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 ~° Medizinisches Wissen - Neurologie °~
Luca Offline




Beiträge: 10.600

05.12.2005 23:14
RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

Epilepsie

Allgemeines



Unter Epilepsie versteht man eine Reihe von Krankheitsbildern, denen das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle ohne fassbaren Anlass gemeinsam ist. Der Arzt verwendet anstelle des Ausdrucks „epileptisch“ häufig den Begriff „zerebral“ – dieser stammt aus dem Lateinischen und kommt von cerebrum = Gehirn. Dadurch wird deutlich, dass es sich um Anfälle handelt, die ihren Ursprung in einer vorübergehend gestörten Hirntätigkeit haben.
Man kann sich einen epileptischen Anfall wie ein „Gewitter im Kopf“ vorstellen: Ähnlich einem Gewitter kommt es zu einer gleichzeitigen elektrischen Entladung der Nervenzellen im Gehirn. Je nachdem, welche und wie viele Nervenzellen beteiligt sind, äußert sich das in kleinen oder großen Krampfanfällen oder auch nur in kurzfristigen Bewusstseins-störungen oder abnormen Wahrnehmungen. Die Krampfbereitschaft an sich ist eine generelle Eigenschaft des Gehirns, nicht nur des menschlichen Gehirns. Bei jedem Menschen kann unter bestimmten Voraussetzungen ein epileptischer Anfall ausgelöst werden, bis zu 5% der Bevölkerung sind irgendwann in ihrem Leben einmal davon betroffen. Man spricht hier auch von Gelegenheitskrämpfe , die von der Diagnose „Epilepsie“ abzugrenzen sind.

Bei der Epilepsie handelt es sich um die häufigste chronische Krankheit des Zentralnervensystems. Sie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Etwa 0,8% der Bevölkerung weltweit leiden daran, in Deutschland gibt es etwa 500.000 Erkrankte. Jährlich kommen auf 100.000 Menschen etwa 50 Neuerkrankungen. Bei ca. 75% der Epilepsie-Patienten treten die ersten epileptischen Anfälle bereits im Kindes- oder Jugendalter, vor dem 14. Lebensjahr, auf. Die epileptischen Anfälle müssen unterschieden werden von Affektkrämpfen , welche bei etwa 5% aller Kleinkinder vorkommen.

Epilepsie-Patienten müssen oft mit Vorurteilen kämpfen. Viele Menschen verbinden heute noch mit dem Begriff „Epilepsie“ etwas Rätselhaftes und Unheimliches. Einige Leute glauben auch, dass ein Zusammenhang zwischen Epilepsie und geringer Intelligenz besteht. Das ist sicherlich nicht der Fall, nur in seltenen Fällen kann die Entwicklung eines Kindes durch eine schwere Epilepsie verzögert werden. Berühmte Epilepsie-Patienten wie Alexander d. Große, G. J. Cäsar, Jeanne d’Arc, F. M. Dostojewskij, Napoleon I. und Sokrates lassen diese These ebenfalls anzweifeln. - Eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit ist dringend gefragt, denn für die Betroffenen sind die verständnislosen und ausgrenzenden Reaktionen ihrer Mitmenschen häufig eine größere Belastung als die Krankheit selbst, die heute gut behandelbar ist.


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Gelegenheitskrämpfe

Im Verlauf von verschiedenen Erkrankungen kann es zu einzelnen epileptischen Anfällen kommen, die nach Abklingen der akuten Krankheitssituation nicht wieder auftreten. Solche Anfälle bezeichnet man als Gelegenheitsanfälle. Von Epilepsie spricht man nur dann, wenn sich die Anfälle – tlw. selbst ohne besonderen Anlass - wiederholen. Als Ursache für Gelegenheitskrämpfe kommen in Frage:

Fieber
Stress
Schlafentzug
Einwirkung von Alkohol (vornehmlich Entzug)
Einwirkung von Medikamenten (vornehmlich Entzug)
Flickerlicht (rascher Wechsel von hell und dunkel)
Hirntrauma (Verletzung von Gehirnsubstanz)
Sauerstoffmangel des Gehirns (auch bei Schlaganfall)
Hirnentzündung
Fieber- oder Infektkrämpfe
Besonders hervorzuheben sind die Fieber- oder Infektkrämpfe. Darunter versteht man ein Ereignis des Säuglings- oder Kleinkindesalters, das in der Regel im Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren auftritt und mit Fieber verbunden ist. Ein Fieberkrampfanfall dauert nur 1 bis 2 Minuten. Bei Jungen treten Fieberkrämpfe häufiger auf als bei Mädchen. Eine familiäre Belastung wird bei ca. 30% gefunden. Das Vorliegen eines Fieberkrampfes darf erst angenommen werden, wenn andere Ursachen für einen Krampf bei Fieber (z. B. eine Hirnhautentzündung) ausgeschlossen wurden.

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Affektkrämpfe

Affektkrämpfe sind anfallsartige Bewusstseinsstörungen - gelegentlich mit krampfartigen Erscheinungen -, die durch unangenehme Reize (Affekte) ausgelöst werden. Solche Affekte sind Enttäuschung oder Wut, etwa bei Verboten oder Strafen. Affektkrämpfe kommen bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 4 Jahren vor, bevorzugt im 2. und 3. Lebensjahr, selten schon in den ersten Lebensmonaten oder noch im Schulalter. Etwa 5% aller Kinder erleiden diese Anfälle, manche nur wenige im Jahr, andere mehrere am Tag.

Andere Bezeichnungen: respiratorische Affektanfälle, Schreikrämpfe, Wegbleiben, Wegschreien, Wutkrämpfe.
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Epilepsie

Ursachen

Das Auftreten eines epileptischen Anfalls beruht auf einer vorübergehend synchronen (zeitgleichen) Erregbarkeit von Nervenzellenverbünden in bestimmten Hirngebieten. Diese Überreaktion ist dadurch bedingt, dass die regulierenden Botenstoffe (Neurotransmitter) des Gehirns im Ungleichgewicht stehen. Eine Ursache für diese Störung kann ein Überangebot der für die Erregung verantwortlichen Botenstoffe sein. Oder aber hemmend wirkende Botenstoffe, welche die Erregung in ihrer Ausbreitung begrenzen, werden in zu geringer Menge von den Nervenzellen ausgeschüttet.

Symptomatische Epilepsie

Hirnschädigungen jeder Art können eine Epilepsie zur Folge haben. Wichtige Schädigungen sind bei Neugeborenen Hirnblutungen sowie Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff (Geburtskomplikationen). Später sind es vor allem Entwicklungsstörungen des Gehirns, Stoffwechselstörungen, Verletzungen (z.B. Schädel-Hirn-Trauma), Gehirnentzündungen oder Hirntumoren. Dabei kommt es zu Defekten oder Narben im Nervengewebe des Gehirns, die benachbarte Nervenzellen in ihrer Tätigkeit stören können und somit ortsansässige (lokale) Anfallsherde (fokale Epilepsie) ausbilden. In einigen Fällen sind gutartige, ungewöhnliche Gewebsbildungen, wie Blutschwämmchen oder Zellknötchen im Gehirn Anlass für Anfälle. Diese Epilepsien in Folge einer identifizierbaren Grunderkrankung bezeichnet man als symptomatische Epilepsie. Die Art der Erscheinungen im Anfall weist auf die Ausgangsregion der Anfälle hin.

Idiopathische Epilepsie

Von idiopathischer Epilepsie spricht man, wenn die Ursache nicht bekannt ist. Die überwiegende Zahl der Epilepsien ist nicht erblich. Vererbt werden kann jedoch eine Veranlagung zu einer erhöhten Anfallsbereitschaft. Forscher entdeckten in einer Familienstudie bei Epilepsie-Patienten ein verändertes Gen, welches den Zellstoffwechsel im Gehirn stört, was wiederum zu einer elektrischen Übererregbarkeit der betroffenen Gehirnzellen führt. Wissenschaftler schätzen, dass dieser Gendefekt für etwa 15% aller Epilepsie-Formen verantwortlich ist.

Erblichkeit

Für einige besondere Epilepsie-Formen konnten erbliche Faktoren und deren Gen-Lokalisation identifiziert werden. Dies gilt beispielsweise für Epilepsien mit Fieberkrämpfen, für Formen idiopathischer generalisierter Epilepsien mit kleinen Anfällen wie auch für einzelne Formen fokaler Epilepsien. Daneben gibt es eine Reihe von Erbkrankheiten, die zu unterschiedlichen neurologischen Krankheitserscheinungen führen und auch mit einer Epilepsie kombiniert sein können. Auch bei diesen Krankheiten kann die Epilepsie die führende Beschwerde sein.

