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Luca Offline




Beiträge: 10.600

29.10.2005 10:34
RE: weiteres über Epilepsie antworten

Moin,

das habe ich heute im Netz gefunden:

Epilepsie

Allgemeines

Unter Epilepsie versteht man eine Reihe von Krankheitsbildern, denen das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle gemeinsam ist. Es handelt sich um die häufigste chronische Erkrankung des Zentralnervensystems. Trotz unübersehbarer Fortschritte der naturwissenschaftlich orientierten Medizin verbinden viele mit dem Begriff Epilepsie noch etwas Mystisches, Rätselhaftes und Unheimliches.

Die Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten. Circa 1 % aller Menschen sind von epileptischen Anfällen betroffen. Bei ca. 75% der Epileptiker treten die ersten epileptischen Anfälle bereits im Kindes- oder Jugendalter auf. Dabei müssen diese unterschieden werden von ähnlichen anfallsartigen Bewusstseins- oder Verhaltensstörungen (Affektkrämpfen). Bei 4% der Kinder kommen Gelegenheitskrämpfe vor.
Der Arzt verwendet anstelle des Ausdrucks ‚epileptisch’ häufig den Begriff „zerebraler“ Anfall (aus dem Lateinischen, cerebrum = Gehirn). Dadurch wird deutlich, dass es sich um Anfälle handelt, die ihren Ursprung in einer vorübergehend gestörten Hirntätigkeit haben.



Die Krampfbereitschaft an sich ist eine generelle Eigenschaft des menschlichen Gehirns. Bei jedem Menschen kann unter bestimmten Voraussetzungen ein epileptischer Anfall ausgelöst werden. Man könnte einen Anfall auch als eine Art Gewitter im Kopf bezeichnen: Wie bei einem Gewitter kommt es zu einer übermäßigen elektrischen Entladung der Nervenzellen im Gehirn. Je nachdem, welche und wie viele Nervenzellen beteiligt sind, äußert sich das in kleineren oder größeren Krampfanfällen oder auch nur in kurzfristigen Bewusstseins- oder Empfindungsstörungen!

Ursachen

Man kennt oftmals nicht den genauen Grund einer Epilepsie. Warum es zum Entladen einzelner Nervenzellen kommt, weiß man noch nicht. Veränderungen im Bau der Nervenzelle oder Störungen im Stoffwechsel der Zelle können die Anfallsbereitschaft erhöhen. Reifungsvorgänge des kindlichen Gehirns können bei der Tätigkeit der Nervenzellen eine Rolle spielen. Deshalb treten viele Epilepsien bei Kindern altersgebunden auf.
Ebenso erhöhen Schlafentzug oder Infekte – wie sie im Kindesalter oft vorkommen - ebenfalls die Anfallsbereitschaft. In der Regel gibt es nicht nur eine einzelne Ursache. Begünstigende Anlagen, altersgebundene Reifungsvorgänge, hirnorganische Störungen und starke Reizung einzelner Sinne bewirken meistens zusammen einen epileptischen Anfall.

Hirnschäden vor oder während der Geburt oder im frühen Kindesalter können aufgrund von Sauerstoffmangel, Verletzungen, Entzündungen oder Entwicklungsstörungen auftreten. Dabei kommt es zu Defekten oder Narben im Nervengewebe des Gehirns, die benachbarte Nervenzellen in ihrer Tätigkeit stören können und somit ortsansässige (lokale) Anfallsherde ausbilden.

In einigen Fällen sind gutartige, ungewöhnliche Gewebsbildungen, wie Blutschwämmchen oder Zellknötchen im Gehirn oder Steigerung des Hirndruckes, Anlass für Anfälle. Bösartige Hirntumore sind bei Kindern seltener.

Vererbt: Veranlagung zu erhöhter Anfallsbereitschaft

Epilepsie ist keine Erbkrankheit. Vererbt werden kann jedoch eine Veranlagung zu einer erhöhten Anfallsbereitschaft. Des Weitern gibt es Erbkrankheiten, die mit epileptischen Anfällen verbunden sind.


Krankheitsbild allgem.

