor: Armin Schafberger (DAH-Medizinreferent)



Gruß
Luca:Blume:

Luca Offline




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26.12.2005 21:00
#4 RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids Teil IV

Behandlung

Bisher gibt es noch kein Mittel, das die HIV-Erkrankung heilen könnte. Dennoch macht die Medizin Fortschritte. Inzwischen wird eine Reihe von Medikamenten gegen die Vermehrung von HIV eingesetzt (so genannte Virushemmer).

Zudem ist es heute möglich, den meisten opportunistischen Infektionen vorzubeugen oder sie zumindest erfolgreich zu behandeln - wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Und nicht zuletzt ist es immer sinnvoll, das Immunsystem selbst zu unterstützen, z.B. durch eine gute, ausgewogene Ernährung oder durch so genannte komplementäre Therapien.
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ART/Kombinationstherapie


Hier informieren wir über die so genannte Kombinationstherapie, auch "(hoch aktive) antiretrovirale Therapie" genannt (ART bzw. HAART): Wie sie funktioniert, kurz- und langfristige Nebenwirkungen, Resistenzen und wie man ihnen vorbeugt, Therapiestrategien u.v.m.

Unsere Broschüre "kombinationstherapie", die sich in erster Linie an Menschen mit HIV/Aids und Berater/innen richtet, steht unter dem Punkt "Downloads" auch als PDF-Datei zur Verfügung.

Downloads

http://www.aidshilfe.de/media/de/brosch-kombi-rz.pdf
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Behandlungsmöglichkeiten auf einen Blick

Medikamente gegen die Vermehrung von HIV

Im Rahmen der antiretroviralen Therapie (ART; auch hoch aktive ART = HAART genannt) werden derzeit folgende Medikamentengruppen gegen HIV eingesetzt oder erprobt:

NRTI (Nukleosidale und Nukleotidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) schleusen sich als falsche Bausteine in die menschliche Zelle ein. Auf diese Weise verhindern sie, dass die HIV-Erbinformation durch das viruseigene Enzym "Reverse Transkriptase" (RT) von einsträngiger RNA zu doppelsträngiger DNA umgeschrieben (transkribiert) wird, damit sie zur menschlichen Erbinformation passt. (RNA/DNA sind Abkürzungen für die englischen Bezeichnungen ribonucleic beziehungsweise deoxyribonucleic acid - zu deutsch: Ribonukleinsäure bzw. Desoxyribonukleinsäure; es handelt sich um die Träger der Erbinformation.)
NNRTI (Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) dagegen blockieren direkt die Reverse Transkriptase.
PI (Protease-Inhibitoren) hemmen das Enzym Protease, das die Virusvorstufen zu HIV umwandelt. Damit wird die Produktion neuer Viren in den menschlichen Zellen vermindert.
Entry-Inhibitoren blockieren den Eintritt von HIV in die menschliche Zelle. So verhindern zum Beispiel Fusionsinhibitoren, dass HIV nach dem Andocken an eine Zielzelle mit dieser verschmilzt (fusioniert).
Integrase-Inhibitoren hemmen das HIV-eigene Enzym Integrase, das die umgeschriebene Virus-DNA in die menschliche DNA einbaut.
Die meisten der heute verfügbaren Medikamente gegen HIV sind in Deutschland zugelassen. Andere sind über internationale Apotheken oder entsprechende Zugangsprogramme der Hersteller erhältlich. Ärzte/Ärztinnen von HIV-Schwerpunktpraxen können hierüber informieren.

Virushemmende Medikamente verlängern in der Regel deutlich die symptomfreie Zeit oder lindern Symptome. Sie bewirken, dass die Zahl der Helferzellen zu- und die der freien Viren im Blut (Viruslast) abnimmt, wodurch der Druck auf das Immunsystem nachlässt und dieses sich wieder erholen kann (Zeichen dafür ist ein Anstieg der Helferzellzahl). Auf diese Weise kann das Voranschreiten der Erkrankung gebremst werden.

Die kurzzeitigen und langfristigen Nebenwirkungen sind sehr unterschiedlich und variieren je nach Patient/in. Sie sollten auf jeden Fall mit dem Arzt/der Ärztin besprochen werden.

Bei der antiretroviralen Therapie werden verschiedene Anti-HIV-Medikamente miteinander kombiniert, um so die Wirkung der Behandlung zu erhöhen. Zurzeit wird untersucht, durch welche Kombinationen und Kombinationsfolgen sich die Wirkungsdauer weiter verlängern und die Zahl der Nebenwirkungen verringern lässt.

Medikamente gegen opportunistische Infektionen

Der Pneumocystis-Pneumonie (PcP),einer besonderen Form der Lungenentzündung, kann durch die Einnahme oder das Inhalieren von Medikamenten vorgebeugt werden. Sie werden dann angewendet, wenn die Gefahr einer PcP am höchsten ist, nämlich bei einem schweren Immundefekt. Auch gegen Toxoplasmose ist eine Vorbeugung (Primärprophylaxe) möglich.

Gegen Infektionen mit Pilzen, Bakterien oder Parasiten gibt es inzwischen zahlreiche gut wirksame Medikamente. Bei anderen Infektionen stehen bisher nur experimentelle Therapieansätze zur Verfügung.

Opportunistische Infektionen bedürfen der fachgerechten Behandlung durch spezialisierte Ärzte/Ärztinnen. Wichtig ist, sie frühzeitig zu erkennen. Es empfiehlt sich deshalb, bei Beschwerden und Veränderungen sofort zum Arzt zu gehen.

Über aktuelle Therapien bei Aids informieren Beratungsstellen, HIV-Schwerpunktpraxen oder die Fachliteratur.

Komplementäre Therapien

Komplementäre Therapien (komplementär = sich gegenseitig ergänzend) ergänzen die antiretrovirale Therapie (ART), indem sie bei der Bewältigung der Infektion und beim Umgang mit Medikamentennebenwirkungen helfen und so zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Wir verstehen darunter vor allem die europäisch orientierte Naturheilkunde, die traditionelle chinesische Medizin, die Homöopathie sowie Verfahren wie Yoga oder autogenes Training.

Von "alternativen" Therapien sprechen wir bewusst nicht, denn allein die antiretrovirale Therapie kann die HIV-Vermehrung wirksam hemmen. Eine nachweislich wirksame Alternative zur ART bietet weder die Naturheilkunde noch die Homöopathie, weder die traditionelle chinesische Medizin noch irgendein anderes Medizinsystem. Gegen HIV ist also kein Kraut gewachsen - wohl aber gegen manche Nebenwirkungen der Therapie und Folgen der HIV-Infektion.

Dabei gilt: Was für den einen hilfreich ist, muss der anderen nicht helfen, kann sogar eine Belastung darstellen. Einige Heilmittel "vertragen" sich nicht mit HIV oder einer ART. Und je mehr verschiedene Substanzen man einnimmt, desto zahlreicher und unübersichtlicher werden Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zwischen ihnen; das gilt sowohl für "schulmedizinische" als auch für "natürliche" Medikamente (pflanzlicher, mineralischer oder tierischer Herkunft). Es empfiehlt sich daher, mit dem behandelnden HIV-Arzt über alle Medikamente und Substanzen zu sprechen, die man einnimmt.
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Antiretrovirale Medikamente

Tabellarischer Überblick über alle derzeit verfügbaren Medikamente gegen HIV mit den Bezeichnungen der Wirkstoffe, dem Einnahmemodus und den wichtigsten Nebenwirkungen.

Downloads

http://www.aidshilfe.de/media/de/ART_2005_07_05.pdf
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Funktionsweise und Nutzen der Kombinationstherapie

Wie wirken die antiretroviralen Medikamente?

Die Medikamente gegen HIV verringern deutlich die Zahl der neu produzierten Viren. Die Folge ist, dass nicht mehr so viele neue Zellen infiziert werden und die Zerstörung des Immunsystems aufgehalten wird. Wirkt die Therapie und wird sie lange genug durchgeführt, kann sich das Immunsystem wieder erholen.

Die heute verfügbaren Medikamente setzen an verschiedenen Punkten des Vermehrungszyklus von HIV an:

1. Das Virus dringt in die Zelle ein: Auf der Hülle des Virus befinden sich Eiweiße, die wie "Schlüssel" zu entsprechenden "Schlössern" bei seinen Wirtszellen passen (vor allem Zellen des Immunsystems). Wenn ein Virus eine Wirtszelle "erkennt", "dockt es an" und verschmilzt (fusioniert) mit der Zelle.

Medikamente, die den Eintritt des Virus in die Zelle behindern (inhibieren), nennt man Entry-Inhibitoren. Dazu gehören zwei Gruppen: Rezeptor-Antagonisten hindern das Virus, an den Rezeptor oder die Korezeptoren der Zelle anzudocken, indem sie entweder das Schloss oder den Schlüssel unbrauchbar machen. Einige Medikamente dieser Gruppe befinden sich in der Entwicklung. Fusionsinhibitoren hemmen die Verschmelzung des Virus mit der Zelle.

2. Die Erbinformation des Virus wird umgeschrieben: Nachdem das Virus in die Zelle gelangt ist, muss erst einmal seine Erbinformation umgeschrieben (transkribiert) werden, damit sie zu der menschlichen Erbinformation passt: von einsträngiger RNA zu doppelsträngiger DNA. Das geschieht mit Hilfe eines vom Virus mitgebrachten Enzyms, der "Reversen Transkriptase" (RT). (Enzyme sind in der lebenden Zelle gebildete organische Verbindungen (Proteine, Ribonukleinsäuren), die chemische Reaktionen in biologischen System in Gang bringen (Biokatalysatoren).

Medikamente, die diesen Schritt hemmen, heißen "Reverse-Transkriptase-Inhibitoren" oder auch RTI. Dazu gehören zwei Gruppen: NRTI (Nukleosid und Nukleotidanaloge Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) schleusen sich als falsche Bausteine ein und unterbrechen so die Umschreibung von RNA in DNA. (Nukleoside sind Moleküle, die wiederum Bausteine von Nukleotiden sind, den Grundbausteinen der Erbsubstanz (DAN/RNA.) NNRTI (Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) dagegen blockieren direkt die Reverse Transkriptase, welche die Umschreibung vornimmt.

3. Die umgeschriebene Erbinformation des Virus wird in die menschliche Erbinformation eingebaut: Auch hierzu ist ein viruseigenes Enzym notwendig, die so genannte Integrase (sie integriert die umgeschriebene Virus-DNA in die menschliche DNA). Nun ist die Wirtszelle so umprogrammiert, dass sie nach ihrer Aktivierung Vorstufen der Virus-RNA und der Virusproteine produzieren kann.

Medikamente, die diesen Schritt hemmen, so genannte Integrase-Inhibitoren, sind noch in der Entwicklung.

4. Die HIV-Vorstufen werden zu Viren umgewandelt: Dies geschieht mit Hilfe des Enzyms "Protease". Nach der Ausschleusung aus der Zelle können die neu gebildeten Viren andere Zellen infizieren: Der Vermehrungszyklus beginnt nun von vorne.

PI (Protease-Inhibitoren) hemmen die Protease und verhindern so den Zusammenbau und die Reifung der Virusvorstufen. Sie sind die vierte Gruppe der HIV-Medikamente.

Antiretrovirale Medikamente kombiniert: die Kombinationstherapie

Bei einer Kombinationstherapie werden verschiedene, nach heutigem Standard mindestens drei Medikamente gegen HIV (= antiretrovirale Medikamente) zusammen eingenommen. Diese Therapieform, auch hochaktive antiretrovirale Therapie - kurz "HAART" - genannt, wirkt deutlich besser und wesentlich länger als eine Behandlung mit nur einem einzigen Medikament (Monotherapie) oder mit zwei Medikamenten (Zweifachkombinationstherapie; derzeit werden allerdings Kombinationen mit zwei PI bei vorbehandelten Patienten untersucht; obwohl es sich dabei eigentlich um Zweifachkombinationstherapien handelt, scheinen sie nach bisheriger Datenlage sehr gut wirksam zu sein). Unter Umständen treten dabei allerdings auch mehr Nebenwirkungen auf. Werden dagegen nur eine oder zwei Substanzen eingesetzt, ist die Gefahr sehr hoch, dass HIV resistent wird und die Therapie nicht mehr wirkt.