Provokationsfaktoren

Ebenso erhöhen so genannte Provokationsfaktoren die Anfallsbereitschaft. Dieses sind – nicht nur abhängig von der Art der epileptischen Anfälle – ganz individuelle Auslöser. Schlafentzug, rasche starke Atmung (Hyperventilation) Stress sowie Reizung einzelner Sinne wie Flickerlicht (vor allem Diskotheken-Licht) können beispielsweise einen epileptischen Anfall zur Folge haben.
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Krankheitsbild allgemein

Es gibt sehr viele Epilepsie-Formen. Früher teilte man die Epilepsien einfach nach ihrem Schweregrad ein, in den Grand mal („großer“ Anfall) und in den Petit mal („kleiner“ Anfall). Die Einteilung ist jedoch immer weiter verfeinert worden. Sie beruht heute auf dem Ursprungsort der Epilepsie und auf der Ausgestaltung der Anfälle. Hinsichtlich der Ursprungsorte sind zwei Arten von Anfällen zu nennen:

fokale (oder auch partielle) Epilepsien: Der Anfall entsteht an einem umschriebenen, begrenzten Ort (Fokus) im Gehirn.
generalisierte Epilepsien: Der Anfall umfasst von Beginn an das gesamte Gehirn oder zumindest beide Hirnhälften gleichzeitig.
Ein fokaler Anfall kann sich in seinem Verlauf auf das gesamte Gehirn ausbreiten, sich also nachträglich generalisieren (sekundäre Generalisierung).

Manche Patienten erkennen es deutlich, wenn ein Anfall kommt. Sie sind zum Beispiel am Tag vorher reizbarer als sonst; dieser Zustand kann z.B. von Haustieren (Hunde) früh wahrgenommen werden. Den Anfall einleitende Wahrnehmungen werden als Aura bezeichnet, gehören aber oft schon zum eigentlichen Anfallsgeschehen. Bei manchen Menschen kommt ein Anfall jedoch völlig unerwartet. Die Heftigkeit eines Krampfanfalls fällt von Person zu Person anders aus. Bei manchen macht sich der Krampfanfall kaum bemerkbar, während andere eine Bewusstlosigkeit mit Sturz und Verletzungen erleiden.

Fokale Epilepsien

Die fokalen Anfälle werden weiter unterteilt in einfach-fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein erhalten bleibt, und in komplex-fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein getrübt ist.

Eine Bewusstseinsstörung liegt vor, wenn die Reaktion des Betroffenen auf Außenreize beeinträchtigt ist, oder wenn er keine Erinnerungen an die Ereignisse während des Anfalles hat. Die Reaktion auf Außenreize kann man dadurch prüfen, dass man den Betroffenen während des Anfalles anspricht, Fragen stellt, zu Bewegungen auffordert, z.B. „Hebe bitte den rechten Arm". Der Nachweis einer Erinnerungsstörung gelingt dadurch, dass man ihn während des Anfalls bittet, sich ein Wort zu merken, welches man nach dem Anfall abfragt.

Einfach-fokale Anfälle

Bei einem einfach-fokalen Anfall ist der Betroffene bei Bewusstsein und erlebt den Anfall in seiner ganzen Ausprägung mit. Er kann hinterher beschreiben, was er erlebt hat.
Es kann zu örtlich umschriebenen Muskelzuckungen kommen, zum Beispiel in einer Gesichtshälfte oder in einer Hand. Diese Muskelzuckungen können sich in benachbarte Gebiete der gleichen Körperseite ausbreiten. In diesem Fall spricht man von einem so genannten "motorischen Jackson-Anfall".

Weiterhin gibt es einfach-fokale Anfälle mit vielfältigen Sinneswahrnehmungen. So können zum Beispiel „komische Gefühle“ in einzelnen Körperteilen auftreten, Gegenstände können als zu groß oder zu klein, zu grell oder zu farbintensiv gesehen werden. Manche Personen hören Musik, Stimmen oder Geräusche. Einige Menschen riechen oder schmecken etwas (meist Unangenehmes). Es gibt auch Menschen, denen im Anfall schwindlig wird, und zwar kann dieser Schwindel wie ein Fallen im Raum, wie ein Schwanken oder wie ein Drehen in einem Karussell oder in einem Riesenrad empfunden werden.

Komplex-fokale Anfälle

Bei den komplex-fokalen Anfällen ist das Bewusstsein des Betroffenen verändert, wobei die Bewusstseinsstörung von einer leichten Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit reichen kann. Manche Menschen wirken während des Anfalls benommen, ratlos, verwirrt. Gegen eine Störung von außen wehren sie sich; sie können dann sogar aggressiv werden.

Alle bei den einfach-fokalen Anfällen aufgeführten Anzeichen können auch bei den komplex-fokalen in Verbindung mit der Bewusstseinsstörung auftreten. Besonders charakteristisch sind so genannte Automatismen, d.h. automatisch ablaufende Bewegungserscheinungen. Im Bereich des Mundes treten Kau- oder Essbewegungen (Schmecken, Schmatzen, Schlucken, Kauen) auf. Außerdem kommen Bewegungen wie Nesteln, Zupfen, Klopfen, Streicheln über ein Kleidungsstück, mechanisches Öffnen und Schließen der Hände und Treten oder Scharren mit den Füßen vor. Das Gesicht des Betroffenen kann das Erleben von Angst, Furcht, Schmerz, aber auch von Glücksgefühl verraten (mimische Automatismen).

Häufig aber ist die Mimik während eines komplex-fokalen Anfalles eher starr und leer. Neben den typischen Bewegungsabläufen treten weitere Anzeichen wie Erröten, ein schneller und unregelmäßiger Herzschlag, vermehrter Speichelfluss, Gänsehaut und Schweißausbrüche auf.

Komplex-fokale Anfälle verebben allmählich, ihr Ende ist oft nicht genau feststellbar. Der Betroffene kann sich hinterher an nichts erinnern. Ein solcher Anfall dauert im Allgemeinen einige Minuten bis zu einer Viertelstunde.

Nicht selten wird ein komplex-fokaler Anfall von einem einfach-fokalen Anfall eingeleitet. Ein komplex-fokaler Anfall kann auch in einen generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfall (Grand-mal-Anfall) übergehen.

Fortsetzung folgt......

Luca Offline




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05.12.2005 23:20
#2 RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

Fortsetzung.....

Generalisierte Anfälle


Absencen – Petit mal

Bei einem Absence-Anfall (Petit mal, „kleiner Anfall“) steht ein abrupter Aufmerksamkeits- und Reaktionsverlust gegenüber der Umgebung im Vordergrund, der jedoch ohne Sturz oder Merkmale der Bewusstlosigkeit einhergeht. Es handelt sich um die mildeste Ausprägung generalisierter Anfälle.

Bei den einfachen Absencen handelt es sich um eine plötzlich beginnende und endende Bewusstseinspause, die einige Sekunden selten bis zu einer halben Minute lang andauert. Der Blick ist starr und leer, die Gesichtszüge sind ausdruckslos. Der Betroffene hält bei der gerade durchgeführten Tätigkeit inne und nimmt diese nach Beendigung der Absence wieder auf. Tritt eine Absence während des Sprechens auf, so wird das Sprechen unterbrochen oder der Betroffene spricht langsamer; sofern er gerade geht bleibt er stehen; isst er gerade, so führt er das Essen nicht zum Mund. Gewöhnlich reagiert eine betroffene Person nicht auf Ansprache. Absencen treten bevorzugt in der Zeit nach dem Aufwachen auf.

Aufgrund ihrer oft diskreten Ausprägung werden Absencen bei Kindern meist nicht oder verspätet erkannt. Dabei stellt diese Form der Epilepsie bei ihnen mit 10% die häufigste Form der Erkrankung dar. Typisch ist, dass Absencen erstmals im Vorschul- oder frühen Schulalter auftreten. Werden Kinder plötzlich in der Schule schlechter oder kommen von Anfang an nicht mit, können wiederholte Absencen die Ursache dafür sein. Hinweise auf die Aufmerksamkeitsstörung können beispielsweise unterbrochene Schriftzüge in Schulheften sein.

Bei den komplexen Absencen geht die Bewusstseinsstörung mit Begleiterscheinungen einher. Diese können sich in Form von leichten beidseitigen rhythmischen Zuckungen, vorwiegend im Bereich des Gesichtes (Augenbrauen, Augenlider, Augen, Mundwinkel), der Schultern und Arme, äußern oder in „automatenhaften“ Bewegungsabläufen. Es kommt vor, dass einzelne Muskelpartien erschlaffen, so dass etwa der Kopf absinkt oder der Rumpf zusammensackt. Aber auch eine Anspannung der Körpermuskulatur tritt bei manchen Anfallsformen auf, wobei der Kopf nach hinten gezogen wird und der Blick nach oben gerichtet ist (Sterngucker).

