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 °° Epilepsie allgemein °°
Luca Offline




Beiträge: 10.600

05.11.2005 12:23
RE: Vielversprechend bei Epilepsie: TOPIRAMAT antworten

Das Wichtigste über Topiramat

Zusammenfassung:

Topiramat ist ein neues Medikamente gegen Epilepsie und ein Mittel der ersten Wahl bei allen Formen der Epilepsie.

Es führt bei Neueinstellungen bei richtigem Einsatz in über 60% zu dauerhafter Anfallsfreiheit.

Topiramat ist allgemein gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdig-keit, Schwindel, Gewichts-abnahme und Kribbelgefühle an Händen und Füßen. Selten kann es zur Bildung von Nierensteinen kommen.

Topiramat wird als einziges Medikament (Monotherapie) und als Zusatzmedikament in der Behandlung aller Epilepsieformen eingesetzt.

Topiramat kann mit allen anderen Anti-Epilepsie-Medikamenten kombiniert werden, wenn dies notwendig ist.

Topiramat ist ein Medikament, das nur zweimal pro Tag gegeben werden muss.

Topiramat kann durch andere Medikamente in seiner Wirksamkeit beeinflusst werden. Bei gleichzeitiger Anwendung von Carbamazepin oder Phenytoin oder Barbituraten sollte eine Dosiserhöhung von Topiramat vorgenommen werden.

Die Wirkung der Antibabypille wird durch Topiramat bis zu einer Dosis von 200 mg/Tag (in der Monotherapie) nicht abgeschwächt, so dass eine andere Verhütungsmethode zusätzlich oder stattdessen nur oberhalb dieser Dosis nötig ist.

In der Schwangerschaft kann Topiramat nach den vorliegenden Daten angewendet werden. Die verfügbaren Daten sind jedoch noch zu gering um eine genaue Risikoein-schätzung vornehmen zu können.

Unter welchem Namen ist Topiramat im Handel erhältlich?
Topiramat ist als Topamax® in Deutschland erhältlich.

Wie wirkt Topiramat?

Topiramat ist ein Medikament, das die Erregungsleitung von Nervenzellen auf verschiedenen Ebenen hemmt.

In Nervenzellen sind verschiedene Ionen, das heißt Bestandteile von Blutsalzen, für die Vermittlung der Erregung zuständig. Beispiele sind Natrium, Kalium, Kalzium und Chlorid. Durch kleine Kanäle in der Wand einer Nervenzelle kann Natrium in die Zellen gelangen und zu einer "Umpolung" der Spannung über der Zellmembran führen von innen negativ zu innen positiv. Durch diesen Vorgang wird die Erregung in Nervenzellen geleitet. Durch die Blockade dieser Kanäle hemmt Topiramat die Ausbreitung einer Erregung in Nervenzellen.

Zudem verhindert es die Übertragung von Erregungen von einer Nervenzelle auf die andere, indem es die Überträgersubstanz Glutamat hemmt. Zudem wird die Wirkung hemmender Nervenimpulse verstärkt. Zwei weitere Wirkmechnaismen sind bekannt, nämlich die Hemmung eins Enzyms, der so genannten Carboanhydrase, und die Beeinflussung von Kalzium-Kanälen in der Zellwand.

Welche Anfälle/Epilepsieformen lassen sich mit Topiramat behandeln?

Topiramat ist ein Medikament, das in der Behandlung sowohl herdförmiger als auch generalisierter Epilepsien gute Erfolge zeigt. Es kann als einziges Medikament gegeben werden (Monotherapie) oder in Kombination mit anderen Medikamenten. Insgesamt ist Topiramat ein Medikament mit breiter Wirksamkeit gegen Epilepsie, so dass es bei nahezu allen Patienten eingesetzt werden kann.

Für wen ist Topiramat zugelassen?

Topiramat ist für Patienten ab 2 Jahren zugelassen zur Behandlung neu festgesteller Epilepsie oder zur Zusatzbehandlung bei fokalen Anfällen, primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und beim Lennox-Gastaut-Syndrom.

Wer darf nicht mit Topiramat behandelt werden?