Es gibt sehr viele Epilepsieformen. Früher teilte man die Epilepsien einfach nach ihrem Schweregrad ein, in den Grand-mal („großer“ Anfall) und in den Petit-mal („kleiner“ Anfall). Die Einteilung ist jedoch immer weiter verfeinert worden. Sie beruht heute auf dem Ursprungsort der Epilepsie und auf der Ausprägung der Anfälle.
Hinsichtlich der Ursprungsorte sind zwei Arten von Anfällen zu nennen:
fokale (oder auch: partielle) Epilepsien: Der Anfall entsteht an einem umschriebenen, begrenzten Ort (Focus) im Gehirn.
generalisierte Epilepsien: Der Anfall umfasst von Beginn an das gesamte Gehirn oder zumindest beide Hirnhälften gleichzeitig.

Ein fokaler Anfall kann sich in seinem Verlauf auf das gesamte Gehirn ausbreiten, sich also nachträglich generalisieren (sekundäre Generalisierung).

Fokale Epilepsien

Die fokalen Anfälle werden weiter unterteilt in einfache fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein erhalten bleibt und komplexe fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein getrübt ist.

Eine Bewusstseinsstörung liegt vor, wenn die Reaktion des Kindes auf Außenreize beeinträchtigt ist, oder wenn es keine Erinnerungen an die Ereignisse während des Anfalles hat. Die Reaktion auf Außenreize kann man dadurch prüfen, dass man das Kind während des Anfalles zu Bewegungen auffordert, z.B. „Hebe bitte den rechten Arm". Der Nachweis einer Erinnerungsstörung gelingt dadurch, dass man das Kind während des Anfalls bittet, sich ein Wort zu merken, welches man nach dem Anfall abfragt.

Einfache fokale Anfälle
Bei einem einfachen fokalen Anfall ist das Kind bei Bewusstsein und erlebt den Anfall in seiner ganzen Ausprägung mit. Es kann hinterher beschreiben, was es erlebt hat.
Bei den einfachen fokalen Anfällen kann es zu örtlich umschriebenen Muskelzuckungen kommen, zum Beispiel in einer Gesichtshälfte oder in einer Hand. Diese Muskelzuckungen können sich in benachbarte Gebiete der gleichen Körperseite ausbreiten. In diesem Fall spricht man von einem sog. "motorischen Jackson-Anfall".

Weiterhin gibt es einfache fokale Anfälle mit vielfältigen Sinneswahrnehmungen. So können zum Beispiel „komische Gefühle“ in einzelnen Körperteilen auftreten, Gegenstände können als zu groß oder zu klein gesehen werden, manche Kinder hören Musik, Stimmen oder Geräusche. Es gibt auch Kinder, denen im Anfall schwindlig wird, und zwar kann dieser Schwindel wie ein Fallen im Raum, wie ein Schwanken oder wie ein Drehen in einem Karussell oder in einem Riesenrad empfunden werden.

Komplexe fokale Anfälle
Bei den komplexen fokalen Anfällen ist das Bewusstsein des Kindes verändert, wobei die Bewusstseinsstörung von einer leichten Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit reichen kann. Manche Kinder wirken während des Anfalls auffallend benommen, ratlos, verwirrt. Gegen eine Störung von außen wehren sie sich; sie können dann sogar aggressiv werden.

Alle bei den einfachen fokalen Anfällen genannten Zeichen können auch bei den komplexen fokalen in Verbindung mit der Bewusstseinsstörung auftreten. Besonders charakteristisch sind sogenannte Automatismen, d.h. automatisch ablaufende Bewegungserscheinungen. Im Bereich des Mundes treten Kau- oder Essbewegungen (Schmecken, Schmatzen, Schlucken, Kauen) auf. Außerdem kommen Bewegungen wie Nesteln, Zupfen, Klopfen, Streicheln über ein Kleidungsstück, mechanisches Öffnen und Schließen der Hände und Treten oder Scharren mit den Füßen vor. Das Gesicht des Kindes kann das Erleben von Angst, Furcht, Schmerz, aber auch von Glücksgefühl verraten (mimische Automatismen).

Häufig aber ist die Mimik während eines komplexen fokalen Anfalles auffallend starr und leer. Neben den typischen Bewegungsabläufen treten weitere Anzeichen wie Erröten, ein schneller und unregelmäßiger Herzschlag, vermehrter Speichelfluss, Gänsehaut und Schweißausbrüche auf.
Komplexe fokale Anfälle verebben allmählich, ihr Ende ist oft nicht genau feststellbar. Das Kind kann sich hinterher an nichts erinnern. Ein solcher Anfall dauert im allgemeinen einigen Minuten bis zu einer Viertelstunde.