Epilepsien mit Absencen sind in erster Linie Krankheiten des Kindesalters. Sie können bei einigen Kindern immer häufiger hintereinander auftreten bis schließlich ein Anfall in den nächsten übergeht. Bei einem solchen "Absence-Status" (lateinisch status = Zustand) ist die Bewusstseinsstörung nicht so tief wie bei einzelnen Absencen. Die Betroffenen wirken oft verträumt, ohne Antrieb und apathisch. Einfache Anweisungen werden gelegentlich verstanden und befolgt, auch einfache Antworten gegeben. Der Status bedarf einer umgehenden ärztlichen Behandlung.

Tonisch-klonische Anfälle - Grand mal

Die häufigsten generalisierten Anfälle sind die generalisierten tonisch-klonischen Anfälle, oft noch als Grand-mal-Anfälle bezeichnet. Der typische Grand-mal-Anfall läuft in der Regel in mehreren Stadien ab:

Präkonvulsive Phase: Die betroffene Person kann Stunden oder Tage vor dem Anfall unruhig, stimmungslabil, missmutig oder reizbar. Öfter wird der Anfall durch ein vages, schlecht beschreibbares Vorgefühl (auch als Aura bezeichnet) eingeleitet. Kleinere Kinder kommen oft ängstlich zur Mutter gelaufen und sagen: „Ich hab’s!“ oder „Es kommt!“.


Konvulsive Phase: Typischerweise beginnt der Anfall mit der einsetzenden Bewusstlosigkeit. Angehörige oder Umstehende werden oft durch einen gepressten Schrei aufmerksam (der durch eine Krampf der Stimmlippen und der Atemmuskeln entsteht). Es kommt zu einer Versteifung sämtlicher Gliedmaßen (tonisches Anspannen). Die Augen sind weit offen, die Augäpfel nach oben gedreht, der Mund halb offen. Die Arme beugen sich, die Hände schließen sich zur Faust, die Beine sind leicht gebeugt. Bei aufrechter Körperhaltung kommt es zu einem Sturz, wobei sich der Patient verletzen kann. Die Gesichtsfarbe ist zunächst blass, dann rötlich später bläulich (da atmen unmöglich ist). Auf der Haut zeigt sich Schweiß. Die Anspannungsphase hält etwa 10 bis 30 Sekunden lang an, gelegentlich auch länger. Im darauffolgenden klonischen Stadium treten symmetrische Zuckungen am ganzen Körper auf, die besonders an Kopf, Armen und Beinen sichtbar sind und etwa 60 bis 120 Sekunden andauern. Arme und Beine zucken erst leicht, dann kräftiger (Beugezucken). Bewegungen von Zunge und Kaumuskeln bewirken schaumigen Speichel, der bei Zungenbiss blutig wird. Jetzt kann auch Urin abgehen. Die Pausen zwischen den Zuckungen werden länger.


Postkonvulsive Phase: Am Ende des Anfalls setzt die Atmung mit einem Röcheln wieder ein. Langsam erlangt der Betroffene das Bewusstsein wieder, bleibt aber anfangs noch verwirrt, kann Ort und Personen verkennen, Bewegungsdrang und Neigung zum Weglaufen zeigen. Meist ist er erschöpft und fällt oft in einen tiefen Nachschlaf. Dieser hält bei einigen Menschen nur kurz an, bei anderen kann er jedoch viele Stunden dauern. Nach dem Schlaf, z.B. am nächsten Morgen, kann allein ein Muskelkater oder Zungenbiss das Ereignis anzeigen, für das ansonsten keine Erinnerung mehr besteht.


Besonderheiten bei Kindern


Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe/West-Syndrom

Bei den Blitz-Nick-Salaam(BNS)-Krämpfen, auch West-Syndrom genannt, handelt es sich um eine seltene, sehr ernst zunehmende Säuglings-Epilepsie. Sie beginnt im Alter von 2 bis 8 Monaten und betrifft besonders Jungen. Für Bruchteile von Sekunden äußern sich die Krämpfe mit heftigen Muskelzuckungen. Die Muskelzuckungen fahren wie ein Blitz durch den Körper. Dabei vollzieht dieser in der Regel folgende rasche Bewegungen: eine Beugebewegung des Kopfes und des Rumpfes, ein Auseinanderbreiten und ein anschließendes Beugen der Arme und ein Anziehen der Beine. Dieser Anfall zeigt sich am deutlichsten, wenn das Kind auf dem Rücken liegt. Wird das Erscheinungsbild des Anfalls von der Kopf- und Rumpfbeugung bestimmt und fehlen die Bewegungen von Armen und Beinen oder sind sie nur ganz gering ausgeprägt, so spricht man vom Nickkrampf. Laufen die beschriebenen Bewegungen langsamer ab und kommt es zu einem Zusammenführen der Arme vor dem Körper, so dass der Anfall an den „Salaamgruß“ erinnert, so nennt man ihn Salaamkrampf. Alle diese Krämpfe neigen dazu, mit kurzen Zwischenpausen in Serien aufzutreten, wobei Serien mit 20 bis 30 Anfällen hintereinander keine Seltenheit sind.

BNS-Anfälle werden vor allem morgens nach dem Aufwachen beobachtet. Zwischen den Anfällen weinen die Kinder häufig. Die BNS-Anfälle, bei denen sich die Kinder zusammenzukrümmen scheinen und anschließend weinen, werden deshalb häufig als Bauchkoliken verkannt. Die Prognose ist abhängig von der Hirnschädigung und meist ungünstig. Etwa 90% der betroffenen Kinder leiden an Entwicklungsstörungen.

Rolando-Epilepsie

Bei der Rolando-Epilepsie handelt sich um eine spezielle Kinder-Epilepsie zwischen dem 2. und 12. Lebensjahr. Sie zeigt sich oft im Rahmen nächtlicher fokal-motorischer Anfälle meist einer Gesichtshälfte und wird von kehligen Lauten und starker Speichelabsonderung begleitet. Es kann sich ein Krampfanfall entwickeln. Der Patient ist während des Anfalls wach. Die meisten Betroffenen leiden nur unter wenigen Anfällen und werden nach dem 15. Lebensjahr gesund. Die Prognose ist immer gut. Es gibt oft Leseschwierigkeiten, Behinderungen bleiben aber aus.

Myoklonische Anfälle

Diese generalisierten Anfälle sind durch einzelne oder wiederholte Zuckungen bevorzugt in Schultern und Armen gekennzeichnet, die schleudernde Bewegungen imitieren können. Das Bewusstsein bleibt meist erhalten Die Anfälle dauern gewöhnlich nur kurz an. Myoklonische Anfälle treten vor allem bei sehr jungen Kindern auf, insbesondere bei Neugeborenen.

Juvenile Myoklonus-Epilepsie (Impulsanfälle)

Die juvenile Myoklonus-Epilepsie beginnt in der Regel im Alter zwischen 11 und 18 Jahren. Es treten Zuckungen an Armen und Beinen meist in den frühen Morgenstunden auf. Viele Betroffene leiden auch an generalisierten Krampfanfällen, die Hälfte der Erkrankten hat Absencen. Geistige Behinderungen bleiben selten zurück. Medikamente helfen zahlreichen Patienten, anfallsfrei zu bleiben. Die Behandlung dauert oft ein Leben lang.

Lennox-Gastaut-Syndrom

Als Lennox-Gastaut-Syndrom bezeichnet man eine Kombination von Sturzanfällen, nächtlichen tonischen Anfällen und Muskelzuckungen (Myoklonien). Bei dieser Epilepsie-Form erscheinen die Anfälle in Serien, bevorzugt in Ermüdungssituationen. Das Syndrom tritt erstmals zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr auf. Ursache ist oft ein frühkindlicher Hirnschaden bzw. ein genetischer Defekt.


Auswirkungen


Epileptische Anfälle haben gewöhnlich keine langfristigen Auswirkungen. Auch bei Kindern wird die normale Entwicklung durch die Epilepsie nur bei schweren Ausprägungen (z.B. bei häufigen Absencen oder Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe/Westsyndrom) negativ beeinflusst. Selbst wiederholte große Anfälle führen nicht zu einem geistigen Abbau.

Die Verletzungsgefahr durch einen Sturz ist groß bei Epilepsie-Formen, die mit plötzlicher Bewusstlosigkeit einhergehen und sich nicht durch ein Vorgefühl (Aura) ankündigen.

Viele Epilepsie-Patienten müssen regelmäßig Medikamente einnehmen, oft nur für ein paar Jahre, manchmal aber auch ein Leben lang. Mögliche Nebenwirkungen dieser so genannten Antiepileptika sind meist dosisabhängig und können bei optimaler Einstellung gemindert oder ganz aufgehoben werden. Gelegentlich muss das Medikament aber auch aufgrund der Nebenwirkungen gewechselt werden. Ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis ist für die Therapiefindung ganz entscheidend.