Im Einzelfall mag es gute Gründe geben, vom derzeitigen Therapiestandard abzuweichen; was dafür spricht, sollte der Arzt/die Ärztin allerdings auch mit dem Patienten oder der Patientin diskutieren.

Was ist der Nutzen einer "Kombitherapie"?

Eine Kombinationstherapie kann sich günstig auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirken. So ist in Deutschland bei Menschen mit HIV und Aids z. B. die Sterblichkeitsrate sehr stark gesunken und betrug zum Ende des Jahres 2003 nur noch knapp 30 % der Rate im Jahr 1995. Wir wissen aber nicht genau, wie lange die günstigen Wirkungen der Therapie anhalten, welche langfristigen Folgen die Dauertherapie haben wird und wie schwerwiegend sie sein werden.

Bei den meisten HIV-Positiven ist die Behandlung erfolgreich, bei manchen bereits seit fast zehn Jahren. Es gibt aber auch Menschen, die nicht in gleichem Maße oder überhaupt nicht von der Therapie profitieren können. Was für andere Medikamente gilt, gilt nämlich auch für die gegen HIV gerichteten: Sie wirken nicht bei allen Menschen und außerdem bei jedem Menschen anders. In der Regel aber stellen sich folgende positive Wirkungen ein:

Die HIV-Erkrankung schreitet nicht weiter fort

Bei Menschen, die noch keine HIV-bedingten Symptome haben, kann eine Kombitherapie das Fortschreiten der Krankheit verhindern. Sind bereits Symptome aufgetreten, verbessern sie sich unter der Therapie wesentlich oder verschwinden vollständig. Hinzu kommt, dass das Risiko, weitere HIV-bedingte Symptome und Krankheiten (wie opportunistische Infektionen) zu bekommen, drastisch sinkt.

Die Viruslast sinkt

In den ersten 14 Tagen nach Beginn einer Kombinationstherapie fällt die Viruslast sehr stark, und zwar um mehrere zehn- oder hunderttausend Viruskopien/ml. Danach sinkt sie ständig weiter, aber nicht mehr so schnell. Das ist völlig normal und hängt damit zusammen, wie sich HIV im Körper vermehrt bzw. welche Zelltypen von HIV befallen sind. Im Durchschnitt dauert es drei Monate, bei sehr hoher Viruslast vor Therapiebeginn auch mal sechs Monate, bis die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt.

Wichtig ist, dass man die Viruslast regelmäßig kontrollieren lässt, im ersten Vierteljahr nach Therapiebeginn am besten einmal pro Monat. Schlägt die Therapie an, kann der Abstand auf einmal im Vierteljahr verlängert werden.

Die Viruslast steigt mitunter kurzzeitig wieder an. Dies kommt hauptsächlich im ersten Therapiejahr vor; weshalb, ist noch nicht bekannt. Der Grund kann aber auch eine Infektion, z. B. eine Erkältung sein. Wenn die Viruslast während der Therapie steigt, muss man sich also noch keine Sorgen machen. Steigt die Viruslast jedoch stark oder stetig an, obwohl man die Medikamente nach Vorschrift einnimmt, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass HIV resistent wird.

Die Zahl der Helferzellen (CD4-Zellzahl) steigt

In den ersten Monaten nach Beginn einer Kombinationstherapie steigt die absolute Zahl der Helferzellen stark an, danach weitaus langsamer (das gilt auch für die relative Helferzellzahl). Die CD4-Werte bleiben dann auf einem relativ hohen Niveau stabil. Fallen sie während der Therapie jedoch wieder ab, kann das darauf hinweisen, dass die Wirkung der Medikamente nachlässt. Auch hier sollte man bedenken: Infektionen können die CD4-Werte kurzzeitig drastisch verändern. Deshalb besteht kein Grund zur Panik, wenn einmal ein Wert gemessen wird, der niedriger ist als die bisherigen.

Man fühlt sich besser

Die meisten Menschen stellen fest, dass sie einige Wochen nach Beginn einer Kombitherapie viel mehr Energie haben und sich deutlich besser fühlen als vorher. Manche haben auch wieder mehr Spaß am Sex, und einige Männer berichten, dass es ihnen jetzt leichter fällt, eine Erektion zu halten.

Quelle
Auszug aus unserer Broschüre "kombinationstherapie" (4., überarbeitete Auflage, Berlin 2004)



Gruß
Luca:sunny:

Luca Offline




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26.12.2005 21:06
#5 RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids Teil V

Nebenwirkungen

Allgemein gilt in der Medizin: Was wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Und man kann noch anfügen: Je stärker etwas wirkt, desto stärker sind häufig auch die Nebenwirkungen. Das ist bei den antiretroviralen Medikamenten nicht anders.

Ob und wie stark Nebenwirkungen auftreten, hängt auch davon ab, wie man lebt. Wer z.B. regelmäßig viel Alkohol trinkt, schädigt seine Leber, seine Bauchspeicheldrüse und seine Nerven. Muss man wegen einer fortschreitenden HIV-Infektion Medikamente einnehmen, die ebenfalls diese Schäden hervorrufen, tut man gut daran, den Alkoholkonsum zu reduzieren und sich vernünftig zu ernähren. Tut man das nicht, steigt das Risiko, diese Nebenwirkungen zu bekommen. Aber selbst ein völliger Verzicht auf Alkohol ist keine Garantie dafür, dass man diese Nebenwirkungen nicht bekommt - möglicherweise treten sie nur deutlich später auf und weniger stark.

Kurzzeitnebenwirkungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen treten in den ersten Wochen nach Therapiebeginn auf und verschwinden dann langsam wieder. Die häufigsten sind Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen und Hautausschläge. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Medikament. Die allermeisten sind ungefährlich, einige jedoch problematisch (z.B. schwere allergische Reaktionen, akute Leberentzündung, Überempfindlichkeitsreaktionen).

Der Arzt/die Ärztin kann über die Nebenwirkungen aufklären und genaue Anweisungen geben, wie man sich verhalten soll, falls welche auftreten. Leichte Nebenwirkungen werden meist nicht weiter beachtet; man wartet ab, bis sie von alleine wieder verschwinden. Sind sie schwerer, wird versucht, die Symptome zu bekämpfen, z.B. mit Medikamenten, die den Juckreiz nehmen oder den Durchfall stoppen. Man muss in solchen Fällen allerdings nicht immer sofort in die "Chemiekiste" greifen. Viele leichte und mittelschwere Nebenwirkungen lassen sich - mit etwas Geduld - auch recht gut mit bewährten Hausmitteln oder mit alternativer Medizin behandeln (siehe hierzu unsere Broschüre "komplementäre therapien"). Bei schweren Nebenwirkungen, in einigen besonderen Fällen - z.B. bei Bauchspeicheldrüsen-Entzündung, schweren Leberproblemen oder Laktatazidose (= erhöhte Milchsäurewerte im Blut; Symptome: Übelkeit, Bauchschmerzen, stark gesteigerte Atum, gelegentlich plötzliche Blindheit, schließlich Benommenheit bis hin zum Koma - in schweren Fällen und ohne Behandlung führt die Laktatazidose zum Tod) - und bei der Behandlung opportunistischer Infektionen mit Medikamenten, die man nicht gleichzeitig mit einer Kombinationstherapie nehmen darf, müssen die HIV-Medikamente jedoch abgesetzt werden.

In der Regel ist nicht vorhersehbar, ob ein Medikament unerwünschte Wirkungen haben wird und wie sie aussehen werden. Vor Beginn einer Kombinationstherapie ist es auf jeden Fall ratsam, sich auf mögliche Nebenwirkungen einzustellen. Bleiben sie aus, umso besser, treten welche auf, dann wenigstens nicht überraschend.

Langzeitnebenwirkungen

Im HIV-Bereich spricht man im Allgemeinen dann von "Langzeitnebenwirkungen", wenn früh auftretende Nebenwirkungen erst später Folgen haben oder wenn Nebenwirkungen nach einem Jahr immer noch oder erneut oder erstmalig auftreten.

In der Regel handelt es sich dabei um andere Nebenwirkungen oder Symptome als jene, die in den ersten Wochen unmittelbar nach Beginn einer HAART möglich sind. Einige hiervon können sich jedoch unverändert über lange Zeiträume halten, z.B. der Durchfall bei Viracept oder die Schlafstörungen bei Sustiva (in Österreich Stokrin).

Einen Teil der Langzeitnebenwirkungen merkt man erst spät oder überhaupt nicht. Ein gutes Beispiel hierfür sind Leberschäden, denn die Leber selbst tut nicht weh. Ähnliches gilt für die Bauspeicheldrüse. Sie reagiert - wie die Leber - auf viele Medikamente nicht gerade begeistert, verträgt jedoch einiges. Wird ihr aber zu viel zugemutet, entzündet sie sich (Pankreatitis) - eine ausgesprochen schmerzhafte und gefährliche Angelegenheit. An bestimmten Blutwerten kann der Arzt aber schon sehr früh feststellen, ob mit Leber oder Bauchspeicheldrüse etwas nicht stimmt.

Lipodystrophie

Die Lipodystrophie ist eine Fettverteilungsstörung, die sich als Lipoatrophie (Fettverlust), als Lipohypertrophie (Zunahme des Fettgewebes) oder als eine Kombination aus beidem äußern kann. Bei der Lipoatrophie schwindet das Unterhautfettgewebe an Armen, Beinen und Gesäß sowie im Gesicht, und die Venen werden deutlicher sichtbar. Bei der Lipohypertrophie kann im Nacken ein Fettpolster wachsen, der so genannte Büffelhöcker. Ferner lagert sich im Bauch und an den Organen so genanntes viszerales Fett an. Wenn sich viel Fett unter dem Zwerchfell anlagert, kann auch die Atmung beeinträchtigt sein. Gelegentlich kommt es sowohl bei Frauen als auch Männern zu einem (asymmetrischen) Wachsen der Brüste. Der letzte Stand der Forschung legt nahe, dass die NRTI eher zu einem Fettverlust beitragen, die PI hingegen eher zu einer Fettzunahme.

Verbunden mit einer Lipodystrophie ist häufig eine Störung des Zucker- und Fettstoffwechsels, die sich z.B. in Diabetes mellitus, Insulinresistenz oder erhöhten Blutfettwerten äußern kann. So weit man dieses Phänomen bisher versteht, scheinen die NRTI und die PI auf unterschiedlichen Wegen ähnliche oder gleiche Auswirkungen zu haben und sich gegenseitig zu verstärken. Eine abschließende Bewertung ist derzeit aber noch nicht möglich. Zugleich zeichnet sich ab, dass Kombinationen mit einem geboosteten PI den Zucker- und Fettstoffwechsel stärker durcheinander bringen als solche mit einem nicht geboosteten PI. Reyataz scheint laut Studien derzeit der einzige PI zu sein, der sich - selbst geboostet - kaum auf den Fettstoffwechsel auswirkt. Ob das bedeutet, dass unter Reyataz auch die Lipodystrophie seltener auftritt, ist derzeit noch ungeklärt. Weil das Präparat erst seit März 2004 auf dem Markt ist, wird sich diese Frage frühestens in etwa zwei Jahren beantworten lassen.

Auch weiß man noch nicht, ob die Veränderungen des Fettstoffwechsels irgendwann ernste gesundheitliche Folgen haben werden. Greift man auf vergleichbare Erfahrungswerte bei Nicht-HIV-Positiven zurück, ist zu erwarten, dass erhöhte Blutfettwerte - vor allem bei über 45-Jährigen - auf lange Sicht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Dabei spielen aber auch andere Risikofaktoren eine erhebliche Rolle, nämlich unausgewogene Ernährung, Rauchen, Bewegungsmangel und Alkoholkonsum. Man kannt das Risiko verringern, indem man sich ausgewogen ernährt, mit dem Rauchen aufhört oder weniger raucht, weniger Alkohol trinkt und regelmäßig Sport treibt.