Nicht selten wird ein komplex fokaler Anfall von einem einfach fokalen Anfall eingeleitet. Ein komplex fokaler Anfall kann auch in einen generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfall (Grand-Mal-Anfall) übergehen.

Generalisierte Anfälle

Absencen
Bei einem Absence-Anfall (Petit-mal) steht ein abrupter Aufmerksamkeitsverlust gegenüber der Umgebung im Vordergrund, der jedoch ohne Bewusstlosigkeit einhergeht. Es handelt sich um die mildeste Ausprägung generalisierter Anfälle.

Typische Absencen Je nach Ausprägung unterteilt man die typischen Absencen noch weiter in zwei Untergruppen: in die einfachen und in die komplexen Absencen. Bei den einfachen Absencen ist nur eine Bewusstseinspause zu bemerken, während bei den komplexen Absencen noch vielfältige weitere Merkmale hinzukommen. Bei den einfachen Absencen handelt es sich um eine plötzlich beginnende und endende Bewusstseinspause, die einige Sekunden selten bis zu einer halben Minute lang andauert. Der Blick ist starr und leer, die Gesichtszüge sind ausdruckslos. Das Kind hält bei der gerade durchgeführten Tätigkeit inne und nimmt diese nach Beendigung der Absence wieder auf. Tritt eine Absence während des Sprechens auf, so wird die Sprache unterbrochen oder das Kind spricht langsamer; geht es gerade, dann bleibt es wie angewurzelt stehen: isst es gerade, so führt es das Essen nicht zum Mund. In Schulheften kann man unterbrochene Schriftzüge erkennen. Gewöhnlich reagiert das Kind nicht auf Ansprache. Absencen treten bevorzugt in der Zeit nach dem Aufwachen auf.

Bei den komplexen Absencen geht die Bewusstseinsstörung mit Begleiterscheinungen einher. Diese können sich in Form von leichten beidseitigen rhythmischen Zuckungen, vorwiegend im Bereich des Gesichtes (Augenlider, Mundwinkel), der Schultern und Arme, äußern. Es kommt vor, dass einzelne Muskelpartien erschlaffen, so dass etwa der Kopf absinkt oder der Rumpf zusammensackt. Aber auch eine Anspannung der Körpermuskulatur tritt bei manchen Anfallsformen auf, wobei der Kopf nach hinten gezogen wird und der Blick nach oben gerichtet ist (Sternguckerzeichen).

Atypische Absencen

Die atypischen Absencen sind durch ausgeprägtere Begleiterscheinungen als die typischen Absencen gekennzeichnet. Beginn und Ende treten nicht so abrupt auf. Ein besonderes Kennzeichen der atypischen Absencen ist ihre Neigung, immer häufiger hintereinander aufzutreten, bis schließlich ein Anfall in den nächsten übergeht. Dieser gefährliche Zustand wird Absence-Status genannt. Nach einem tagelangen Absence-Status büßen einige der Kinder schon erlernte Fähigkeiten wieder ein.

Klonische Anfälle

Diese Anfälle sind durch wiederholte Zuckungen gekennzeichnet ohne nachfolgende Verkrampfung der Muskulatur. Die Anfälle dauern gewöhnlich nur kurz an. Klonische Anfälle treten vor allem bei sehr jungen Kindern auf, insbesondere bei Neugeborenen.

Tonische Anfälle

Beim tonischen Anfall kommt es zu einer allgemeinen Versteifung der Muskulatur. Überwiegt die Verkrampfung der Beugemuskeln, kommt es zu einer Beugehaltung des Körpers, wobei die Arme gebeugt oder gestreckt oder emporgehoben werden. Überwiegt dagegen die Verkrampfung der Streckmuskulatur, kann hieraus eine Überstreckung des ganzen Körpers resultieren. Die Dauer solcher Anfälle beträgt bis zu 30 Sekunden. Tonische Anfälle treten bevorzugt aus dem Schlaf heraus auf. Im Schlaf haben sie häufig eine milde Form: Kurzes Überstrecken des Kopfes, der sich dabei ins Kopfkissen drückt, verbunden mit einem kurzen Öffnen der Augen. Diese kurzen Anfälle aus dem Schlaf heraus können leicht übersehen werden. Wenn die tonische Verkrampfung der Brust- und Bauchmuskulatur zu einem kurzen gepressten Schrei führt, werden Eltern oder Beobachter auf die Anfälle aufmerksam. Die Betroffenen werden oft kurz wach, schlafen dann aber schnell wieder weiter. Treten tonische Anfälle aus dem Wachzustand beim Gehen oder Stehen auf, führen sie zu schweren abrupten Stürzen mit erheblicher Verletzungsgefahr.