Topiramat darf bei einer Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Topiramat oder einen der Hilfsstoffe in der Tablette nicht gegeben werden. Zudem sollte es bei Kindern unter 2 Jahren nicht gegeben werden, da zu wenig Erfahrungen vorliegen. Vorsichtig sollte man sein bei Patienten mit Nierensteinen oder schweren Leberfunktionsstörung. Bei Schwangeren sollte der Einsatz sorgfältig überdacht werden.

Wie gut wirkt Topiramat?

Topiramat ist ein neues Medikament in der Epilepsie-Behandlung, daher ist die Erfahrung insbesondere in der Langzeitbehandlung noch nicht so groß. Trotzdem kann man sagen, dass Topiramat in der Behandlung generalisierter Epilepsieformen in der Monotherapie genauso gut wirkt wie Valproinsäure. Bei herdförmigen Epilepsien wirkt es genauso gut wie Carbamazepin. In der Kombinationstherapie ist es vergleichbar mit anderen Medikamenten. In ausreichender Dosierung werden je nach Anfallsart bis über 60% der Patienten in einer ersten Monotherapie, das heißt bei Behandlung mit Topiramat als einzigem Medikament, anfallsfrei. Topiramat gibt es nur als Tabletten, so dass eine rasche Aufdosierung als Infusion z.B. im Status epilepticus oder bei einer Anfallsserie nicht möglich ist.

Ein Vorteil von Topiramat ist, dass es gut mit anderen Medikamenten kombiniert werden kann.

Was sind die wichtigsten Nebenwirkungen von Topiramat?

Topiramat ist allgemein gut verträglich.

Es kann zu Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Schwindel und Kribbelmissempfindungen in Händen und Füßen kommen. Selten sind Gedächtnisstörungen und das Auftreten von Nierensteinen, das bei weniger als 1,0% der Patienten auftritt. Müdigkeit, Sprach- oder Sprechstörungen und eine Verlangsamung in der Aufdosierung gehen im Allgemeinen zurück, wenn das Medikament langsamer aufdosiert wird. Weiterhin kommen Appetitarmut, Kopfschmerzen, Doppelbilder und Stimmungsschwankungen vor.

Wie wird Topiramat aufdosiert?

Topiramat sollte langsam aufdosiert werden, damit Nebenwirkungen nicht oder nur leicht auftreten.

Üblicherweise beginnt man mit 25 mg/Tag in der ersten Woche. Danach steigert man um 25 mg/Tag wöchentlich.

Bei Kindern gibt man 0,5-1 mg/kg Körpergewicht pro Tag und steigert dann alle 1-2 Wochen um 0,5-1 mg/kg.

Welche Tagesdosen sind sinnvoll?
Wie bei den meisten Anti-Epilepsie-Medikamenten, wird auch bei Topiramat zunächst auf mittlere Dosisbereiche aufdosiert.

Angestrebt werden folgende Dosisbereiche:

In der Monotherapie bei Erwachsenen gelten 100 mg als erste Zieldosis; Topiramat kann aber auch auf bis zu 200 mg/Tag (Monotherapie) gesteigert werden. In der Zusatztherapie ist die übliche Dosis 200-400 mg/Tag wenn Topiramat mit Carbamazepin oder Phenytoin oder Barbiturat kombiniert wird.

Bei Kindern gibt man in der Monotherapie zunächst 3-6 mg/kg pro Tag, in der Kombination mit anderen Medikamenten 5-9 mg/kg pro Tag, aber Dosierungen bis zu 30 mg/kg pro Tag wurden schon gegeben und allgemein gut vertragen.

Gibt es Wechselwirkungen oder Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten (hauptsächlich anderen Anti-Epilepsie-Medikamenten)?
Topiramat selber wird durch anderen Medikamente beeinflusst. Medikamente, die in der Leber den Abbau von anderen Substanzen beschleunigen, z.B. die Anti-Epilepsie-Medikamente Carbamazepin und Phenytoin, verringern die Verweildauer von Topiramat im Körper, so dass die Dosis vom Topiramat erhöht werden muss. Die Spiegel von Digoxin, einem Herz-Präparat, können unter Topiramat absinken, so dass Spiegelkontrollen und ggf. eine Dosisanpassung nötig sind. Metformin, ein Diabetes-Medikament, kann unter Behandlung mit Topiramat ansteigen, so dass die Kontrolle der Zuckerwerte und der Einstellung der Zuckerkrankheit engmaschig erfolgen sollten.