Periphere Polyneuropathie

Diese Schädigung der langen Nerven in Armen und Beinen, die vor allem von einigen NRTI verursacht wird, kann mit Schmerzen und Taubheitsgefühl, aber auch Kribbeln, Brennen und anderen Sensibilitätsstörungen einhergehen. Eine Polyneuropathie braucht in der Regel ziemlich lange, bis sie sich so weit entwickelt hat, dass man sie auch spürt. Ein Facharzt für Neurologie kann die Nervenschädigung allerdings viel früher feststellen. Die Symptome können bis zu einem bestimmten Punkt behandelt werden und gehen auch wieder weg, wenn die Medikamente rechtzeitig abgesetzt oder ausgewechselt werden. Manche HIV-Positive haben eine Polyneuropathie, obwohl sie noch nie antiretrovirale Medikamente eingenommen haben. Ein Grund hierfür kann HIV selbst sein, das die Nerven erheblich schädigt.

Osteopenie und Osteoporose

Unter antiretroviralen Medikamenten scheint es zu einer Verringerung der Knochendichte (Osteopenie und Osteoporose) zu kommen, wodurch möglicherweise auch die Anfälligkeit für Knochenbrüche zunimmt. Noch ist unklar, wie stark diese Nebenwirkung gegebenenfalls auftritt, wie sie zustande kommt und welchen Anteil die HIV-Infektion selbst daran hat. Durch Sport und Bewegung kann man die Entwicklung einer Osteoporose verhindern (siehe hierzu die DAH-Broschüre "komplementäre therapien"). Bei schwerer Osteoporose orientiert man sich derzeit an den allgemeinen Leitlinien zur Behandlung dieser Krankheit.

Weitere Langzeitnebenwirkungen

Sustiva (in Österreich Stokrin) ruft Nebenwirkungen im Gehirn bzw. im zentralen Nervensystem (ZNS) hervor wie Schlafstörungen, Erregtheit, Depressionen, Befindlichkeitsstörungen, intensive Träume (sie treten eher kurzzeitig auf, können aber auch zu Langzeitnebenwirkungen werden), leichte Erregbarkeit, Verlust der emotionalen Kontrolle usw. Sustiva kann außerdem die Reaktionsfähigkeit beeinflussen. Wer einen Job hat, bei dem diese Fähigkeit verlangt wird (z.B. LKW-Fahren oder Bedienen gefährlicher Maschinen), sollte seinen Arzt darüber informieren.

Auch Müdigkeit und Energieverlust werden als Langzeitnebenwirkungen beschrieben; hierzu ist aber noch kaum geforscht worden. Andererseits hat man bisher beobachten können, dass etliche HIV-Positive gleich nach ihrem Einstieg in eine Kombinationstherapie sehr schnell einen Energieschub erleben. Nach längerer Einnahme der antiretroviralen Medikamente scheint die Energie allerdings nachzulassen und die Müdigkeit wieder zuzunehmen.

Tipps zum Umgang mit Nebenwirkungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen treten in den ersten zwei Wochen nach Beginn einer Kombinationstherapie auf und halten bis zu zwei Monate an. In dieser Zeit kann es sein, dass die Patienten nicht alle Dinge erledigen können, die zum Alltag gehören. Daher sollten sie sich überlegen, wo und wie sie praktische Hilfe bekommen können, wenn sie sie brauchen. Zum Beispiel: Wer kann für sie einkaufen gehen, wenn der Durchfall so heftig ist, dass sie das Haus lieber nicht verlassen möchten? Bei Berufstätigkeit ist es ratsam, eine Krankschreibung oder einen Urlaub einzuplanen: Die Nebenwirkungen können nämlich sehr stark sein.

Der behandelnde HIV-Spezialist sollte schriftliche Informationen über die möglichen Nebenwirkungen der ausgewählten Medikamente bereithalten. Da die Pharmafirmen gesetzlich verpflichtet sind, alle unerwünschten Wirkungen - also auch die seltensten - anzugeben, ist die Liste meist sehr lang. Das Gleiche gilt für die Packungsbeilagen. Diese Informationen können ziemlich abschrecken. Trotzdem sollte man sie lesen, um zu wissen, was passieren kann. Vor allem sollte man sie sich genau erklären lassen.

Der HIV-Spezialist kann sagen, welche unerwünschte Wirkung als leicht oder schwer einzustufen ist. Man sollte ihn anrufen oder die Praxis aufsuchen, wenn man etwas Besorgnis Erregendes an sich bemerkt. Bei einem Hautausschlag z.B. sollte man den Arzt sofort informieren, wenn er sich ausbreitet oder Pusteln bildet. Auf keinen Fall sollte man die Medikamente ohne Absprache einfach absetzen und sie dann wieder nehmen. Bei Ziagen kann das sogar sehr gefährlich sein!

Der HIV-Spezialist weiß, wie sich die Symptome von Nebenwirkungen verringern lassen. Gegen Übelkeit, Durchfall und Hautausschläge gibt es z.B. ganz einfache, aber wirkungsvolle Mittel.

Manchmal hilft es schon, wenn man die Medikamente anders einnimmt. Zum Beispiel kann Sustivawenn es morgens eingenommen wird, die Konzentrationsfähigkeit stark beeinträchtigen. Das lässt sich vermeiden, wenn die Einnahme zwei Stunden vor dem Schlafengehen erfolgt und man zwei Stunden davor oder danach nur fettarme Speisen (also keine Pizza o.Ä.) isst. Manche Medikamente sind besser verträglich, wenn man sie mit einer vollständigen Mahlzeit einnimmt. Vor jeder Änderung sollte man aber unbedingt den Rat des HIV-Spezialisten einholen.

Dem Arzt sollte man mitteilen, welche Drogen und weiteren Medikamente man einnimmt, denn bei manchen unerwünschten Wirkungen handelt es sich um Wechselwirkungen mit diesen Substanzen.
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Warum kann eine Kombinationstherapie versagen,
und wie kann man dem vorbeugen?


Damit die Medikamente wirken können, müssen sie in einer bestimmten Konzentration (= Wirkstoffspiegel) im Blut sein. Sinkt die Konzentration unter einen bestimmten Wert ab, können die Medikamente die Enzyme von HIV nicht mehr hemmen, und das Virus kann sich trotz Therapie vermehren. Dieser Wert unterscheidet sich je nach Medikament und hängt auch vom Virus selbst ab. Wird HIV gegen die Medikamente resistent, wirken sie nur noch dann, wenn ihre Konzentration deutlich erhöht wird.

Ob der Wirkstoffspiegel der Medikamente "stimmt", hängt auch vom Patienten ab: Er muss die Dosierungsvorschriften (Dosishöhe und Einnahmezeiten) einhalten und die Ernährungsvorschriften befolgen, die für einige Medikamente gelten. Gefragt ist also "Therapietreue", die von Ärzten und Wissenschaftlern "Compliance" oder "Adhärenz" genannt wird. In vielen Studien hat sich gezeigt, dass eine gute und lang anhaltende Wirkung der HAART dann am wahrscheinlichsten ist, wenn man mindestens 95% der Medikamente so nimmt, wie sie verschrieben worden sind. Nimmt man dagegen weniger als 75% nach Vorschrift ein, versagen die Medikamente mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% (oder 1 zu 1).

Die antiretroviralen Medikamente können allerdings auch aus anderen Gründen ihre Wirksamkeit verlieren:

Unterschiede/Schwankungen beim Um- und Abbau von Medikamenten

In der Leber werden sehr viele körpereigene Stoffe und Fremdstoffe - z.B. Vitamine, Nahrungsmittel und eben auch Medikamente - um- und abgebaut, und zwar so, dass sie einerseits dem Körper nicht (mehr) schaden ("Entgiftung") und andererseits über den Stuhlgang oder den Urin wieder ausgeschieden werden können ("Müllentsorgung"). Wie schnell diese Stoffwechselprozesse ablaufen, ist individuell verschieden. Bei manchen Menschen ist der Stoffwechsel überaus aktiv. Ihr Körper scheidet die Medikamente derart schnell wieder aus, dass die nötige Wirkstoffkonzentration im Blut gar nicht oder nur kurzfristig erreicht wird. Aber auch beim einzelnen Menschen sind Enzymproduktion und -menge mal höher und mal niedriger. Darüber hinaus spielen Hormone und damit auch hormonelle Schwankungen (wie etwa beim Menstruationszyklus) bei allen Stoffwechselvorgängen eine Rolle. Es gibt also viele Faktoren, welche die Um- und Abbauprozesse der Medikamente beeinflussen können - und damit deren Konzentration und folglich auch ihre Wirksamkeit.

Wechselwirkungen zwischen Medikamenten

Ebenso wie Unterschiede und Schwankungen bei Stoffwechselprozessen können Wechselwirkungen zum Therapieversagen führen. Inzwischen weiß man eine ganze Menge darüber, wie sich die in der HIV-Therapie eingesetzten Medikamente gegenseitig beeinflussen und wie sie mit anderen gängigen Mitteln wechselwirken. Bisher hat man allerdings nur die Wechselwirkungen zwischen zwei Medikamenten untersucht. Da man aber bei einer HIV-Therapie mehr als nur zwei Medikamente einnimmt, ist nicht auszuschließen, dass neben den heute bekannten Wechselwirkungen auch solche auftreten, die noch gar nicht erforscht sind.

Zelluläre Resistenzen

Aus der Krebsforschung weiß man, dass verschiedene Körperzellen (z.B. die Lymphozyten) in der Lage sind, Medikamente am Eindringen in die Zellen zu hindern und/oder eingedrungene Medikamente sogar wieder herauszupumpen. Diese Mechanismen werden "zelluläre Resistenzen" genannt. Derzeit wird untersucht, ob man diese Mechanismen medikamentös beeinflussen kann - ein wichtiger Aspekt auch für die HIV-Therapie, wo es bisher nur solche Medikamente gibt, die erst in die HIV-infizierten Zellen eindringen müssen, um wirken zu können.

Geschädigte Darmschleimhaut

Ist die Darmschleimhaut geschädigt, z.B. durch Entzündungen oder durch HIV selbst, kann die Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper deutlich verlangsamt oder ganz verhindert werden.

Erbrechen

Werden die Medikamente bis eine Stunde nach der Einnahme wieder erbrochen, hat der Körper nicht genug Zeit, die Substanzen aufzunehmen.

Andere Grunderkrankungen

Liegen andere Grunderkrankungen vor - vor allem jener Organe, die beim Abbau und bei der Ausscheidung von Medikamenten eine wichtige Rolle spielen, wie etwa die Leber oder die Nieren -, können sich die Stoffwechselprozesse verlangsamen oder beschleunigen, was einen Wirkungsverlust der Medikamente nach sich ziehen kann.

Körpergewicht

Die Dosierung der Medikamente ist meist für etwa 70 kg schwere Menschen berechnet. Wiegt jemand aber 45 kg oder 150 kg, kann es passieren, dass er im ersten Fall eine viel zu hohe Dosis bekommt und erheblich unter den Nebenwirkungen leidet oder im zweiten Fall eine viel zu geringe und deshalb nicht wirksame Dosis. Weil es keine entsprechenden gesetzlichen Vorschriften gibt, wird die Dosierung der Medikamente nicht generell für verschiedene Gewichtsbereiche festgelegt. Bei starkem Über- oder Untergewicht sollte der Wirkstoffspiegel im Blut bestimmt und die Dosis entsprechend angepasst werden.

Wie kommt es zu einer Medikamentenresistenz?

In HIV-infizierten Menschen werden täglich ungefähr zehn Milliarden neue Viren produziert. Die Erbsubstanz von HIV ist eine Kette aus ungefähr 90.000 Bausteinen. Sein Vermehrungsmechanismus ist jedoch so fehlerhaft (ein Fehler auf 1.000 Bausteine), dass laufend auch veränderte Viren zusammengebaut werden. Diese "Mutanten" haben manchmal andere Eigenschaften als das Ausgangsvirus, das "Wildtyp" genannt wird. Entstehen zufällig Mutanten, die gegen eines der eingesetzten Medikamente unempfindlich (resistent) sind, haben sie einen Überlebensvorteil gegenüber dem Wildtyp. Die resistenten Viren können sich dann recht schnell durchsetzen, bis ihre Zahl die des Wildtyps weit überwiegt.

