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 °° Epilepsie allgemein °°
Luca Offline




Beiträge: 10.600

07.11.2005 22:12
RE: Netzwerk Familie Antworten

Netzwerk Familie

Das Kind sagt: Ich bin 10 Jahre alt und gehe in die 4. Klasse. Mein Lieblingsfach ist Mathe. Musik macht Spaß. Sport mache ich nicht so gern. Morgens, mittags und abends nehme ich Tabletten. Wenn ich sie nicht nehme, könnte ich Anfälle kriegen. Dass ich einen Anfall hatte, merke ich, wenn ich aufwache, meine Mutter ist da und ich habe schreckliche Kopfschmerzen. Ich hatte noch nie einen Anfall im Unterricht. Meistens kriege ich sie nachts oder abends beim Einschlafen. Heute nach der Schule reden wir über die Klassenfahrt. Meine Lehrerin kommt zu uns. Alles muss abgesprochen werden wegen meiner Anfälle. Das geht mir manchmal echt auf den Keks. Ich würde mich lieber mit meinem Freund verabreden.

Die Mutter sagt: Hoffentlich geht alles gut. Ich will ja, dass er die Klassenfahrt mit macht und in der Klassengemeinschaft klar kommt. Er hat es eh nicht so einfach. So normal wie möglich soll er aufwachsen. Ich sage mir immer wieder: Es ist meine Angst. Nicht seine. Damit muss ich klarkommen. Nicht er. Ich will ihn damit nicht belasten. Alles muss gut organisiert werden. Er kriegt eine Begleitperson, die mitfährt und sich auskennt und die ihn gut kennt.

Der Vater sagt: Ich verstehe Deine Angst. Hab ja selber welche. Aber es ist wie es ist und was sein wird, werden wir schon merken. Hat keinen Zweck, sich schon vorher verrückt zu machen, damit versaut man sich das Leben. Und was könnt im schlimmsten Fall passieren? Dass er einen Anfall kriegt und dort ins Krankenhaus muss. Ist das schlimm? Das kann ihm doch auch hier passieren.

Der Bruder sagt: Geil, ne Woche lang Einzelkind! Mein Bruder ist ja ganz nett, aber manchmal nervt er mich auch tierisch.

Die Großmutter sagt: Meine Güte, er ist doch noch so klein. Muss er denn mit auf Klassenfahrt? Kannst Du ihn nicht zu Hause behalten?

Der Großvater sagt gar nichts. Er geht mit seinen Enkeln in den Garten und zündet ein Herbstfeuer an, obwohl das verboten ist. Dann schenkt er jedem 5 Euro, weil er seine beiden Enkel gleich lieb hat und ein Mann nie ohne Kleingeld in der Tasche auf Reisen gehen sollte.

Die Lehrerin sagt: Es ist sehr wichtig, dass er die Klassenfahrt mitmacht, seine Sonderrolle in der Klasse sollte nicht noch größer werden. Ich würde die Verantwortung nicht übernehmen, wenn die Klasse noch größer wäre. Aber die Betreuungssituation bei der Fahrt ist gut. 20 Kinder und 3 Pädagogen und dann noch zusätzlich die Einzelfallhelferin, die weiß, was im Notfall unternommen werden muss. Die Eltern sind auch in Ordnung, man kann mit ihnen reden. Und der Junge geht selbstbewusst mit seiner Epilepsie um. War schon ein starker Auftritt vor seiner Klasse, als er diesen Epilepsie-Film gezeigt hat.

Der Arzt sagt: Er hat eine schwer einstellbare Epilepsie. Zukunftsprognosen zu stellen, ist schwierig. Insgesamt hat sich mein kleiner Patient in den vielen Jahren, in denen ich ihn kenne, überraschend gut entwickelt. Da sieht man mal wieder, wie wichtig eine positives Umfeld und eine positive Familie ist.

Brigitte Lengert

Quelle: deutsche Epilepsievereinigung

Gruß
Luca:harmonie:

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