Tonisch-klonische Anfälle

Die häufigsten generalisierten Anfälle sind die generalisierten tonisch-klonischen Anfälle, oft noch als Grand-mal-Anfälle bezeichnet. Der typische Grand-mal-Anfall läuft in der Regel in mehreren Stadien ab:
1. Präkonvulsive Phase Das Kind ist Stunden oder Tage vor dem Anfall unruhig, stimmungslabil missmutig oder reizbar. Es schläft unruhig und klagt über Bauchschmerzen. Öfters wird der Anfall durch ein vages, schlecht beschreibbares Vorgefühl (auch als Aura bezeichnet) eingeleitet. Kleinere Kinder kommen oft ängstlich zur Mutter gelaufen und sagen: „Ich hab’s...“ oder „es kommt“. Andere Kinder halten im Spiel versonnen ein, werden schlaff und fallen um.
2. Konvulsive Phase Typischerweise beginnt der Anfall mit der einsetzenden Bewusstlosigkeit, die oft mit einem gepressten Schrei verbunden ist. Es kommt zu einer Versteifung sämtlicher Gliedmaßen (tonisches Anspannen). Bei aufrechter Körperhaltung kommt es zu einem Sturz, wobei sich der Patient verletzen kann. Der Gesichtsausdruck ist entstellt, die Gesichtsfarbe zunächst blass, später bläulich. Die Anspannungsphase hält etwa 10 bis 30 Sekunden lang an, gelegentlich auch länger. Im darauffolgenden klonischen Stadium treten symmetrische Zuckungen am ganzen Körper auf, die besonders an Kopf, Armen und Beinen sichtbar sind und etwa 40-60 Sekunden andauern. Zu Beginn des Anfalls zeigt sich ein kurzer Atemstillstand, später eine verlangsamte und erschwerte Atmung. Es wird schaumiger Speichel abgesondert. Gelegentlich kommt es zum Zungenbiss und/oder zum Einnässen.
3. Postkonvulsive Phase Am Ende des Anfalls fallen die Kinder von der Bewusstlosigkeit in einen tiefen Nachschlaf über, der bei einigen von ihnen nur sehr kurz anhält, bei anderen aber viele Stunden dauern kann. Kinder, bei denen der Nachschlaf nur sehr kurz ist oder ganz fehlt, zeigen statt dessen häufig einen Verwirrtheitszustand mit Bewegungsunruhen, Verkennen von Ort und Personen sowie einen Drang, ziellos davon zu laufen.
Myoklonische Anfälle (Janz-Syndrom)
Das gemeinsame Merkmal dieser Anfälle sind mehr oder weniger stark ausgeprägte Muskelzuckungen (Myoklonien). Es kommt zu Zuckungen des Kopfes und der Arme, weniger der Beine durch plötzliche, kurze, blitzartige Muskelkontraktionen. Die Myoklonien können sehr heftig ablaufen. Der Anfall äußert sich dann in plötzlichen, heftigen, ungerichteten ausfahrenden Bewegungen der Schultern und Arme, zum Teil auch mit Einknicken der Beine. Es kann bei einem einzelnen myoklonischen Anfall bleiben, es können aber auch mehrere hintereinander auftreten. In der Hand gehaltene Gegenstände können dabei fortgeschleudert werden. Wegen der Kürze des Anfalls ist das Bewusstsein im Anfall nicht beeinträchtigt. Es besteht eine Neigung zur Anfallshäufung in der Zeit nach dem Aufwachen. Schlafentzug und vorzeitiges Wecken fördert das Auftreten dieser Anfälle.

Sturzanfälle

Sturzanfälle werden auch als astatische (atonische) Anfälle bezeichnet. Es handelt sich um Anfälle, bei denen das Kind plötzlich zu Boden stürzt. Dies kann unter anderem durch plötzliches Abschlaffen der Beinmuskulatur geschehen.