Andere Medikamente, die zu Nierensteinen führen können, sollten mit Vorsicht eingesetzt werden. Dies sind insbesondere Triamteren, Zonisamid, Acetazolamid und Vitamin C in einer Dosis von mehr als 2 g/Tag (mehr als ½ Teelöffel).

Ist es sinnvoll, die Blutspiegel zu kontrollieren?
Eine Kontrolle von Topiramat-Spiegeln ist nicht sinnvoll oder nötig.

Gibt es in der Schwangerschaft etwas zu beachten?
Schwangerschaften bei Epilepsie-Patientinnen sind generell Risikoschwangerschaften, da das Kind durch gewisse Medikamente gefährdet sein kann.

Topiramat ist ein Medikament, das in der Schwangerschaft derzeit gegeben werden kann. Es muss allerdings gesagt werden, dass die Datenlage noch nicht abschleißend beurteilt werden kann, da noch nicht genügend Schwangerschaftsverläufe untersucht sind, um endgültige Aussagen treffen zu können.

Die bisherigen Daten aus menschlichen Schwangerschaften legen bisher den Verdacht nicht nahe, dass Topiramat eine schädigende Wirkung hat. Allerdings gibt es Tierversuche, bei dem es zu einer erhöhten Fehlbildungsrate gekommen ist. Daher ist es derzeit nicht möglich, eine endgültige Einschätzung zu Topiramat in der Schwangerschaft zu geben. Ein Beratungsgespräch vor einer Schwangerschaft ist in jedem Fall anzuraten.

Umstritten ist, ob die Einnahme von Folsäure (2,5-5 mg/Tag) einen zusätzlichen Schutz bietet und daher bei Frauen, die Topiramat nehmen, aktuell empfohlen werden sollte.

Vermieden werden sollte in jedem Fall - wenn dies möglich ist - die Einnahme von mehreren Medikamenten gegen Epilepsie gleichzeitig, da sie zu einer deutlichen Steigerung des Risikos führt.

Muss man sonst noch etwas beachten?

Topiramat kann, insbesondere bei hoher Dosierung das Reaktionsvermögen herabsetzen. Daher muss beim Führen eines Fahrzeuges (soweit dies erlaubt ist!) oder der Bedienung von Maschinen bedacht werden, dass es zu Gefahrensituationen kommen kann und entsprechend vorsichtig gehandelt werden bzw. die Tätigkeit kann bei entsprechender Nebenwirkung nicht ausgeübt werden.

Hinweis:

Die Medizin als Wissenschaft und somit auch die Epileptologie sind durch dauernden Zugewinn an Forschungsergebnissen einem ständigen Wandel unterworfen. Die genannten Daten gelten daher nur zum Zeitpunkt der Herausgabe dieser Patienteninformation. In unregelmäßigen Abständen oder dann, wenn sich Wesentliches ändert, wird diese Patienteninformation überarbeitet und als neue Version zur Verfügung gestellt. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir daher nur die jeweils aktuelle Version empfehlen können. Jegliche Haftung für die hier veröffentlichten Informationen wird abgelehnt.

Die hier dargelegten Informationen wurden nach bestem Wissen recherchiert. Trotzdem kann es zu Fehlern kommen, die sich z.B. aus Schreib- oder Übertragungsfehlern ergeben. Daher wird jeder Benutzer aufgefordert, sich im Zweifel andere Literatur zusätzlich zu besorgen und Angaben zu überprüfen.

Fachinformationen für Ärzte finden sich unter anderem unter:

Antikonvulsiva Topiramat

Zusätzliche Informationen bietet die Packungsbeilage des Medikaments. Zudem können Sie Ihren behandelnden Arzt oder den Apotheker fragen.

Herausgeber: Prof. Dr. A. Hufnagel


Gruß
Luca:Blume:

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