Ist HIV gegen ein bestimmtes Medikament unempfindlich, steigt die Viruslast trotz Therapie an. In diesem Fall muss die Behandlung umgestellt werden. Dabei sind auch mögliche "Kreuzresistenzen" zu berücksichtigen: Das Virus ist dann auch gegen andere Medikamente resistent, selbst solche, die man noch gar nicht genommen hat. Zum Nachweis einer Resistenz gibt es verschiedene Testverfahren. Sie werden in vielen Kliniken eingesetzt und können auch von Hausärzten in Auftrag gegeben werden. Die einzelnen Verfahren können allerdings nur von erfahrenen HIV-Spezialisten interpretiert werden.

Resistenzentwicklung bei HIV ist ein natürlicher Vorgang. Er wird unter anderem begünstigt durch
ungenügende Therapie (Viruslast wird nicht genügend gesenkt)
lange Vorbehandlung
Nichteinhalten der Einnahmevorschriften im Hinblick auf die Dosierung der Medikamente, die Zeitabstände, die zwischen der Einnahme bestimmter Medikamente liegen müssen, und die mit den Medikamenten eingenommenen Speisen
genetische Faktoren (schneller Abbau der eingenommenen Medikamente)
Erkrankungen des Verdauungstraktes (erschwerte Aufnahme der Medikamente ins Blut)
Nebenwirkungen von Medikamenten wie Erbrechen oder Durchfall (Ausscheiden der Medikamente, bevor der erforderliche Wirkstoffspiegel erreicht ist).

Wie beugt man Resistenzen vor?

Je schneller die Viruslast nach Therapiebeginn unter die Nachweisgrenze sinkt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die eingesetzte Kombination anhaltend erfolgreich ist. (Eine Kombination, die in den ersten zwei bis vier Wochen die Viruslast nicht um mindestens 90 Prozent zu senken vermag, sollte verändert oder durch eine andere ersetzt werden.) Auch während der Therapie ist es wichtig, auf die Viruslast zu achten: Je höher sie bleibt, desto schneller entwickeln sich Resistenzen.

Die Kombinationstherapie wirkt am besten, wenn jede Substanz im Körper oberhalb einer bestimmten Konzentration gehalten wird. Um dies sicherzustellen, muss man jedes Medikament in der richtigen Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt und unter Beachtung der Ernährungsvorschriften einnehmen. Der Arzt sollte um einen schriftlichen Therapieplan gebeten werden, aus dem hervorgeht, was bei der Medikamenteneinnahme alles zu beachten ist.


Die Medikamente in der richtigen Dosierung einnehmen

Dazu gehört zum einen, die Dosis an das Körpergewicht anzupassen, zum anderen, keine Dosis auszulassen. Geschieht das doch einmal, gelten folgende Regeln:
Hat man ein Medikament, das einmal täglich einzunehmen ist, nicht wie gewohnt - etwa morgens - genommen, kann man die Einnahme nachholen. Der Abstand zur nächsten regulären Dosis sollte aber mindestens acht Stunden betragen, da es sonst bei der darauf folgenden Einnahme verstärkt zu unerwünschten Wirkungen kommen kann.
Stellt man mittags fest, dass man ein Medikament, das zweimal täglich einzunehmen ist, morgens vergessen hat, nimmt man es einfach mittags. Wenn man es erst am späteren Nachmittag merkt (das heißt, der Abstand zur Abenddosis beträgt weniger als acht Stunden), lässt man die Dosis aus und nimms die Abenddosis wie gewohnt oder ein bis zwei Stunden früher ein.
Bei einem dreimal täglich einzunehmenden Medikament, das man einmal vergessen hat, kommt es darauf an, wann man dies feststellt. Bis zu zwei Stunden nach der regulären Einnahme ist es problemlos möglich, die Dosis nachzuholen (Ausnahme: Crixivan; hier sollte man sehr darauf achten, den Achtstundenrhythmus einzuhalten). Sind bereits mehrere Stunden verstrichen, lässt man die Dosis aus und macht mit der nächsten regulären weiter. Eine doppelte Dosis einzunehmen ist nicht ratsam, da sie erhebliche unerwünschte Wirkungen verursachen könnte.

Was ist, wenn man sich nach der Einnahme der Medikamente übergibt?

Wenn dies innerhalb einer Stunde nach der Einnahme passiert, muss man die Medikamente nochmals nehmen, denn der Körper hatte nicht genug Zeit, sie aufzunehmen. Wenn man dich nach Ablauf einer Stunde übergibt, braucht man die Medikamente nicht noch einmal zu schlucken.


Die Medikamente zum empfohlenen Zeitpunkt einnehmen

Manche Medikamente muss man nur einmal täglich, andere zweimal, einige wenige dreimal täglich einnehmen. Um mit den verschiedenen Einnahmerhythmen zurecht zu kommen, helfen vielleicht die folgenden Tipps:

Vor dem Beginn einer Kombinationstherapie kann man einen Probelauf mit verschiedenfarbigen Bonbons machen und dabei genau die Vorschriften beachten, die es zu den einzelnen Medikamenten gibt. So wird ersichtlich, wie die Kombination in den Tagesrhythmus eingreift und wo es Probleme geben wird.
Sinnvoll ist die Anschaffung von Pillenboxen, die Fächer für jede Tagesdosis enthalten. In jedes Fach füllt man die Medikamente ein, die man zum gleichen Zeitpunkt einnehmen muss. Auf diese Weise kann man genau sehen, ob man ein Medikament vergessen hat. Solche Pillenboxen gibt es in der Apotheke oder im Sanitätsfachgeschäft . Sie sind in verschiedenen Größen, Formen und Farben erhältlich. Es gibt z. B. Boxen, in die eine ganze Wochenration eingefüllt werden kann.
Eine Armbanduhr mit Weckfunktion kann sehr hilfreich sein. Billige Produkte haben den Nachteil, dass man immer nur eine Einnahmezeit programmieren kann. Das heißt, dass man nach jedem Piepsen den nächsten Termin neu eingeben muss. Bei teureren Uhren können mehrere Zeiten programmiert werden.
Über die Einnahmen kann man Protokoll führen. So lässt sich recht gut herausfinden, in welchen Situationen es einem besonders schwer fällt, die Tabletten nach Vorschrift einzunehmen. Das macht es viel einfacher, Fehler zu vermeiden.


Die Medikamente unter Beachtung der Ernährungsvorschriften einnehmen
Einige antiretrovirale Medikamente können unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden, also auf nüchternen Magen oder zusammen mit irgendwelchen Speisen. Bei manchen wird empfohlen, etwas dazu zu essen, weil das die Verträglichkeit erhöht bzw. unerwünschte Wirkungen auf den Magen-Darm-Trakt erheblich mindert. Zu bestimmten Medikamenten sollte Fettreiches gegessen werden, weil die Substanz dann besser in den Körper aufgenommen wird. Einige Medikamente sind auf nüchternen Magen einzunehmen (das heißt in der Regel zwei Stunden nach oder eine Stunde vor dem Essen). Auch die Flüssigkeitsaufnahme kann eine Rolle spielen. So kann man z.B. die als Langzeitnebenwirkung bei Crixivan auftretenden Nierensteine verhindern, indem man innerhalb von ein bis anderthalb Stunden nach Einnahme mindestens 600ml Flüssigkeit zusätzlich trinkt. Weil das Mittel dreimal pro Tag genommen werden muss, sind das knapp zwei Liter Flüssigkeit zusätzlich, sodass man insgesamt etwa vier bis fünf Liter täglich trinken muss - das durchzuhalten, kann ganz schön schwer fallen.

Man sollte seinen Arzt fragen, wie die einzelnen Medikamente der ausgewählten Kombination einzunehmen sind. Außerdem sollte man sich einen entsprechenden Essenszeitplan ausarbeiten.

Quelle
Bearbeiteter Auszug aus unserer Broschüre "kombinationstherapie" (4., überarbeitete Auflage, Berlin 2004)


Gruß
Luca:harmonie:

Luca Offline




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26.12.2005 21:12
#6 RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids Teil VI


Therapiebeginn - wann und womit?

Für eine Kombinationstherapie ist es nie zu spät - ein Einstieg ist jederzeit möglich, also in jedem Stadium der HIV-Infektion. Untersuchungen haben aber klar gezeigt: Jespäter mit der Therapie begonnen wird - das heißt, je stärker das Immunsystem bereits geschädigt ist -, desto geringer ist ihr Erfolg:

desto länger braucht das Immunsystem, um wieder auf eine einigermaßen hohe Helferzellzahl zu kommen
desto eher scheint die Wirkung der Medikamente nachzulassen und eine Therapieumstellung notwendig zu werden
desto wahrscheinlicher ist es, dass die HIV-Therapie insgesamt versagt, das Immunsystem sich nicht mehr vollständig erholt und auf einem Auge blind bleibt: Das Immunsystem kann bestimmte Erreger nicht erkennen und folglich auch nicht bekämpfen, andere hingegen sehr wohl. Ein solcher "selektiver Immundefekt" ist umso wahrscheinlicher, je niedriger die CD4-Zellzahl zu Beginn der Therapie war.

Die Antwort auf die Frage, wann man mit einer HAART beginnt, um die Vorteile der Therapie bestmöglich zu nutzen und die möglichen Schäden weitestgehend zu vermeiden, hängt wesentlich vom Verlauf der HIV-Infektion und vom Zustand des Immunsystems ab. Ist dieses noch gut in Schuss und vermehrt sich HIV nicht allzu stark, wird man in der Regel mit dem Beginn einer Therapie warten, weil sonst die von den Medikamenten verursachten Schäden (Langzeitnebenwirkungen) möglicherweise den Nutzen der Therapie überwiegen. Verschlechtert sich aber der Zustand des Immunsystems und/oder vermehrt sich HIV sehr stark, wird man über einen Therapiebeginn nachdenken müssen.

Im Überblick: Anhaltspunkte für einen Therapiebeginn

Mittlerweile sind sich die Expert(inn)en halbwegs darüber einig, wann HIV-Positive mit einer Therapie beginnen sollten:
wenn Symptome einer HIV-Infektion (z. B. lang anhaltendes Fieber unklarer Ursache, Lymphknotenschwellungen, Nachtschweiß) und/oder opportunistische Infektionen auftreten - und zwar unabhängig von Helferzellzahl und Viruslast

Wenn die absolute Helferzellzahl dauerhaft unter 350 bis 250/µl bzw. die relative Helferzellzahl unter 15 % absinkt

In diesem Fall kann die Viruslast ausschlaggebend sein. Bei niedriger Viruslast und 350 Helferzellen wird man mit dem Therapiebeginn eher noch warten, bei sehr hoher Viruslast und 350 Helferzellen dagegen eher nicht.

CD4-Werte unter 200 Zellen/µl zeigen an, dass das Risiko, an einer lebensbedrohlichen opportunistischen Infektion zu erkranken, sehr hoch ist. Ein HIV-Spezialist wird den Beginn einer Kombinationstherapie dringend empfehlen, um die CD4-Werte wieder anzuheben und die Gefahr (weiterer) opportunistischer Infektionen zu verringern. Da es immer besser ist, das Immunsystem erst gar nicht so stark schädigen zu lassen, wird man bereits bei einer Helferzellzahl von über 250/µl zu einer Therapie raten.

Bei CD4-Werten über 350 Zellen/µl wird der HIV-Spezialist überprüfen, ob sie auf dieser Höhe bleiben. Fallen die CD4-Werte langsam und ständig ab, muss davon ausgegangen werden, dass sie dies auch weiterhin tun. Der Zeitpunkt, an dem sie unter 200 sinken, ist absehbar. Um weitere Schädigungen des Immunsystems zu vermeiden, wird man dem Patienten den Beginn einer Kombinationstherapie nahe legen.

wenn die Viruslast über 50.000 Kopien/ml liegt oder stetig angestiegen ist.

Manche HIV-Spezialisten raten zu einem Therapiebeginn bereits bei einer niedrigeren Viruslast (über 25.000 Kopien/ml). Eine höhere Viruslast zeigt in der Regel an, dass die CD4-Zellzahl bald sinken wird.