Erste Hilfe beim Anfall


Wenn ein Anfall auftritt, gilt es, Ruhe zu bewahren. Die meisten Anfälle klingen von allein ab. Was man bei einem „großen“ Anfall (Grand mal) tun kann, ist:

Betroffenen auf die Seite drehen
Kissen oder Ähnliches unter den Kopf legen
enge Kleidung am Hals öffnen
Atemwege offen halten, aber: keine Beatmung vornehmen
den Betroffenen NICHT von Bewegungen abhalten
dem Betroffenen NICHT irgendetwas in den Mund stecken, auch keine Medikamente oder Flüssigkeiten
alle Gegenstände, die eine Verletzungsgefahr darstellen, außer Reichweite bringen
Brille abnehmen
Symptome merken und Dauer des Anfalls notieren
bei der Person bleiben, bis sie sich erholt hat.
Den Notarzt sollten Sie in jedem Fall rufen bei:

Schwangeren
einem Anfall im Wasser
einem Status epilepticus bzw. nach kurzer Zeit erneut auftretendem Anfall
einer Dauer über 5 Minuten
anhaltender Bewusstlosigkeit
Verletzungen

Als Status epilepticus bezeichnet man ein epileptisches Anfallsgeschehen, dessen Dauer eine Grenze von 5 Minuten bei generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und von 20 bis 30 Minuten bei fokalen Anfällen oder Absencen überschreitet, oder eine Sequenz einzelner epileptischer Anfäller mit gleicher Mindestdauer, zwischen denen keine Unterbrechung zu messen ist. Der Status epilepticus ist immer ein akut behandlungsbedürftiger Zustand, so dass eine adäquate Versorgung unverzüglich einsetzen muss. Die medikamentöse Unterbrechung des Status und das Verhindern von Folgeschäden sind vorrangige Therapieziele.

Fortsetzung folgt...

Luca Offline




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05.12.2005 23:29
#3 RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

Fortsetzung ..

Untersuchungsmethoden


Für die Diagnosestellung einer Epilepsie ist die Erkennung, Häufigkeit und Beurteilung der aufgetretenen Anfälle ein entscheidendes Kriterium. In der Medizin wird streng unterschieden zwischen epileptischen Anfällen und Epilepsien. Epileptische Anfälle sind Krankheitserscheinungen (Symptome und können z.B. einem Gelegenheitsanfall entsprechen), eine Epilepsie ist das gesamte Krankheitsbild (Syndrom). Um einen Anfall richtig einordnen zu können, werden nach einem ausführlichen Gespräch verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Ein aufgetretener Anfall wird genau protokolliert. Der Neurologe/Nervenarzt muss sich neben den Schilderungen des Patienten (Anfallsanamnese) auch häufig auf die Angaben dritter Personen verlassen, die den Anfall miterlebt haben. Tritt ein Anfall auf, sollten Angehörige oder Augenzeugen neben der Ersten Hilfe Ruhe bewahren und auf Folgendes achten:

Tageszeit
Umstände und Dauer des Anfalls
War der Patient bewusstlos?
Hatte er einen Krampf?
Kam es zu Zungenbiss oder anderen Verletzungen?
Gab es ungewöhnliche Wahrnehmungen oder Erscheinungen beim Patienten
Lähmungen?
Kam es beim Patienten zu Sprachstörungen oder Verwirrtheitszustände nach dem Anfall?
Gab es Auslöser wie Schlafentzug, Alkohol Drogen, Medikamente, giftige Substanzen, Computerspiele?
Videoaufnahmen können hier sehr hilfreich sein.

Neben einer umfangreichen körperlichen und neurologischen Untersuchung (z.B. Testung der Reflexe, Messen der Muskelstärke, Prüfung von Gangbild, Haltung, Koordination und Gleichgewichtssinn) sowie einer Blutabnahme zur Routine-Labordiagnostik dienen apparative Methoden zur Absicherung der Diagnose „Epilepsie“.

Apparative Verfahren & Labordiagnostik

Apparative Verfahren erleichtern die Einordnung der Epilepsie-Form und die Abklärung möglicher Ursachen. Eine wichtige Untersuchungsmethode ist die Elektroenzephalografie , eine Messung der „Hirnstromkurve“. In einigen Fällen sind hier für eine Epilepsie typische Kurvenveränderungen im Elektroenzephalogramm (EEG) auch zwischen den Anfällen nachweisbar. Bei einer fokalen Epilepsie, bei der sich der Anfall auf abgegrenzte Bereiche des Gehirns konzentriert, sieht der Facharzt u.a. im Ruhe-Wach-EEG hohe und spitze Ausschläge, so genannte Spikes. Bei einem generalisierten Anfall, bei dem das gesamte Gehirn beeinträchtigt ist, sind sowohl Spikes als auch hohe wellenförmige Ausschläge (Waves) im EEG-Muster zu sehen. Eine EEG-Ableitung im Schlaf oder während eines ganzen Tages (Langzeit-EEG) sowie nach gezielter Belastung (Schlafentzug, Lichtreize) kann die Diagnose erhärten.

Liegt die Vermutung nahe, dass die Ursache für die Epilepsie eine Gehirnschädigung ist, werden zur Abklärung bildgebende Methoden angewandt. Zu diesen Methoden zählt die Kernspintomografie und die Computertomografie (CT) .

Generell auszuschließen sind andere Ursachen für einen Krampfanfall/eine Bewusstlosigkeit wie z.B. Herzrhythmusstörungen, ein starker Blutdruckabfall nach dem Aufstehen oder eine kurzzeitige Durchblutungsstörung des Gehirns.

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Elektroenzephalografie

Die Elektroenzephalografie ist ein Verfahren zur Messung und Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns. Durch Anbringung von mit Kochsalzlösung befeuchteten Metallplättchen (Elektroden) an bestimmte Stellen der Kopfhaut können Hirnströme abgeleitet werden. Anschließend werden die schwachen Signale verstärkt und aufgezeichnet. Jede Elektrode bildet einen Kanal auf dem Bildschirm bzw. dem Papier. Da meist viele Elektroden verwendet werden, spricht man von einer Multikanal- Elektroenzephalografie. Die Signale sehen unterschiedlich aus, je nachdem in welchem Zustand sich der Patient befindet (Schlaf, Wachzustand, Traum-Phase usw.). Die Untersuchung ist (dem EKG gleich) schmerzlos und ungefährlich. Es wird nur der im Gehirn erzeugte Strom registriert, kein Strom an den Körper herangebracht. Die Erstellung eines Elektroenzephalogramms (EEG) soll 20 Minuten dauern.
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Elektroenzephalogramm (EEG)

Zur Diagnose von Epilepsien ist das Elektroenzephalogramm (EEG) besonders wichtig. Anhand der EEG-Kurven ist zu erkennen, welche Hirnbereiche geschädigt sind. Sie kann auch die Therapieüberwachung unterstützen. Bei der Untersuchung von Epilepsien wird in besonderen Fällen auch ein Schlaf-EEG, ein Schlafentzug-EEG, ein EEG unter Lichtreizung, ein 24 Stunden-EEG oder ein Video-EEG durchgeführt. Durch Schlafentzug oder Lichtreizung wird ein Anfall provoziert, da die Krampfschwelle des Gehirns durch diese Belastungen herabgesetzt wird. Bei einem Video-EEG wird der Patient während der Untersuchung mit einer Videokamera aufgenommen. So kann später das äußere Erscheinungsbild mit dem Elektroenzephalogramm verglichen werden. Im Gegensatz zur Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) zeigt das EEG die Funktion des Gehirns zum Zeitpunkt der Ableitung an, während die beiden anderen Methoden ein Bild der Hirnsubstanz zeigen. So sind bei einer Epilepsie CT und MRT oft normal, während das EEG die Funktionsstörung anzeigt.
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Kernspintomografie