Liegt die Viruslast unter 10.000 Kopien/ml, werden die meisten HIV-Spezialisten nicht zu einem Behandlungsbeginn raten. Sind die CD4-Werte jedoch niedrig oder fallen rasch ab, oder hat der Patient HIV-bedingte Symptome, wird man den Einstieg in die Behandlung empfehlen - trotz niedriger Viruslast.

Die Entscheidung darüber, wann er mit der Therapie beginnt, muss der Patient - unterstützt durch seine Ärztin oder seinen Arzt - selbst treffen. Neben den medizinischen Überlegungen werden dabei auch deine derzeitigen Lebensumstände eine Rolle spielen. Hier kann das Gespräch mit einem Berater, z.B. von der Aidshilfe, oder anderen HIV-Positiven helfen.

Therapiebeginn - womit?

Bei der ersten Kombination kommt es darauf an, dass sie die Viruslast schnell unter die Nachweisgrenze senkt und sie dort auch hält, damit die eingesetzten Medikamente so lang wie möglich wirken. Bevor man mit der Therapie beginnt, kann es sinnvoll sein, einen Resistenztest zu machen, damit keine Medikamente zum Einsatz kommen, gegen die das Virus bereits unempfindlich ist: Das könnte dann der Fall sein, wenn man sich bei jemandem angesteckt hat, der bereits eine Kombitherapie macht und bei dem die Medikamente nicht mehr ausreichend wirken.

Manche Patienten und auch Ärzte glauben, dass neue Medikamente besser sind als die schon länger auf dem Markt befindlichen, z.B., weil sie weniger Nebenwirkungen haben oder leichter einzunehmen sind. Andere gehen beim Beginn einer HAART lieber auf Nummer sicher und setzen Medikamente ein, deren Vor- und Nachteile man schon wesentlich länger und daher besser kennt. Bei der Auswahl von Medikamenten spielt also auch die Risikobereitschaft oder anders ausgedrückt: der Mut zum Experimentieren eine Rolle - sowohl bei den Ärzten als auch den Patienten.

Therapieversagen einplanen

Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Medikamentenkombination ist die Möglichkeit von Folgetherapien. Eine Folgetherapie wird angesetzt, wenn die vorangegangene Medikamentenkombination nicht mehr wirkt, sprich: versagt, was leider eher die Regel als die Ausnahme ist. Ob und wie lange eine Therapie wirkt, hängt nicht nur von der Beachtung der Einnahmevorschriften ab, sondern von einer ganzen Reihe weiterer Faktoren, die nichts mit deinem Verhalten zu tun haben, die man aber noch nicht alle kennt. Daher muss man heute davon ausgehen, dass es immer irgendwann zu einem Therapieversagen kommt, Folgetherapien also unvermeidbar sind. Der Arzt muss daher die erste Kombination so zusammenstellen, dass noch weitere wirksame Kombinationen möglich sind.

So wäre es beispielsweise verfehlt, eine ausgesprochen gut und lange wirkende sowie nebenwirkungsarme Medikamentenkombination zu wählen, wenn man bei ihrem Versagen nicht zu einer anderen wirksamen Kombination wechseln kann, weil sich Kreuzresistenzen entwickelt haben. Es gilt also, einen Weg zu finden, der leider gelegentlich zu deinen Lasten gehen wird: Du musst vielleicht Medikamente nehmen, die unangenehme Nebenwirkungen haben, musst mehr oder größere Tabletten schlucken oder bestimmte Vorschriften zur Ernährung oder Flüssigkeitszufuhr beachten, weil eine andere, leichter einzunehmende Kombination für eine irgendwann notwendige Folgetherapie sehr ungünstig wäre.


Folgende Gesichtspunkte spielen bei der Zusammenstellung einer Folgetherapie für den Arzt eine wichtige Rolle:

Höhe der Viruslast vor Beginn der ersten antiretroviralen Therapie
absolute und relative Helferzellzahl vor Beginn der ersten antiretroviralen Therapie
Anzahl der noch verfügbaren wirksamen Medikamente, die anhand einer Resistenzbestimmung ermittelt wurden
Konzentration der verwendeten Medikamente im Blutplasma (Wirkstoffspiegel)
Unverträglichkeit gegenüber den Medikamenten der vorangegangenen Kombination andere Ursachen für das Versagen der vorherigen Therapie.

Bei manchen Patienten sinkt unter der Therapie die Viruslast zwar unter die Nachweisgrenze, die Helferzellzahl steigt jedoch nicht oder nur unwesentlich an oder sinkt gar weiter ab. Bei anderen wiederum bleibt die Helferzellzahl stabil oder nimmt sogar zu, obwohl die Viruslast steigt. Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass dieses "diskordante Ansprechen" umso häufiger auftaucht, je niedriger die Helferzellzahl vor Therapiebeginn war. Bei manchen Menschen - vor allem jenen, die bei Therapiebeginn sehr wenige Helferzellen hatten - dauert es mitunter ein halbes Jahr, ehe die Helferzellzahl wieder langsam zu steigen beginnt. In solch einem Fall kann es sinnvoll sein, eine Kombination mit einem (oder mit zwei oder drei) PI einzusetzen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die PI aus bislang nicht eindeutig geklärten Gründen eine bessere Wirkung auf das Immunsystem haben als die NRTI und NNRTI.

Die Kombination wechseln

In der Regel wird die Medikamentenkombination geändert,

wenn unerwünschte Wirkungen auftreten, mit denen du der Patient nicht umgehen kannt oder die riskant sind

Man sollte seinem Arzt die Nebenwirkungen genau beschreiben, damit das verursachende Medikament herausgefunden und durch ein anderes, das weniger Nebenwirkungen hat, ersetzt werden kann.

wenn es schwer fällt, die Medikamente nach Vorschrift einzunehmen

Hier sollte man dem Arzt sagen, was Schwierigkeiten macht, z. B. die Menge der Tabletten/Kapseln, die Einnahmezeiten, die Ernährungsvorschriften. Dann ist es leichter, Alternativen zu finden.

wenn es Anzeichen dafür gibt, dass die Medikamente nicht (mehr) wirken

In diesem Fall werden meist alle Medikamente ausgetauscht. Das mindert die Gefahr, dass sich resistente HIV-Stämme bilden. Lediglich in Einzelfällen werden nur ein oder zwei Medikamente ausgetauscht. Eine Kombinationstherapie kann aus vielen Gründen versagen. Um zu verhindern, dass das auch bei Folgetherapien passiert, wird sich der Arzt auf die Suche nach den Ursachen machen. Zwei verschiedene Blutuntersuchungen sind dabei hilfreich: Die erste misst die Konzentration der Medikamente im Blut, die zweite testet, ob HIV gegen Medikamente unempfindlich geworden ist (Resistenztest).
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Wechselwirkungen

Wechselwirkungen können entstehen, wenn man zwei oder mehrere Substanzen zusammen einnimmt - egal, ob sie verschreibungspflichtig oder rezeptfrei sind, legal oder illegal, pflanzlich oder nicht pflanzlich. "Zusammen" bedeutet nicht unbedingt "zum selben Zeitpunkt", sondern kann auch "zu verschiedenen Zeiten" heißen, also z.B. im Abstand von sechs oder acht Stunden. Bei manchen Substanzen können Wechselwirkungen sogar lebensgefährlich sein.

In der HIV-Therapie erfahrene Ärztinnen und Ärzte achten darauf, welche Medikamente sie zusammen verschreiben dürfen und welche nicht. Wenn man aber irgendwelche Mittel nimmt, die sich mit seinen HIV-Medikamenten nicht vertragen, kann die HAART entweder überdosiert sein, wobei heftige Nebenwirkungen möglich sind, oder sie ist unterdosiert und deshalb weitaus weniger wirksam, als sie sein sollte. Deshalb ist es wichtig, den Arzt genau darüber zu informieren, was man sonst noch alles einnimmst. Dazu gehören Alkohol und Drogen wie Ecstasy, Speed, Poppers, Heroin und Kokain, Substitutionspräparate wie Methadon und Buprenorphin, andere Medikamente (auch rezeptfreie!), orale Verhütungsmittel ("Pille"), Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminpräparate und naturheilkundliche Mittel.

Hier einige Beispiele für Wechselwirkungen:

Einige HIV-Medikamente - besonders Sustiva, Viramune, Norvir, Viracept und Kaletra - senken den Wirkstoffspiegel von Substitutionsmitteln (z.B. Methadon, Polamidon) im Blut, was zu Entzugserscheinungen führen kann. Unter einer HAART muss daher gegebenenfalls das Substitutionsmittel höher dosiert werden. Methadon wiederum erhöht den Wirkstoffspiegel von Retrovir und Videx - mögliche Folge sind verstärkte Nebenwirkungen dieser Medikamente. Um dies zu vermeiden, müssen sie bei Bedarf niedriger dosiert werden, z. B. nach Bestimmung der Wirkstoffspiegel im Blut.
Manche HIV-Medikamente, vor allem Norvir, verzögern den Abbau von Drogen wie z.B. Ecstasy, Special K (Ketamin) oder LSD, wodurch sie stärker und länger wirken. Die gleichzeitige Einnahme von Norvir und Ecstasy oder Samsonit ("Liquid Ecstasy") hat bereits zu Todesfällen geführt!
Protease-Inhibitoren erhöhen die Konzentration von zusätzlich eingenommenen Potenzmitteln wie Viagra deutlich. Das ist zwar nicht tödlich (Achtung aber: In Verbindung mit Poppers kann Viagra sehr wohl zum Tod führen), kann aber erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Deshalb sollte die Dosis von Potenzmitteln gegebenenfalls reduziert werden - darüber sollte man mit dem Arzt sprechen.
Die häufig eingesetzte pflanzliche Substanz Johanniskraut (Hypericin) bewirkt, dass die Konzentration von Protease-Inhibitoren im Blut zu schnell sinkt, um richtig wirken zu können. Mögliche Folge sind Resistenzen.
Knochlauchpräparate senken die Konzentration des Protease-Inhibitors Invirase/Fortovase; ob das auch für andere Protease-Inhibitoren gilt, hat man noch nicht erforscht. Knoblauch in normaler Konzentration, wie etwa auf der Pizza, richtet wahrscheinlich keinen Schaden an. Norvir allerdings kann dazu führen, dass man Knoblauch - selbst in niedriger Dosierung - nicht verträgt.
Grapefruitsaft kann den Wirkstoffspiegel von HIV-Medikamenten sowohl erhöhen als auch senken.

Wie sich Wechselwirkungen auf die Wirkstoffspiegel der HIV-Medikamente im Blut auswirken, kann man messen. So etwas kann sinnvoll sein, wenn sich die erwünschte Wirkung trotz vorschriftsmäßiger Einnahme der Medikamente nicht einstellt (z.B. die Viruslast nicht stark genug sinkt) oder erhebliche Nebenwirkungen auftreten. Gegebenenfalls muss dann die Dosis angepasst oder die Medikamentenkombination verändert werden.

HIV-Medikamente und Drogen - eine gefährliche Mischung

Der behandelnde Arzt muss wissen, ob der Patient Drogen nimmt und wenn ja, welche. Wem es schwer fällt, mit ihm darüber zu reden - weil er befürchtet, dass der Arzt den Drogengebrauch grundsätzlich ablehnt oder weil das spüren lässt -, sucht sich am besten einen anderen Arzt. Man braucht auch keine Angst zu haben, dass Auskünfte oder Daten an Dritte weitergegeben werden. Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, alle Informationen, die mit der Gesundheit ihrer Patienten zu tun haben, vertraulich zu behandeln. Ohne ausdrückliches Einverständnis oder ohne richterliche Verfügung dürfen sie niemanden über den Gesundheitszustand ihrer Patienten und die von ihnen eingenommenen Medikamente und Drogen informieren - weder die Polizei noch andere Ärzte, weder Lebenspartner/innen noch Eltern und Verwandte.

Bisher gibt es nur sehr wenige Informationen darüber, wie die bei der HIV-Therapie eingesetzten Medikamente mit (illegalen) Drogen "wechselwirken". Die meisten Informationen stammen aus Fallstudien, Einzelfallberichten, theoretischen Modellen und sehr wenigen klinischen Studien.

Welche Wechselwirkungen sich einstellen, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

Wirkstoffspiegel der HIV-Medikamente im Blut

Wie hoch dieser jeweils ist, hängt unter anderem vom Zeitpunkt der letzten Einnahme, der Kombination der HIV-Medikamente und weiteren eingenommenen Substanzen ab.

Fähigkeit der Leber, bestimmte Substanzen zu verarbeiten und auszuscheiden

Allerdings gibt es keine Testverfahren, um das herauszufinden. Bei manchen Drogen sind sich die Wissenschaftler/innen außerdem nicht sicher, wie sie im Körper verarbeitet werden.

Wirkstoffstärke, Reinheit und Menge der eingenommenen Droge/n

Wenn überhaupt Informationen verfügbar sind, dann meist zur Reinsubstanz einer Droge - wie z. B. der Chemikalie MDMA in Ecstasy . Ecstasy-Pillen sind allerdings alles andere als "rein"; sie können genauso gut MDE oder MDA enthalten. Außerdem ist die Wirkstoffdosis in Ecstasy-Pillen nicht kontrolliert. Wird der Wirkstoffspiegel von MDMA durch eine Wechselwirkung z. B. um das Dreifache erhöht, wird man das bei einer Pille mit niedrigem MDMA-Gehalt wohl eher nicht bemerken. Enthält sie aber reines MDMA, kann diese Wechselwirkung unter Umständen tödlich sein. Auch bei allen anderen Drogen können Wirkstoffstärke und Reinheit erheblich schwanken.

Verringerung von Risiken

Mit den folgenden Vorsichtsmaßnahmen kann man das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Drogen und HIV-Medikamenten (möglicherweise) mindern - keine dieser Maßnahmen ist bisher untersucht worden.

Reduzierung aller illegalen Drogen, die man nimmt, auf ein Drittel oder Viertel der bisher konsumierten Menge

Verzicht auf die Kombination psychoaktiver Substanzen

Da Sustiva (in Österreich Stokrin) auch psychoaktiv wirkt - besonders in den ersten Einnahmewochen -, sollte man in dieser Zeit keine Drogen einnehmen: Sustiva und Drogen können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken und psychische Krisen (bis hin zu Psychosen und Suizid) verursachen.

Keine zeitgleiche Einnahme von Drogen und HIV-Medikamenten

Das kann die Wirkstoffspiegel im Blut verändern. Viele Medikamente - z. B. Viramune und Norvir - bleiben sehr lange im Blut und beeinflussen die Arbeit der Leber auch noch nach vielen Stunden. Durch eine zeitlich versetzte Einnahme kann man Wechselwirkungen wenigstens mindern, aber nicht verhindern.


Vorsicht mit Alkohol

Er verstärkt die Nebenwirkungen aller Substanzen, macht Wechselwirkungen noch unkalkulierbarer, schädigt die Leber und kann zusammen mit bestimmten Drogen sogar tödlich sein.

Wenn man sich nach Drogenkonsum merkwürdig fühlt oder bei Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Benommenheit sollte man sich nicht scheuen, den Notarzt zu rufen oder so schnell wie möglich die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses aufzusuchen.

Quelle
Bearbeiteter Auszug aus unserer Broschüre "kombinationstherapie" (4., überarbeitete Auflage, Berlin 2004)


Gruß
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Luca Offline




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26.12.2005 21:18
#7 RE: Aids antworten

Aufklärung über Aids Teil VII

Spezielle Fragen

Kombinationstherapie und Sex

Weil HIV den gesamten Hormonstoffwechsel im Körper stark beeinflusst, klagen viele unbehandelte HIV-positive Männer über Erektionsstörungen und sowohl Frauen als auch Männer über nachlassende sexuelle Lust (Libidoverlust) - dies selbst dann, wenn sie keine weiteren HIV-bedingten Symptome haben und auch sonst gesund sind. Bei einer Kombinationstherapie kann sich das wieder normalisieren. Bei einigen kommt es allerdings auch unter der Therapie zu sexuellen Problemen, so etwa dann, wenn sie sehr stark unter den Nebenwirkungen leiden.

Was Sex auch immer für den einzelnen Patienten bedeutet: Er muss sich darüber im Klaren sein, dass eine Kombitherapie ihn nicht HIV-negativ machen kann. Sie bewirkt nur, dass die Zahl der Viren in seinem Körper stark sinkt - im besten Fall unter die Nachweisgrenze. Als Regel gilt: Ist die Viruslast im Blut länger als etwa 12 Monate nicht mehr nachweisbar, lässt sie sich auch im Sperma oder im Vaginalsekret nicht mehr nachweisen. In diesem Fall ist das Ansteckungsrisiko für die Sexpartnerin oder den Sexpartner gering, d.h., er ist für andere nur wenig infektiös. Allerdings kann je nach Medikamentenkombination und je nach genetischer Ausstattung eines Menschen die Viruslast im Sperma oder in der Vaginalflüssigkeit auch höher sein als im Blut, und bei Infektionen - auch solchen, die man gar nicht bemerkt - kann die Viruslast generell erhöht sein. So etwa dann, wenn man sich eine sexuell übertragbare Krankheit (z. B. Herpes, Tripper, Hepatitis) oder eine andere Infektion (z. B. Grippe) geholt hat. Und durch die Viruslast-Messung kann man nur feststellen, wie viel "freie" Viren im Blut sind. HIV befindet sich aber auch in infizierten Zellen, die ebenfalls übertragen werden können. Dieses Risiko bleibt auch dann bestehen, wenn die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt.

Eine Kombinationstherapie kann die Infektiosität deutlich verringern, aber nicht beseitigen. Um HIV nicht an andere Menschen weiterzugeben, sollte man daher weiterhin beim Sex Kondome verwenden und beim Drogengebrauch Spritzbesteck und Zubehör mit niemandem teilen. Das verringert außerdem das Risiko einer Ansteckung mit anderen Krankheiten wie z. B. Hepatitis, Syphilis oder Tripper. Sexuell übertragbare Krankheiten belasten nicht nur das Immunsystem zusätzlich, sondern erhöhen auch die Gefahr, dass man andere beim Sex mit HIV ansteckt.



Ansteckung mit weiteren Virusstämmen (Mehrfachinfektion)

Inzwischen weiß man, dass sich Menschen mehrmals mit HIV infizieren können, d.h. unter Umständen auch mit Virusstämmen, die bereits gegen antiretrovirale Medikamente resistent sind - was fatale Folgen für die Wirksamkeit der Kombinationstherapien haben kann. Auch aus diesem Grund wird immer wieder diskutiert, ob sich HIV-Positive beim Sex mit anderen HIV-Positiven schützen sollten.

Mehrfachinfektionen haben sich bisher nur bei Personen feststellen lassen, bei denen die HIV-Infektion sehr früh diagnostiziert wurde, die innerhalb der ersten 90 Tage nach der Ansteckung in eine durch mehrere Therapiepausen unterbrochene HAART eingestiegen sind und sich (durch ungeschützten Sex oder gemeinsam benutztes Spritzbesteck beim Drogengebrauch) in den Therapiepausen mit weiteren HIV-Stämmen angesteckt haben - in einer Zeit also, in der sie keine Medikamente eingenommen haben. Bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass dies auch unter erfolgreicher Therapie möglich ist. Ob Mehrfachinfektionen auch bei schon länger (= chronisch) Infizierten vorkommen, wird derzeit ebenso erforscht wie die Frage, wie häufig es überhaupt zu diesem Phänomen kommt.

Anzunehmen ist, dass bei zwei erfolgreich mit HIV-Medikamenten behandelten HIV-Positiven (Viruslast seit 12 Monaten unter der Nachweisgrenze), die ungeschützten Sex miteinander haben, das Risiko einer Mehrfachinfektion vernachlässigenswert gering ist. In allen anderen Fällen kann die Möglichkeit einer Mehrfachinfektion derzeit nicht ausgeschlossen werden. Mit Safer Sex und Safer Use lässt sich dieses Risiko vermeiden.

Kombinationstherapie und Schwangerschaft

Wenn eine Frau eine Kombitherapie macht und schwanger wird, sollte ihr HIV-Spezialist so bald wie möglich ihre Blutwerte überprüfen. Falls ihr Gesundheitszustand und ihr Immunstatus es erlauben, wird er ihr empfehlen, eine 14-wöchige Therapiepause einzulegen: Durch Medikamente (und Drogen aller Art) kann es in den ersten Schwangerschaftswochen zu Fehlbildungen beim Fötus kommen, weil sich in dieser Zeit alle Organe des Kindes entwickeln. Ist eine Therapiepause nicht möglich, muss unter Umständen die Medikamentenkombination gewechselt werden: Sustiva (in Österreich Stokrin) sollte man in der Schwangerschaft nicht einnehmen, da dieses Medikament in Tierversuchen Fehlbildungen verursacht hat. Die Kombination Zerit plus Videx kann bei Schwangeren und auch bei Neugeborenen zu einer Laktatazidose führen und sollte daher möglichst vermieden werden. In der Schwangerschaft kommt es manchmal zu einer Erhöhung des Blutzuckers (Gestationsdiabetes) und zur Bildung von Nierensteinen, was durch Protease-Inhibitoren noch begünstigt werden kann - dies sollte man beim Einsatz dieser Medikamente berücksichtigen.

Bei der Frage, ob die Therapie unterbrochen bzw. umgestellt werden sollte, gilt es, den Nutzen der Behandlung für die Mutter gegen die Risiken für das Kind abzuwägen - was nicht einfach ist. Mitunter ist der Austausch mit anderen betroffenen Frauen hilfreich.

Inzwischen gibt es weltweit tausende von Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft HIV-Medikamente genommen haben. In den meisten Fällen hatte die Behandlung für Mutter und Kind keine gesundheitlichen Folgen; die wenigen tödlichen Verläufe hätten sich durch eine Umstellung der Medikamente wahrscheinlich vermeiden lassen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft HIV-Medikamente eingenommen haben, auch die Fehlbildungsrate nicht erhöht. Man weiß allerdings noch nicht, ob bei den Kindern später einmal Langzeitfolgen auftreten: Die ältesten dieser Kinder sind heute erst etwa zehn Jahre alt.

Wie kann das Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung verringert werden?

Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten HIV-Übertragungen auf das Kind um den Geburtszeitpunkt erfolgen. Daher werden am Ende der Schwangerschaft unter anderem folgende Maßnahmen zur Verringerung des Übertragungsrisikos angeboten:

Vorbeugende Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten ab der 32. Schwangerschaftswoche

Bisher kam meist Retrovir als Monotherapie zum Einsatz. Für die werdende Mutter ist eine Monotherapie allerdings ungünstiger, da sich hier sehr leicht resistente Viren entwickeln können. Daher verordnet man heute eher eine Zweifachkombination, z. B. Combivir (= Retrovir plus Epivir). Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass Combivir bei Schwangeren schneller zu einer Medikamentenresistenz (gegen Epivir) führt als eine Retrovir-Monotherapie, weshalb diskutiert wird, ob man nicht doch besser nur Retrovir oder eine Dreifachkombination einsetzen sollte. Eine Dreifachkombination bedeutet allerdings für das Ungeborene eine größere Belastung.

Geplante Kaiserschnittentbindung in der 37. Schwangerschaftswoche

Mit dieser Maßnahme kann verhindert werden, dass es bei der Geburt zu Komplikationen kommt und sich das Kind im Geburtskanal infiziert. Inzwischen wird zwar diskutiert, ob bei niedriger Viruslast nicht doch eine natürliche Geburt möglich ist. Für einen geplanten Kaiserschnitt spricht jedoch, dass man zu einem festen Termin (vor Eintritt der Wehen) ins Krankenhaus einbestellt wird, wo auch das HIV-Ärzteteam (Gynäkologe, Kinderarzt, Internist) bereit steht. Bei einer natürlichen Geburt, bei der man ja nicht weiß, wann genau die Wehen einsetzen und ob es zu Komplikationen kommt, kann es dagegen passieren, dass nur solche Ärzte zur Stelle sind, die sich mit der HIV-Infektion nicht auskennen.

Vorbeugende Behandlung des Neugeborenen in den ersten vier bis sechs Lebenswochen mit Retrovir

Das Medikament wird von den Säuglingen meist gut angenommen und kann auch zu Hause verabreicht werden.