Bei der Kernspintomografie (Kernspinresonanztomografie, Magnetresonanztomografie (MRT)) handelt es sich um ein computergestütztes bildgebendes Verfahren, das auf dem Prinzip der Kernspinresonanz beruht. Beim Einsatz in der medizinischen Diagnostik interessieren vor allem die Wasserstoffatomkerne (Protonen), die im menschlichen Körper mit großer Häufigkeit vorkommen. Die Wasserstoffatomkerne drehen sich ständig um eine Achse, was man auch als Spin bezeichnet. In einem starken Magnetfeld richten sich diese Rotationsachsen entlang des Magnetfeldes aus, vereinfacht gesagt, wird der Körper "magnetisiert". Die Stärke des Magnetfeldes ist geräteabhängig unterschiedlich. Die in der Radiologie verwendeten Hochfeldmagneten haben eine Stärke von 1 bis 1,5 Tesla, was in etwa der Stärke eines Schrottplatzmagneten entspricht. Bei der eigentlichen Messung werden Hochfrequenzwellen mit einer Frequenz im Kurzwellenbereich nahe den üblichen Rundfunkbändern auf das zu untersuchende Körperteil eingestrahlt. Dadurch kommt es zu einer Anregung der Atom-Spins, die zu „kreisenden“ Kreiselbewegungen führt. Nach Abschalten des Radio-Impulses richten sich die Spins wieder entlang des Magnetfeldes aus. Dabei senden die Atomkerne winzige Radioimpulse zurück, die durch äußerst sensible Antennen, so genannte Spulen, empfangen werden. Durch die unterschiedliche Dichte der Wasserstoffprotonen in den verschiedenen Geweben (Fett z.B. hat viele Wasserstoffkerne und Kalk sehr wenig) ist eine Differenzierung gut möglich. Damit aber verwertbare Bilder auf dem Monitor und letztendlich auf dem Film entstehen, bedarf es einer komplizierten Umwandlung der empfangenen Signale mithilfe komplexer mathematischer Berechnungen, für die ein Hochleistungscomputer benötigt wird. Die Vorteile: fehlende Strahlenbelastung und guter Gewebekontrast. Dieser ermöglicht vor allem eine gute Weichteildarstellung wie z.B. des Gehirns. Durch die fehlende Strahlenbelastung ist die Untersuchung für den Körper nach bisherigen Erkenntnissen ungefährlich und somit auch bei Schwangeren und Kindern uneingeschränkt möglich.
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Computertomografie (CT)

Die Computertomografie, kurz CT genannt, ist ein Verfahren der Röntgenuntersuchung, das eine direkte Darstellung von Weichteilstrukturen des menschlichen Körpers ermöglicht. Bei einer CT werden mit einem dünnen, fächerartigen Röntgenstrahlbündel die zu untersuchenden Körperregionen schichtweise aus allen Richtungen abgetastet. Die Messdaten werden in einen angeschlossenen Computer weitergegeben, der sie aufbereitet und aus einigen Millionen Einzeldaten bereits nach wenigen Sekunden ein Fernsehbild (Computertomogramm) aufbaut. Bei der CT des Gehirn lassen sich geringe Veränderungen des Hirngewebes infolge von Durchblutungsstörungen, Blutungen, Tumorbildungen u.a. erkennen. Die Untersuchung ist mit einer Strahlenbelastung verbunden und muss im Röntgenpass dokumentiert werden.
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Therapie

Ziel der Behandlung einer Epilepsie ist die Anfallsfreiheit. Diese ist bei Patienten mit leichten Formen und seltenen Anfällen teilweise schon mit einer gesunden Lebensführung zu erreichen. Betroffene sollten alle Provokationsfaktoren vermeiden, die nach Erfahrung einen Anfall auslösen können (z.B. bestimmte Geräusche oder Lichtreize wie Flackerlicht in Diskotheken oder beim Fernsehen, hektische Computerspiele, Stress, zu schnelles Atmen (Hyperventilation)). Ganz wichtig ist ausreichender Schlaf, und gerade Patienten mit einer generalisierten Epilepsie sollten auch einen regelmäßigen Schlafrhythmus mit einer geringen Variation der Einschlaf- und Aufwachzeiten einhalten. Ältere Kinder und Erwachsene können teilweise mittels aktiver Ablenkungstechniken eine Art „Selbstkontrolle“ erlernen, um epileptische Anfälle zu verhindern.

Medikamentöse Behandlung

Ob eine medikamentöse Behandlung der Epilepsie erforderlich ist, entscheidet Ihr Neurologe/Nervenarzt anhand verschiedener Kriterien. Eine medikamentöse Therapie erfolgt, wenn keine behandelbare Grunderkrankung und keine vermeidbaren Provokationsfaktoren der Krampfanfälle erkenn- und damit vermeidbar sind. Ziel der Behandlung ist die Unterdrückung weiterer Anfälle. Nach einem ersten Anfall beträgt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anfalls etwa 40% innerhalb von drei Jahren. Mehr als die Hälfte dieser Anfälle treten in den ersten sechs Monaten auf. Im Einzelfall ist dies aber nicht vorhersehbar. Deshalb rät der Arzt eventuell auch abzuwarten, ob ein zweiter Anfall auftritt, bevor Medikamente eingesetzt werden. Ausnahme: Die Lebensumstände des Patienten verlangen einen sofortigen Beginn oder laut der Ergebnisse apparativer Untersuchungsmethoden finden sich Hinweise auf eine Hirnschädigung als Ursache der Anfälle.

Basieren die epileptischen Anfälle als Folge einer hirnschädigenden Grunderkrankung (symptomatische Epilepsie), muss diese selbstverständlich als Erstes behandelt werden.
Die zur Verfügung stehenden Medikamente zur Behandlung einer Epilepsie selbst bezeichnet man als Antiepileptika oder Antikonvulsiva, die wiederum in klassische (z.B. Carbamazepin, Valproinsäure, Phenytoin, Phenobarbital) und neue (z.B. Topiramat, Lamotrigin, Gabapentin, Oxcarbazepin) Medikamente unterteilt werden. Sie wirken alle vorbeugend der übermäßigen und unkontrollierten elektrischen Aktivität der Gehirnzellen entgegen. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Epilepsie-Form, der Anfallsart, der Einschätzung der möglichen Wirkung/Nebenwirkung sowie den individuellen Patienten-Bedürfnissen. Viele der neuen Antiepileptika besitzen ein gegenüber den klassischen Substanzen verbessertes Nebenwirkungsprofil.

Es gibt unterschiedliche Medikamente, die als Einstiegsmedikament genutzt werden können. Wichtig ist, dass das Medikament konsequent verabreicht wird, die Wirkung und die Nebenwirkungen dokumentiert werden. Das Medikament muss so lange und in einer Dosis bis zur Verträglichkeitsgrenze gegeben werden, bevor es wegen ungenügender Wirksamkeit verworfen werden kann. Nur so lässt sich vermeiden, dass ein Präparat im Laufe der Krankheitsgeschichte immer wieder unzulänglich eingesetzt wird, und keine Fortschritte erzielt werden. Die Therapie sollte daher in der Hand eines einzigen Neurologen/Nervenarztes Ihres Vertrauens liegen. Auch ist Vertrauen die Basis, damit die Medikation vom Patienten angenommen und durchgehalten wird - Fachleute sprechen hier von Patienten-Compliance. Häufiger Arztwechsel führt dazu, dass keine Therapie konsequent verfolgt werden kann.

Schlägt die Medikation mit einem Präparat (Monotherapie) nicht an, sollte bevorzugt eine alternative Monotherapie oder eine kombinierte Therapie mit zwei verschiedenen Wirkstoffen in Erwägung gezogen werden. Das Absetzen des zuerst verwendeten Medikamentes muss immer langsam erfolgen. Bei Kindern sind besondere Aspekte zu bedenken, denn nicht jedes Antiepileptikum ist wie z.B. Topiramat ab 2 Jahren (zur Mono- und Kombinationstherapie) zugelassen.

Chirurgische Eingriffe

Erzielt die medikamentöse Therapie keinen Erfolg, wird die operative Behandelbarkeit geprüft. Bei Patienten, bei denen die Epilepsie auf einzelne Hirnareale streng begrenzt ist (fokale Epilepsie), und die medikamentös nicht ausreichend behandelt werden können, kann prinzipiell eine chirurgische Entfernung des betroffenen Nervengewebes zu einem Heilungserfolg führen. Doch letztendlich müssen mit Hilfe zahlreicher Untersuchungen die „Eignung“ zur Operation (OP) und die voraussichtlichen Erfolgschancen individuell abgeklärt werden. Bei der OP selbst werden die Anfallsherde normalerweise mittels Oberflächen-Elektroenzephalografie durch den Schädelknochen lokalisiert. Zusätzlich müssen jedoch oft Elektroden ins Hirn implantiert werden, damit die Messung genauer wird. Eine Alternative bietet die Magnetenzephalografie (MEG). Da sich mit ihr kleinste Magnetfelder im Gehirn messen lassen, bedarf es bei dieser Methode keiner Elektroden im Hirn. Nach einem chirurgischen Eingriff wird die medikamentöse Therapie häufig weiter erforderlich sein.

Vagus-Nerv-Stimulation

Grenzen sind der Epilepsie-Chirurgie dort gesetzt, wo die epileptischen Anfälle in mehreren Bereichen des Gehirns auftreten. In diesem Fall kann eine Art „Hirnschrittmacher“, die so genannte Vagus-Nerv-Stimulation, eine gute Alternative bieten. Der Vagus-Nerv-Stimulator wird im Schulterbereich implantiert und reizt über elektrische Impulse einen wichtigen Hirnnerv, den Nervus Vagus. Dadurch kommt es zwar selten zur völligen Anfallsfreiheit, aber oft zu einer deutlichen Besserung der Anfallsheftigkeit. Der Behandlungserfolg stellt sich im Verlauf des ersten Jahres ein. Aber auch nach ein bis zwei Jahren kann es noch zu einer wesentlichen Verbesserung der Anfallssituation kommen. Die Erfahrungen im Kindesalter sind noch gering.