Verzicht aufs Stillen

Da auch die Muttermilch HIV enthält, sollte man dem Kind nicht die Brust geben.

Bei optimaler Betreuung gelingt es mit diesen Maßnahmen, die Rate der HIV-Infektionen bei Neugeborenen deutlich - von mehr als 25 % auf weniger als 2 % - zu senken.

Kombinationstherapie bei Hepatitis-Koinfektion

Koinfektion bedeutet, dass man mit zwei (oder mehreren) verschiedenen Krankheitserregern infiziert ist, in diesem Fall mit HIV und Hepatitis-B- und/oder C-Virus. Hier die wichtigsten Informationen zur Behandlung:

Koinfektion mit Hepatitis-B-Virus (HBV)

Bei HIV-Positiven mit chronischer Hepatitis B sind die Erfolgsaussichten einer HBV-Therapie mit Interferon weniger günstig als bei HIV-Negativen. Medikamente aus der Substanzgruppe der Nukleosidanaloga sind daher wichtiger als Interferon: Das gegen Hepatitis B eingesetzte Zeffix enthält - wie das HIV-Medikament Epivir - die Wirksubstanz Lamivudin, allerdings in niedrigerer Dosierung. Hepsera (Adefovir) ist ein seit 2003 verfügbares Hepatitispräparat. Gegen Hepatitis B wirken außerdem die HIV-Medikamente Viread und Emtriva, die allerdings nicht für die Hepatitis-B-Behandlung zugelassen sind.

Die Auswahl des Medikaments, das gegen Hepatitis B eingesetzt wird, hängt davon ab, ob man eine Kombitherapie gegen HIV einnimmt:

Bei HBV-koinfizierten HIV-Positiven mit nur gering ausgeprägter Immunschwäche (d.h. eine antiretrovirale Therapie ist noch nicht erforderlich) ist eine Therapie gegen Hepatitis B mit Zeffix (Lamivudin) problematisch: Sie wäre zugleich eine Monotherapie gegen HIV und würde dazu führen, dass HIV schnell gegen die Wirksubstanz resistent wird: Epivir (Lamivudin) kann dann später nicht mehr in der HIV-Therapie verwendet werden. Aber auch das Hepatitis-B-Virus bildet Resistenzen gegen Lamivudin aus; nach vier Jahren Therapie ist das bei ca. 90 % der Menschen mit HIV der Fall. Besteht eine Resistenz, kann man die Hepatitis B dann mit Hepsera (Adefovir) behandeln. Hepsera ähnelt zwar dem HIV-Medikament Viread, es gibt jedoch noch keine Hinweise darauf, dass der Einsatz von Hepsera (gegen Hepatitis B) dazu führt, dass HIV gegen Viread resistent wird.

Bei HBV/HIV-Koinfizierten, die eine HIV-Therapie machen, wird HBV automatisch mitbehandelt, wenn die Kombitherapie Epivir oder ein anderes gegen HBV wirksames Medikament enthält. Wenn HBV oder HIV gegen Epivir resistent wird, sollte die Therapie durch die Gabe von Viread, Emtriva oder Hepsera ergänzt werden. Wird bei einer Umstellung der HIV-Kombitherapie vergessen, dass auch eine behandlungsbedürftige Hepatitis B vorliegt, kann es passieren, dass die neue Medikamentenkombination keine gegen Hepatitis B wirksame Substanz enthält. In solch einem Fall kann es zum Wiederaufflammen der chronischen Hepatitis B mit einer akuten Entzündungsreaktion kommen.

Koinfektion mit Hepatitis-C-Virus (HCV)

Bei HCV-koinfizierten HIV-Positiven wird zur Hepatitistherapie pegyliertes Interferon in Kombination mit Rebetol (Ribavirin) eingesetzt. Die Therapie ist nebenwirkungsreich (grippeähnliche Symptome, Depressionen) und dauert je nach Genotyp des Virus 6 Monate bis 1 Jahr. Wenn eine Hepatitis-C-Therapie angezeigt ist, sollte sie vor Beginn einer HIV-Therapie (also bei hoher Helferzellzahl) durchgeführt werden: Dann sind nicht nur die Erfolgsaussichten größer, sondern man vermeidet auch, sich gleichzeitig zwei antiviralen Behandlungen mit möglicherweise schweren Neben- und Wechselwirkungen zu unterziehen.

Mit welcher Therapie zuerst begonnen werden soll, ist aber letztlich davon abhängig zu machen, welche der beiden Infektionen dringender behandelt werden muss, und das kann - je nach Gesundheitszustand - auch die HIV-Infektion sein. Wichtig ist in jedem Fall, dass bei einer Koinfektion beide Therapien gut geplant und sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Die Kombinationstherapie unterbrechen

Derzeit wird in Studien untersucht, ob es Vorteile hat, wenn die hoch aktive antiretrovirale Therapie (HAART) für bestimmte Zeit unterbrochen wird. In der Wissenschaft wird hierfür oft das Kürzel "STI" verwendet, das für "structured treatment interruption", also "strukturierte Therapieunterbrechung" steht. Manche Fachleute sprechen auch von "strategischer" oder "supervidierter" (= überwachter oder beaufsichtigter) Therapiepause. Die bisher durchgeführten Studien lassen sich aber nur schwer vergleichen: Die untersuchten Patientengruppen unterscheiden sich zum Teil erheblich, an den meisten Studien nahmen nur sehr wenige Menschen teil, und fast jede Forschergruppe wandte eine andere Strategie an, z. B. unterschiedlich lange STI, ein- oder mehrmalige, regelmäßige ("intermittierende") oder unregelmäßige STI. Hinzu kommt, dass viele Studien nicht den üblichen wissenschaftlichen Standards entsprechen. Aus den bisherigen Ergebnissen können daher keine vernünftigen Schlussfolgerungen für den Behandlungsalltag gezogen werden; die Therapiepause ist noch ein sehr strittiges Thema.

Die Gründe für eine STI und die mit ihr verbundenen Ziele können je nach Situation des/der HIV-Positiven anders sein; entsprechend unterschiedlich sind auch die Therapiepausen selbst:

Therapieunterbrechung bei seit kurzem bestehender HIV-Infektion

Bei Menschen, die "frisch", das heißt weniger als 60 Tage mit HIV infiziert sind (= akute HIV-Infektion), beginnt man sofort mit einer ein- oder eineinhalbjährigen Therapie und setzt danach die Medikamente ab. Wenn erforderlich, nimmt man die Behandlung wieder auf, um sie gegebenenfalls erneut (ein- oder mehrmalig) zu unterbrechen. Das Ziel ist, die HIV-spezifische Immunantwort so weit zu erhalten, dass der Körper auch ohne antiretrovirale Medikamente in der Lage ist, die HIV-Vermehrung langfristig zu unterdrücken und so das Fortschreiten der Krankheit zu unterbinden. Entsprechende Studien haben jedoch gezeigt, dass nur bei weniger als einem Fünftel der HIV-Positiven die Unterdrückung der HIV-Vermehrung gelingt, und dies auch nur für kurze Zeit. Aus diesen Gründen wird heute von dieser Form der Frühtherapie wieder Abstand genommen. Erforscht wird derzeit, ob eine Frühtherapie ohne Pausen langfristig einen größeren Nutzen bringt, als mit dem Therapiebeginn abzuwarten.

Therapieunterbrechung bei länger bestehender HIV-Infektion

Bei Menschen, die bereits seit einigen Jahren HIV-infiziert sind und schon längere Zeit antiretrovirale Medikamente nehmen (= chronische HIV-Infektion), wird zurzeit untersucht, ob sich Langzeitnebenwirkungen wie z. B. Lipodystrophie durch Therapieunterbrechungen verhindern oder hinauszögern lassen bzw. ob sie sich sogar wieder zurückbilden. (Nebeneffekt dabei wäre, dass die Therapie kostengünstiger würde.) Allerdings zeigt sich immer häufiger, dass es zu Beginn der Therapiepausen und beim erneuten Ansetzen der Medikamente zu Resistenzen kommt - dies umso eher, je mehr Therapiepausen eingelegt werden und wenn bereits Resistenzen vorliegen. In verschiedenen Studien hat man bzw. werden folgende Strategien erprobt:

"Gepulste" oder "zyklische" Therapie

Von dieser Strategie gibt es zwei Varianten: a) zwei Monate Therapie, zwei Monate Therapiepause, wieder zwei Monate Therapie usw., b) eine Woche Therapie, eine Woche Therapiepause, wieder eine Woche Therapie usw. Beide Varianten haben sich nicht bewährt und sind wegen Resistenzbildung sogar gefährlich.

Von der Helferzellzahl abhängige Therapiepausen

Man beginnt mit der HAART bei etwa 300 Helferzellen/µl, führt sie so lange fort, bis die Viruslast mehr als sechs Monate nicht mehr nachweisbar ist und die Helferzellzahl stabil über einem bestimmten Wert liegt (z. B. über 600 Helferzellen), setzt sie dann ab und nimmt sie erst wieder auf, wenn die Helferzellzahl wieder bei 300/µl liegt usw. Dieser Ansatz wurde bisher aber nur bei Menschen erprobt, die vor Jahren mit 500 oder mehr Helferzellen/µl eine Therapie begonnen haben - aus heutiger Sicht also sehr früh, wenn nicht gar zu früh. Zu nicht vortherapierten Patienten liegen noch keine Erkenntnisse vor, die Strategie ist also noch experimentell.

Therapiepause vor einer "Salvage-Therapie"

Auf diese Variante der Therapieunterbrechung ist man per Zufall gekommen: Bei intensiv vorbehandelten Patient(inn)en, bei denen wegen Resistenzen (fast) keines der verfügbaren Medikamente mehr eingesetzt werden konnte, wurde vor Beginn einer "Salvage-Therapie" (salvage [engl.] = Rettung; bei einer solchen Therapie werden häufig Kombinationen aus mehr als sechs Medikamenten eingesetzt) eine medikamentenfreie Phase eingeschoben, damit sie sich etwas erholen können. Dabei hat man beobachtet, dass bei manchen Patient(inn)en nach ein paar Wochen die resistenten Viren plötzlich nicht mehr nachweisbar waren. Heute weiß man, dass sie im Körper doch noch vorhanden sind, die "Salvage-Therapie" aber manchmal trotzdem besser wirkt, wenn vorher eine Medikamentenpause eingeschoben wird. Dies kann aber recht gefährlich sein, da diese Patient(inn)en häufig sehr krank sind und nur noch wenig Helferzellen haben. In der Therapiepause sinken die Helferzellzahlen noch weiter ab, und in den Studien ist es zu opportunistischen Infektionen und zu Todesfällen gekommen. Man weiß außerdem noch nicht, weshalb nur manche Menschen von einer solchen Therapiepause profitieren, andere hingegen nicht, und wie lange die Pause dauern muss. All das macht es unmöglich, im Vorhinein die Risiken gegen den Nutzen abzuwägen. Auch hier lässt sich daher nur feststellen: in hohem Maße experimentell.

Was muss man bei Therapiepausen unbedingt beachten?

Weil das Nutzen-Schaden-Verhältnis von Therapiepausen sehr schwer einschätzbar ist, sind sie derzeit eigentlich nur in kontrollierten Studien oder bei sehr engmaschiger ärztlicher Betreuung vertretbar: So lassen sich die mit ihnen verbundenen Risiken zumindest überwachen. HIV-Positive indes kümmern sich nur begrenzt um den Stand der wissenschaftlichen Debatte zu Therapiepausen: Sie machen sie einfach. Viele sind es nach einiger Zeit leid, regelmäßig eine große Zahl von Medikamenten zu schlucken oder die Nebenwirkungen zu ertragen, oder sie haben Angst, dass irgendwann Nebenwirkungen - insbesondere die Lipodystrophie oder Leberschäden - auftreten. Fragt man z. B. auf Positiventreffen oder in Selbsthilfegruppen nach, gibt etwa die Hälfte der HIV-Positiven an, schon einmal pausiert zu haben oder dies gerade zu tun. Von diesen wiederum berichten nur etwa 60 Prozent, dass sie die Therapiepause vorher mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprochen haben.

Therapiepausen ohne Absprache mit dem Arzt sind allerdings riskant: Bei schlechtem Immunstatus läuft man Gefahr, lebensbedrohliche Infektionen zu bekommen; je nach eingenommenen Medikamenten und je nach Therapiepause (besonders gefährlich sind die weit verbreiteten spontanen und unkontrollierten Wochenendpausen!) fördert man möglicherweise die Resistenzentwicklung - was eine Folgetherapie erschwert oder gar unmöglich macht. Außerdem könnte der Arzt, wenn er über eine Therapiepause nicht informiert wird, bei gestiegener Viruslast und gesunkener Helferzellzahl auf den Gedanken kommen, dass sich Resistenzen gegen die bisherigen Medikamente gebildet haben, und auf andere Mittel umstellen, deren Nebenwirkungen (wenn man dann irgendwann doch wieder in die Therapie einsteigt) noch viel problematischer sein können als diejenigen der vorher eingenommenen.

Kombinationen von Medikamenten mit sehr unterschiedlichen Halbwertzeiten erfordern bei Therapiepausen eine besondere Form des Absetzens, um die Gefahr der Resistenzbildung zu vermindern. Manche HIV-Ärzte ersetzen NNRTI-haltige Kombinationen etwa vier Wochen vor einer geplanten Pause durch PI-haltige, andere setzen den NNRTI etwa eine Woche vor den anderen Medikamenten ab.

Wer die Medikamente nicht mehr verträgt oder aus anderen Gründen nicht mehr nehmen will, sollte sich mit seinem Arzt absprechen. Allerdings werden sich nicht alle Probleme mit der Therapie lösen lassen

Vor einer Therapiepause

An dieser Stelle drei Fragen, die vor dem Antritt einer Therapiepause auf jeden Fall beantwortet sein wollen:

Warum Therapiepause?

Kommt der Patient mit den Nebenwirkungen, z. B. Durchfall und Übelkeit, nicht klar oder hat er Angst vor Langzeitnebenwirkungen wie etwa Lipodystrophie? Ist er einfach nur "pillenmüde" und braucht mal eine Auszeit? Je nach Antwort wird sich etwas anderes empfehlen.

Bereiten die Nebenwirkungen Probleme, ist zu überlegen, ob das "Nebenwirkungsmanagement" stimmt. Eine Polyneuropathie beispielsweise wird durch starken Alkohol- und Nikotinkonsum verstärkt. Das Gleiche gilt für erhöhte Blutfettwerte, die man durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel noch weiter nach oben treiben kann. Weniger zu rauchen und weniger Alkohol zu trinken, auf ausgewogenere Ernährung zu wechseln und sich mehr zu bewegen bringt mehr, als eine Pillenpause einzuschieben, die außer zusätzlichen Risiken wenig bis nichts bringen wird. Bei ernsten Leberproblemen z. B. kann es allerdings sehr wohl sinnvoll sein, die Medikamenteneinnahme zu unterbrechen, um die Leber zu entlasten und ihr Zeit zu geben, sich wieder zu erholen. In diesem Fall wird aber der Arzt von sich aus das Thema Therapiepause anschneiden.

Ob bei Nebenwirkungen eine Therapiepause sinnvoll ist, hängt also letztlich davon ab, um welche Nebenwirkungen es sich genau handelt. Wer nach zehn Jahren antiretroviraler Therapie eine deutliche Lipodystrophie hat, darf nicht erwarten, dass sie sich schon nach einer sechswöchigen oder sechsmonatigen Therapiepause wieder zurückbildet - schließlich hat sie sich ja auch im Laufe mehrerer Jahre entwickelt. Man weiß nicht einmal, ob sie sich überhaupt zurückbildet. Auch bei Durchfall sollte man nicht auf Wunder hoffen: Bei einer Therapiepause wird er vielleicht nur für bestimmte Zeit verschwinden. Steigt die Viruslast wieder an, kann es - auch ohne Therapie - erneut zu Durchfällen kommen. Je stärker sich das Virus im Darm vermehrt, desto weniger ist dieser in der Lage, die Flüssigkeit aus dem Stuhlgang herauszuziehen. Und hat man Probleme mit den Einnahmezeiten und Ernährungsvorschriften, wird das Ganze nach einer Pause eher noch schwieriger - so die Erfahrung vieler Menschen mit HIV. Ein Therapiewechsel ist hier in jedem Fall sinnvoller als eine Pillenpause.

Wie waren die Werte vor Therapiebeginn, wie sind sie jetzt?

Je weniger Helferzellen ein Patient vor Therapiebeginn hatte, desto riskanter ist eine Therapiepause. Ein Beispiel: Wer vor sieben Jahren mit 700 Helferzellen und frei von jeglichen HIV-bedingten Symptomen in die Therapie eingestiegen ist - Voraussetzungen, unter denen heute kein Arzt antiretroviral behandeln würde -, kann sie getrost absetzen und warten, was passiert. Macht man hingegen bei weniger als 200 Helferzellen eine Therapiepause, wird ihre Zahl rasant absinken, und man läuft Gefahr, an einer opportunistischen Infektion zu erkranken. Da kann es lebenswichtig sein, häufiger als alle drei Monate zum Arzt zu gehen, um den Immunstatus bestimmen und sich auf Anzeichen einer opportunistischen Infektion untersuchen zu lassen.

Welche Medikamente nehme ich ein?

Wie riskant Therapiepausen sind, hängt auch von der jeweiligen Medikamentenkombination ab. Wer öfter eine Pause machen will, sollte sich Medikamente verschreiben lassen, die pharmakologisch unproblematisch sind, um es nicht zu Resistenzen kommen zu lassen. Unter Umständen empfiehlt es sich sogar, einige Zeit vor der geplanten Therapiepause auf eine andere Kombination umzusteigen, bei der weniger Probleme dieser Art zu erwarten sind.

Gegen manche Medikamente (z.B. Sustiva und Viramune) wird HIV schneller resistent als gegen andere. Wird ein Medikament z.B. schon bei einer einzigen Mutation wirkungslos, ist seine "genetische Barriere" gegen HIV sehr niedrig. Ein solches Medikament ist sehr viel gefährlicher als eines mit hoher genetischer Barriere, das erst nach vielen Mutationen unwirksam wird.

Manche Medikamente (z.B. Zerit und Videx) werden vom Körper schneller abgebaut und ausgeschieden als andere, das heißt, sie haben eine kürzere Halbwertzeit . Solche Medikamente sind günstiger für eine Therapiepause: Wenn ein Medikament nicht mehr eingenommen wird, sinkt die Wirkstoffkonzentration im Blut unter die minimal erforderliche Grenze. Je schneller von hier ab die Konzentration gegen Null sinkt, desto kürzer ist die Zeit, in der sich Resistenzen bilden können: HIV kann gegen die antiretroviralen Medikamente ja nur dann unempfindlich werden, wenn im Blut auch welche vorhanden sind.

Besonders gefährlich sind Medikamente, die eine niedrige genetische Barriere und zugleich eine lange Halbwertzeit haben, wie etwa Sustiva und Viramune. Kombiniert man z.B. Sustiva mit zwei Medikamenten, deren Halbwertzeit kürzer ist (Zerit + Videx), und setzt man irgendwann alle drei Medikamente gleichzeitig ab, werden die Wirkstoffspiegel von Zerit und Videx schneller sinken als die von Sustiva. Nach einer gewissen Zeit ist für die Dauer von mehreren Tagen dann nur noch Sustiva im Blut - und man ist bei einer Monotherapie angelangt, noch dazu mit einem Medikament, gegen das HIV sehr schnell resistent wird. Nimmt man dagegen eine Kombination aus drei Medikamenten mit etwa gleicher Halbwertzeit (beispielsweise Videx + Zerit + Crixivan/Norvir oder Retrovir + Epivir + Ziagen), sinken bei deren Absetzen die Wirkstoffspiegel gleichmäßiger ab. Handelt es sich dabei zugleich um Medikamente mit einer mittleren bis hohen genetischen Barriere, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in der Therapiepause Resistenzen entwickeln, eher gering.



Wie macht man nach einer Therapiepause weiter?

Hat man die Medikamente wegen der Nebenwirkungen und nicht wegen eines Wirkungsverlusts oder Therapieversagens abgesetzt, kann man nach der Therapiepause mit derselben Medikamentenkombination weitermachen - vorausgesetzt, es haben sich inzwischen keine Resistenzen entwickelt. Dies lässt sich mit einem Resistenztest überprüfen. In diesem Fall wird die Medikamentenkombination nach der Pause genauso gut - oder schlecht - wirken wie vorher. Haben sich hingegen Resistenzen entwickelt, wird der Arzt zu einem Wechsel der Kombination raten.

Kombitherapie und Urlaub

Wer seinen Urlaub in einem anderen Land verbringen will, muss sich überlegen, ob er seine Therapie dort weiterführt oder unterbricht. Dabei spielen z.B. folgende Aspekte eine Rolle:

Besteht dort ein Einreiseverbot für Menschen mit HIV und Aids? Das ist bei recht vielen Ländern der Fall, z.B. den USA, was die meisten HIV-Positiven aber nicht weiter kümmert: Es ist ihnen ja nicht anzusehen, dass sie das Virus haben. Und damit sie sich beim Zoll nicht durch ihre mitgeführten HIV-Medikamente "verraten", verpacken sie diese einfach neutral, z.B. in eine Vitaminpillendose. Allerdings sind die Medikamente mit Kurzbezeichnungen oder Nummern gekennzeichnet und damit - bei gezielter Suche - identifizierbar.

Kann man sich die Medikamente am Urlaubsziel besorgen? In den USA beispielsweise kommt man nur schwer an Medikamente, weil Rezepte, die in anderen Ländern ausgestellt wurden, dort nicht anerkannt werden. Und wenn die Ärztin oder der Arzt einen amerikanischen Kollegen kennt, bekommt man zwar problemlos ein USA-taugliches Rezept, muss aber die Medikamente aus der eigenen Tasche bezahlen.

Findet man im Bedarfsfall einen Arzt, der sich mit der Behandlung der HIV-Infektion auskennt?

Welches Klima herrscht am Urlaubsort? Die Medikamente können hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit nicht lange überstehen. Viele HIV-Positive setzen deshalb vor dem Urlaub ihre Medikamente ab. Aber auch hier gilt es zu überlegen, welche Medikamente man nimmt, wie die Blutwerte vor Therapiebeginn waren und wie sie jetzt aussehen.

Wie verhält es sich dort mit der Ortszeit? Ist sie anders als zu Hause, wird empfohlen, die täglichen Einnahmezeiten um höchstens zwei Stunden zu verschieben, und zwar am besten nach vorne (z.B. nach 8 statt nach 12 Stunden). Verschiebt man sie um mehr Stunden, z.B. um drei oder vier, läuft man Gefahr, sich stärkere Nebenwirkungen als sonst einzuhandeln. Bei einer Verschiebung nach hinten (z.B. nach 14 statt nach 12 Stunden) riskiert man, dass die Wirkstoffkonzentration im Blut zu stark absinkt. Wenn man am Urlaubsziel feststellt, dass man eins von drei Medikamenten zu Hause vergessen hat, dann sollte man lieber alle Medikamente absetzen, statt mit einer "Zweierkombi" fortzufahren.

Quelle
Bearbeiteter Auszug aus unserer Broschüre "kombinationstherapie" (4., überarbeitete Auflage, Berlin 2004)


Gruß
Luca:Blume:

Matze ( gelöscht )
Beiträge:

11.08.2006 14:43
#8 RE: Aids antworten

Den Encarta - Artikel zu über nehmen ist zwar einfach, aber der Inhalt ist teilweise fehlerhaft. Beschäftige dich doch einmal mit dem Thema 'Ende der fünfziger Jahre - Poliomyelitis-Impfaktion'. Was die Amerikaner da schreiben ist zwar aus ihrer Sicht verständlich, aber einfach unrichtig. MATZE

Remi Offline




Beiträge: 3.132

17.01.2007 08:48
#9 RE: Aids antworten

Hallo Matze,
ich habe den oberen Teil noch einmal überarbeitet.
so müßte es nun richtig sein!
Gruß
Remi

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