Kontrolltermine beim Arzt, bei denen eine körperliche Untersuchung, EEG-Ableitung und Blutkontrollen durchgeführt werden, sollten unbedingt eingehalten werden. Sinnvoll ist es, einen Epilepsie-Notfallausweis mit Angaben zur Epilepsie-Form, Anfallsart und bisheriger sowie aktueller Medikation (Wirkstoff, Dosierung) immer bei sich zu tragen.

Prognose

Die Prognose für die verschiedenen Epilepsie-Formen ist sehr unterschiedlich. Einige Epilepsien haben die Neigung zur Selbstheilung, vor allem wenn eine akute Grunderkrankung als Ursache gefunden wird. Dann bleibt die medikamentöse Behandlung auf sechs bis zwölf Monate begrenzt. Dies gilt auch für “unverdächtige” Anfälle, bei denen der Patient nach dem Anfall neurologisch gesund erscheint und bei der Kernspintomografie bzw. der Computertomografie sowie nach dem EEG keine krankhaften Veränderungen erkennbar sind. Wenn der Arzt allerdings den Verdacht hat, dass es sich um eine langfristige epileptische Störung handelt, wird er eine Behandlung für mindestens 24 Monate vorschlagen.

Etwa 60% der Patienten mit einer fokalen Epilepsie und 80% der Menschen mit einer genetisch bedingten generalisierten Epilepsie erreichen mit Hilfe der medikamentösen Therapie Anfallsfreiheit. Anfallsfreiheit wird bei 50 bis 80% aller Grand-mal-Patienten schon im ersten Jahr der Behandlung erreicht. Bei Absencen ist die Erfolgsquote sogar noch höher. 80 bis 90% werden in ersten Jahr anfallsfrei. Voraussetzung ist eine gute Einstellung der Medikamente. Von den Patienten mit Blitz-Nick-Salaam-Anfällen werden hingegen nur 15 bis 20% anfallsfrei.

Arbeitswelt

Fast alle Menschen mit Epilepsie können einen Beruf erlernen und arbeiten gehen. Für Jugendliche mit Epilepsie, die vor der Berufswahl stehen, ergeben sich jedoch unter Umständen krankheitsbedingte Einschränkungen. Art und Umfang der Einschränkungen hängen von der Häufigkeit epileptischer Anfälle und deren Schwere ab. Von entscheidender Bedeutung ist auch, wie erfolgreich bei dem Betroffenen die antiepileptische Therapie ist. Nach einer Anfallsfreiheit von 2 bis 3 Jahren, bestehen kaum noch Eingrenzungen bei der Berufswahl. Allerdings ist eine besondere Eignungsprüfung notwendig, wenn für die Berufsausübung ein Fahrzeug geführt werden muss.

Nach den Unfallverhütungsvorschriften dürfen einige Berufe von Patienten mit Epilepsie, die nicht sicher anfallsfrei sind, nicht ausgeübt werden:


Berufe, welche Schwindelfreiheit erfordern bzw. eine Absturzgefahr mit sich bringen, z. B. Dachdecker, Gerüstarbeiter

Berufe mit Arbeiten an ungeschützten Maschinen
Berufe mit Arbeiten an Hochöfen
Berufe, die Arbeiten mit ätzenden Flüssigkeiten beinhalten
Berufe, für die das Führen eines Fahrzeugs erforderlich ist
Allerdings ist für jeden einzelnen Patienten die Eignung für einen gewünschten Beruf individuell zu prüfen. Zudem ist es in vielen Fällen möglich, einen Arbeitsplatz durch zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ungefährlicher zu gestalten und damit eine Eignung auch für Epilepsie-Kranke zu erreichen.


Bestehen aufgrund der Schwere der Epilepsie keine oder nur geringe Möglichkeiten auf einen Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft, kann das Angebot so genannter Berufsbildungswerke in Anspruch genommen werden. Auch Förderlehrgänge können einen ersten Schritt in Richtung Berufsausbildung darstellen. Ziel ist immer, den Betroffenen langfristig das Arbeiten in der freien Wirtschaft zu ermöglichen, damit sie selbstständig für ihren Lebensunterhalt aufkommen können.

Etwa 3,5% der anfallskranken Patienten im erwerbsfähigen Alter sind jedoch so stark behindert, dass sie in einer schützenden Wohn- und Arbeitsumgebung leben müssen. Allerdings sind auch hier Förderungen und Betreuungen in speziellen Behindertenwerkstätten möglich.

Bei Bewerbung herrscht MitteilungspflichtBei Bewerbungsgesprächen ist ein Arbeitnehmer bzw. Auszubildender, der an einer Epilepsie leidet und der nicht anfallsfrei ist, verpflichtet, dies dem zukünftigen Arbeitgeber mitzuteilen. Bei ausgeheilter Epilepsie besteht diese Mitteilungspflicht nicht. Leider haben viele Arbeitgeber Bedenken, einen an Epilepsie Erkrankten einzustellen. Häufig bestehen Ängste hinsichtlich der Eigengefährdung des Patienten oder auch der Gefährdung von Kollegen. Hier kann es sehr hilfreich sein, den behandelnden Arzt einzubeziehen, der über Art und Schwere der Epilepsie aufklärt und auch beratend tätig wird, wie einzelne Arbeitsplätze sicherer zu gestalten sind.

Umgestaltung des Arbeitsplatzes

Tritt eine Epilepsie erst im Erwachsenenalter ein, kann unter Umständen die Umgestaltung des Arbeitsplatzes durch zusätzliche sichernde Maßnahmen sinnvoll sein, z. B. durch Entfernung verletzungsträchtiger Gegenstände aus einem Büroraum. Alternativ kommt eine Umschulung in Betracht, wenn der bisherige Beruf aufgrund der Erkrankung nicht mehr ausgeübt werden kann, z.B. Taxi- oder Busfahrer. Eine Umschulung ist bei Arbeitnehmern möglich, die nicht älter als 45 Jahre sind. Zudem sollte diese berufliche Maßnahme immer durch eine entsprechende medizinische Therapie begleitet werden.

Fortsetzung folgt...

Luca Offline




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05.12.2005 23:37
#4 RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

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Sport

Epilepsie-Patienten und ihre Angehörigen befürchten häufig, dass der Sport Anfälle auslöst, die dann zu schweren Unfällen und Verletzungen führen. Keine Sportart ist ohne Unfall- oder Verletzungsrisiko. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass sich die Unfallhäufigkeit von „gesunden“ und epilepsiekranken Menschen nicht unterscheidet. Unfälle von Menschen mit Epilepsie während einer Sportausübung sind nur in den seltensten Fällen auf einen Anfall zurückzuführen.

Das vermehrte Atmen während einer sportlichen Anstrengung ist nicht mit einer Hyperventilation zu vergleichen und löst keine Anfälle aus. Das gleiche gilt für Wasser- und Kochsalzverlust durch starkes Schwitzen und verstärkte Muskeltätigkeit.
Nur extreme physische und psychische Belastungen, wie sie z.B. bei manchen Leistungssportarten gefordert werden, können das Auftreten von Anfällen begünstigen. Es gibt keine objektiven Kriterien für die individuelle Belastbarkeit. Hier muss jeder sein eigenes Maß finden und seine persönlichen Grenzen erkennen.

Bei häufigen Anfällen, die nicht einschätzbar sind, sollte man genau überlegen, welche Gefährdungen bei dem gewählten Sport auftreten können. Große Gefahren sollte man umgehen, gewisse Vorsichtsmaßnahmen sollten immer beachtet werden:

Schwimmen und Baden sollte nur unter Einzelaufsicht stattfinden, auch in flachen Gewässern. Während eines Krampfanfalls können die Patienten sonst rasch untergehen und ertrinken.
Geräteturnen immer mit Hilfestellung und dicker Matte durchführen.
Beim Wintersport sollte die Gefahr im Sessellift berücksichtigt werden. Eine größere Sicherheit bietet bei steilen Abfahrtsläufen und beim schnellen Schlittschuhlaufen ein Helm (Fahrrad- oder Eishockeyhelm).
Sportarten mit erhöhter Absturzgefahr (z.B. Klettern, Fallschirmspringen) sollten vermieden werden, ebenso Tauchen.
Falls eine (Leistungs-)Sportart zu einer Gefährdung oder sogar zu einer Zunahme der Anfälle führt, heißt dies nicht unbedingt, dass diese Sportart nicht mehr ausgeübt werden kann. Es sollte hingegen versucht werden, die entsprechenden Übungen etwas zu verändern oder zeitlich zu begrenzen.
Für die Entscheidung zu einer Sportart ist neben der Anfallsart auch zu beobachten, ob durch Antiepileptika eventuell Koordinationsstörungen vorliegen, die Sie/Ihr Kind bei bestimmten Sportarten überfordern würden. In manchen Fällen kann diese Störung durch eine bessere medikamentöse Einstellung behoben werden.
Manchmal ist zu Beginn der Erkrankung eine begrenzte Befreiung von bestimmten Sportarten nötig, bis die Diagnose und Therapieart klar sind. Dies sollte zusammen mit dem behandelnden Arzt abgewogen werden.
Leichtathletik, Bodenturnen, Ausdauersportarten und Ballspiele (außer Kopfballtraining) sind im Allgemeinen uneingeschränkt möglich. Epilepsie-Patienten sollten allerdings nicht an ihre Leistungsgrenzen gehen, um Anfälle aufgrund von Ermüdung zu vermeiden.

Für Aufsichtspersonen gilt:

Es gibt viele Sportarten, bei denen für alle Teilnehmer Schutzvorschriften gelten. Diese sollten natürlich von Menschen mit Epilepsie besonders beachtet werden (Schwimmweste beim Segeln, Kappe beim Reiten, Helm beim Radfahren, etc.). Bei Unfällen durch Anfälle haften Aufsichtspersonen nur bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit. Ihre Verantwortung liegt nicht darin, jedes Risiko vom Betroffenen fernzuhalten. Es ist nicht möglich, einen Menschen mit Epilepsie auf Schritt und Tritt zu beaufsichtigen.

Liebe & Sexualität

Noch immer ist die Ansicht weit verbreitet, dass sexuelle Aktivität dass Anfallsrisiko erhöht. Doch ganz im Gegenteil, Liebe, Partnerschaft und selbstverständlich auch Sexualität in einer harmonischen Beziehung können sich äußerst positiv auf das seelische Gleichgewicht und damit auch auf das Anfallsgeschehen auswirken. Wichtig für den Aufbau einer harmonischen Beziehung ist jedoch, dass der Partner des an Epilepsie leidenden Menschen ausreichend über die Erkrankung informiert ist und die eventuell auftretenden Probleme offen angesprochen werden.

Sexuelle Unzufriedenheit liegt häufig in der Psyche begründet. Epilepsiekranke Menschen lehnen aufgrund ihrer Krankheit oft ihren Körper ab und sind von schweren Selbstzweifeln geplagt. Starke Ängste, während des Geschlechtsverkehrs einen Anfall zu bekommen, lassen vor allem Frauen mit Epilepsie sexuell zurückhaltend reagieren. Sie fürchten, gerade einem neuen, bislang noch nicht über ihre Erkrankung aufgeklärten Partner im Anfall ein abschreckendes Bild zu bieten und ihn dadurch zu verlieren.
Auch Nebenwirkungen der antiepileptischen Medikamente können eine Ursache für sexuelle Probleme sein. Einige Präparate – meist klassische Antiepileptika - beeinflussen die für die Sexualität des Mannes wichtigen hormonellen Prozesse (z.B. die körpereigene Bildung und Ausschüttung von Testosteron). Dadurch können sie vor allem bei Männern mit fokalen, also von einem bestimmten Bezirk des Gehirns ausgehenden Epilepsien, ein verringertes Lustgefühl (Libido) sowie deutliche Störungen in der Sexualfunktion bewirken. Ihr Neurologe/Nervenarzt berät Sie hinsichtlich medikamentöser Alternativen.

Wechselwirkungen zwischen „Pille“ und Antiepileptika
Die Wirksamkeit der „Pille“ kann bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antiepileptika beeinträchtigt werden. Neuere Antiepileptika beeinflussen die „Pille“ in der Regel nicht. Ihr Neurologe/Nervenarzt bzw. Frauenarzt wird Sie diesbezüglich beraten.

Epilepsie & Kinderwunsch

Epilepsie ist bis auf seltene Ausnahmen keine Erbkrankheit. Bei Kindern epilepsiekranker Eltern ist jedoch das Risiko erhöht, selbst an Epilepsie zu erkranken, da eine erhöhte Bereitschaft zu Anfällen übertragen werden kann. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei einem betroffenen Elternteil im Durchschnitt bei ca. 5% und ist stark abhängig von der Anfallsart. Sind beide Elternteile von der Erkrankung betroffen, steigt das Risiko auf ca. 15% an.

Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten auf jeden Fall eine neurologische Beratung erfolgen. Bei Kinderwunsch sollte eine an Epilepsie erkrankte Frau mit ihrem behandelnden Arzt über die schonendste wirksame Epilepsie-Behandlung reden. Es sollten solche Medikamente ausgesucht werden, welche die geringste Schädigungsmöglichkeit für das geplante Kind mit sich bringen. Allerdings sollte durch einen solchen Medikamentenwechsel eine Anfallsverschlechterung für ein bislang gutes Therapieergebnis nicht in Kauf genommen werden. Mehr als 90% der Schwangerschaften verlaufen bei Frauen mit Epilepsie komplikationslos. Bei rund 5% der Patientinnen tritt sogar während der Schwangerschaft eine Verbesserung der Anfallshäufigkeit und -intensität ein. Nur in ca. 10% der Fälle kommt es zu einer deutlichen Verschlimmerung der Anfallssituation. Möglicherweise ist diese Zahl auch darauf zurückzuführen, dass einige Schwangere aus Angst vor einer Schädigung ihres Kindes die Medikamenten-Dosis auf eigene Faust reduzieren. Das Risiko einer Schädigung des Kindes ist bei unkontrollierten Krampfanfällen jedoch deutlich höher als das Risiko, welches von der Medikamenten-Einnahme bei einer sorgfältigen Planung ausgeht. Veränderungen des Stoffwechsels während der Schwangerschaft können zu einem Absinken des Blutspiegels der Medikamente führen. Daher sollte dieser während der Schwangerschaft häufiger kontrolliert werden. Möglicherweise ist eine Dosisanpassung erforderlich.

Risiko einer Fehlbildung

Eltern mit Epilepsie haben ein geringfügig höheres Risiko ein Kind mit Fehlbildungen zur Welt zu bringen. Auch für einzelne Medikamente ist eine Schädigungsmöglichkeit für das ungeborene Kind bekannt. Da generalisierte tonisch-klonische Anfälle während der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind schaden können, sollten diese so weit wie möglich vermieden werden. Deshalb ist es wichtig, die medikamentöse Therapie trotz des dadurch zusätzlich erhöhten Risikos beizubehalten. Eine Risiko-Minimierung kann teilweise durch ein Verteilen der Gesamt-Tagesdosis an Medikamenten auf möglichst drei Einzelportionen erreicht werden. Häufiges Erbrechen, wie es zu Beginn einer Schwangerschaft häufig auftritt, kann ebenfalls dazu führen, dass der Blutspiegel der Wirkstoffe absinkt und dadurch vermehrt Anfälle auftreten. Gegebenenfalls sollten die Einnahmezeiten der Medikamente nach Absprache mit dem Arzt dem Verlauf des Übelkeitsgefühls angepasst werden.

Geburt & die ersten Monate

Unter der Geburt steigt das Risiko eines epileptischen Anfalls an, doch bei den meisten epilepsiekranken Frauen verläuft sie nicht schwieriger als bei anderen Gebärenden. Neben einer guten Geburtsvorbereitung ist es wichtig, die Geburtshelfer über die Epilepsie und evt. Medikamente aufzuklären. Unbedingt ist daran zu denken, im Kreissaal die Antiepileptika weiter einzunehmen.

Grundsätzlich kann jede Mutter, die Antiepileptika einnehmen muss, ihr Baby stillen. Bei nicht gestillten Kindern können nach der Geburt „medikamentöse Entzugserscheinungen“ auftreten, wie Unruhe, Schreien, Zittern, Zucken, Spucken, Erbrechen oder erhöhte Muskelspannung. Durch die Muttermilch können diese Verhaltensauffälligkeiten, die sonst manchmal Wochen anhalten, deutlich gebessert werden. Bei einer hochdosierten Behandlung der Mutter und der sich daraus ergebenden dämpfenden „Nebenwirkung“ der Muttermilch kann aufgrund einer Trinkschwäche des Säuglings das Stillen unmöglich werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch unter www.frauen-und-psychiatrie.de.

Um eine Gefährdung des Kindes und vor allem die eigene Angst zu minimieren, können sich epilepsiekranke Eltern beim Umgang mit ihrem Säugling kleine Vorsichtsmaßnahmen überlegen. Beispielsweise kann das Kind auf dem Boden gewickelt werden, sollte es nicht alleine gebadet werden und möglichst nur im Sitzen auf dem Arm gehalten werden.

Verkehrsteilnahme

So lange das Risiko spontan auftretender epileptischer Anfälle oder anfallsartig auf­tretender Bewusstseinsstörungen besteht, ist die Teilnahme am Straßenverkehr als Führer eines Fahrrads, Mofas, Motorrads, PKWs, LKWs nicht möglich. Die Anfälle können jederzeit unvorhersehbar und für den Fahrzeighalter unabwendbar passieren und gefährlichen Reaktionen nach sich ziehen. Die Gefahr, die von einem Anfall während der Fahrt ausgeht, ist so hoch, dass auch langjähriges unfallfreies Fahren der an Epilepsie erkrankten Person diese Feststellung nicht widerlegt.

Ob eine besondere Gefahrenlage durch ein Anfallsleiden besteht, ist stets im Einzelfall zu klären. Dem Betroffenen muss zugemutet werden, einen angeblich günstigen Krankheitsverlauf zu belegen. Aus ärztlicher Sicht darf das Kriterium einer eventuell positiven Beurteilung nicht allein die vom Erkrankten selbst behauptete Zeit der Anfallsfreiheit sein. Die Angabe muss vielmehr durch den Nachweis einer regelmäßigen ärztlichen Überwachung und – soweit möglich – durch die Beobachtung von Bekannten und Angehörigen gesichert werden.

Für alle Fahrerlaubnis-Inhaber sind Kontrolluntersuchungen in Abständen von 1, 2 und 4 Jahren erforderlich.

Genuss von Alkohol

Der Konsum von Alkohol kann sich bei Epilepsie-Patienten negativ auswirken. Es besteht gerade bei abklingendem Alkohol-Spiegel eine erhöhte Gefahr für Anfälle. Auch wenn nicht eindeutig geklärt ist, ob die vermehrten Anfälle nur vom Alkohol kommen oder durch den oft damit verbundenen Schlafmangel und/oder unregelmäßige Tabletteneinnahme hervorgerufen werden, ist bei Alkohol absolute Vorsicht geboten.

Gefährliche Wechselwirkung mit Antiepileptika

Alkohol ist eine Droge. Seine Wirkung ist individuell verschieden. Allerdings können Menschen, die Medikamente mit Wirkung auf das Gehirn (z.B. Antiepileptika) einnehmen, wesentlich empfindlicher auf Alkohol reagieren. Die berauschende und gleichzeitig dämpfende Wirkung von Alkohol verstärkt sich mit der ähnlichen Wirkung vieler Mittel gegen Epilepsien und umgekehrt. Der Spiegel der meisten Antiepileptika im Blut wird durch mäßigen Alkoholgenuss nicht beeinflusst. Es kann aber eine Verstärkung der unerwünschten (Neben-)Wirkungen dieser Mittel wie Doppelsichtigkeit, Schläfrigkeit, Gleichgewichtsstörungen eintreten. Hochprozentige Getränke sollten unabhängig von diesen Wechselwirkungen gemieden werden, weil dadurch u.a. auch das Schlafprofil gestört wird.

Fortsetzung folgt...

Luca Offline




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05.12.2005 23:41
#5 RE: Weiteres über Epilepsie! antworten

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Epilepsie & Reisen


Schlafentzug und Enge im Flugzeug, aber auch Menschengewirr, Lärm und Stress in Flughäfen können selbst bei gut eingestellten Patienten epileptische Anfälle auslösen.

Das Flugpersonal sollte unbedingt vor dem Abflug von der Erkrankung unterrichtet werden, damit ein möglicher Anfall richtig gewertet und nicht gar als potenzieller Angriff angesehen wird.

Bei hoher Anfallshäufigkeit sollte man nur in Begleitung reisen.

Notfallmedikamente sollten wie auch das Therapiekonzept und der Behandlungsplan gut erreichbar mitgeführt werden.

Ein Facharzt am Urlaubsort sollte vorab ausfindig gemacht werden.

Sinnvoll ist es, einen Epilepsie-Notfallausweis mit Angaben zur Epilepsie-Form, Anfallsart und bisheriger sowie aktueller Medikation (Wirkstoff, Dosierung) immer bei sich zu tragen.


Informationen für Angehörige

Die Diagnose einer chronischen Erkrankung bedeutet immer eine schwere Belastung des Patienten und seines Umfeldes. Sie wirft – je nach Art, Ausprägung und Persönlichkeit - Betroffene nicht selten sozial, schulisch bzw. beruflich aus der Bahn. Die Krankheit Epilepsie ist zudem stark von negativen Vorurteilen geprägt. So befanden bei einer Umfrage 1996 noch 27% der Befragten, dass Kinder mit Epilepsie eine Sonderschule besuchen sollten, 20% hielten Epilepsie für eine Geisteskrankheit.

Aus Angst vor solchen Vorurteilen versuchen viele Betroffene, Eltern und Angehörige, mit allen Mitteln die Krankheit vor der Umwelt zu verheimlichen. Doch Verheimlichungen helfen dem Epilepsie-Kranken nicht, seine soziale Integration zu bewältigen. Aus Furcht vor Diskriminierung geben z.B. viele Eltern die Epilepsie ihres Kindes, gerade beim Besuch weiterführender Schulen nicht an. Dabei ist es wichtig, dass ein Lehrer bestimmte Anfälle, besonders die unauffälligen Absencen nicht als Aufmerksamkeitsstörungen abtut.
Denn jedes 2. Kind mit Epilepsie hat Schul- und Lernschwierigkeiten. Ursache können neben der Krankheit selbst, Medikamente, familiäre oder psychosoziale Aspekte sein. Um Fehleinschätzungen zu verhindern, ist es erforderlich, dass sich Eltern, Lehrer und Erzieher genau über die Krankheit sowie über das spezielle Krankheitsbild des Kindes informieren.


Wichtig ist es generell, die Persönlichkeit epilepsiekranker Kinder zu stärken und selbstbewusst mit der Krankheit umzugehen. Es zeigt sich aber, dass alle Eltern von epilepsiekranken Kindern überbesorgt sind. Übertriebene Fürsorge und Ängstlichkeit aber verunsichern das Kind und erschweren es ihm, mögliche Schamgefühle abzubauen, unabhängig zu werden und seine Epilepsie als natürlich hinzunehmen. Auch Partner und Angehörige erwachsener Epilepsie-Patienten sollten den Betroffenen mit viel Verständnis für ihre – teils anerzogenen – Komplexe begegnen und eventuell vorhandenen Selbstzweifeln entgegenwirken.

Wichtige Hinweise

Ein Epilepsie-Leiden ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Selbst Patienten, die nur selten einen Anfall haben, müssen immer darauf gefasst sein. Sie sollten alle Aktivitäten vermeiden, bei denen ein Anfall gefährlich sein könnte, zum Beispiel Radfahren auf Verkehrsstraßen ohne Helm, unbeaufsichtigt Schwimmen, unbeaufsichtigt ein Bad nehmen, Bergsteigen usw.

Das nähere Umfeld sollte über die Krankheit fundiert aufgeklärt sein und die Wohnung sollte sicher gestaltet sein. Aufgrund der bestehenden Sturzgefahr sollten keine spitzen Gegenstände rumstehen und scharfe Kanten an Möbeln geschützt sein. Speziell die Badezimmer-Tür sollte nicht abgeschlossen werden, Topfgriffe sollten beim Kochen grundsätzlich nach hinten gedreht werden. Von Bahngleisen und Flüssen etc. ist gebührender Abstand zu halten. Rauchen sollte – abgesehen von den gesundheitlichen Auswirkungen - aufgrund des erhöhten Brandrisikos vermieden werden.

Bücher zum Thema

“Epilepsie: Antworten auf die häufigsten Fragen. Hilfreiche Informationen für Betroffene und Angehörige“
Günter Krämer, Trias–Verlag, 2000
ISBN: 3-893735-860, ca. 19 Euro

„Diagnose Epilepsie“
Günter Krämer, Trias-Verlag, 2003
ISBN: 3-830430-779, ca. 15 Euro

„Epilepsie von A-Z“
Günter Krämer, Trias-Verlag, 2004
ISBN: 3-893432-291, ca. 20 Euro

„Epilepsie und Kinderwunsch“
Sibylle Ried, Gertrud Beck-Mannagetta, Dietz Rating, Thieme Verlag, 2003
ISBN: 3-131379-529, ca. 15 Euro

Handbuch „Epilepsie und Arbeit“ (Loseblattsammlung)
Norbert van Kampen, Heike Elsner, Klaus Göcke
Initiative des Epilepsiezentrums Hamburg und der Deutschen Epilepsievereinigung
Das Buch liegt an allen Arbeitsämtern aus. Sollte es vergriffen sein, kann es bei der Deutschen Epilepsievereinigung e.V. unter der Faxnummer: 030 / 3424466 auch kostenlos bestellt werden

Quelle:
alle Artikel habe ich bei Neurologen und Psychater im Netz gefunden!


Gruß
Luca

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