Spez. Epilepsieformen

Epilepsien mit BNS (Blitz-Nick-Salaam)-Krämpfen (West-Syndrom)
Dabei handelt es sich um eine seltene, sehr ernstzunehmende Säuglings-Epilepsie. Sie beginnt im Alter von 2-8 Monaten und betrifft besonders Jungen. Für Bruchteile von Sekunden äußern sich die Krämpfe mit heftigen Muskelzuckungen. Die Muskelzuckungen fahren wie ein Blitz durch den Körper. Dabei vollzieht dieser in der Regel folgende rasche Bewegungen: eine Beugebewegung des Kopfes und des Rumpfes, ein Auseinanderbreiten und ein anschließendes Beugen der Arme und ein Anziehen der Beine. Dieser Anfall zeigt sich am deutlichsten, wenn das Kind auf dem Rücken liegt. Wird das Erscheinungsbild des Anfalls von der Kopf- und Rumpfbeugung bestimmt und fehlen die Bewegungen von Armen und Beinen oder sind sie nur ganz gering ausgeprägt, so spricht man vom Nickkrampf. Laufen die beschriebenen Bewegungen langsamer ab und kommt es zu einem Zusammenführen der Arme vor dem Körper, so dass der Anfall an den „Salaamgruß“ erinnert, so nennt man ihn Salaamkrampf . Alle diese Krämpfe neigen dazu, mit kurzen Zwischenpausen in Serien aufzutreten, wobei Serien mit 20 bis 30 Anfällen hintereinander keine Seltenheit sind.
BNS-Anfälle werden vor allem morgens nach dem Aufwachen beobachtet. Zwischen den Anfällen weinen die Kinder häufig. Die BNS-Anfälle, bei denen sich die Kinder zusammenzukrümmen scheinen und anschließend weinen, werden deshalb häufig als Bauchkoliken verkannt. Die Prognose beim West-Syndrom ist abhängig von der zurückliegenden Hirnschädigung und meist ungünstig. Etwa 90% der betroffenen Kinder leiden an Entwicklungsstörungen.

Lennox-Gastaut-Syndrom

Als solches bezeichnet man eine Kombination von Sturzanfällen, nächtlichen tonischen Anfällen und Muskelzuckungen (Myoklonien). Auch bei dieser Epilepsieform erscheinen die Anfälle in Serien, bevorzugt in Ermüdungssituationen. Das Syndrom tritt erstmals zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr auf. Ursache ist oft ein frühkindlicher Hirnschaden bzw. ein genetischer Defekt. Die Erkrankung ist nur schwer zu behandeln.

Rolandische Epilepsie

Es handelt sich um eine Form der Kinderepilepsie. Sie zeigt sich oft im Rahmen nächtlicher fokal-motorischer Anfälle meist einer Gesichtshälfte und wird von kehligen Lauten und starker Speichelabsonderung begleitet. Es kann sich ein Krampfanfall entwickeln. Der Patient ist während des Anfalls wach. Die meisten Betroffenen leiden nur unter wenigen Anfällen und werden nach dem 15. Lebensjahr gesund. Die Prognose ist immer gut. Es gibt oft Leseschwierigkeiten; Behinderungen bleiben aber aus.

Juvenile Myoklonusepilepsie

Die Erkrankung tritt erstmals im Alter von 11-18 Jahren auf. Es treten Zuckungen an Armen und Beinen meist in den frühen Morgenstunden auf. Viele Betroffene leiden auch an generalisierten Krampfanfällen, die Hälfte der Erkrankten hat Absencen. Geistige Behinderungen bleiben selten zurück. Medikamente helfen zahlreichen Patienten, anfallsfrei zu bleiben. Die Behandlung dauert oft ein Leben lang.

Reflexepilepsien

Sie nehmen insofern eine Sonderstellung ein, als die epileptischen Anfälle durch gezielte äußere Reize ausgelöst werden. Solche Reize können Berührungen, optische Eindrücke, bestimmte Geräusche oder Musikstücke sein. Je nach Art des auslösenden Reizes spricht man von einer taktilen (Berührung), photogenen (Licht) oder Fernsehepilepsie, einer bewegungsinduzierten, audiogenen (Geräusch) oder musikogenen (Musik) Reflexepilepsie. Am häufigsten ist dabei die photogene Auslösung eines Anfalls durch unterbrochene Lichtreize, z.B. durch „Discolicht“ (Stroboskoplicht).

Gelegenheitskrämpfe

Im Verlauf von verschiedenen Erkrankungen kann es zu einzelnen epileptischen Anfällen kommen, die nach Abklingen der akuten Krankheitssituation nicht wieder auftreten. Solche Anfälle bezeichnet man als Gelegenheitsanfälle. Sie treten bei etwa 4% aller Kinder in den ersten 5 Lebensjahren auf. Von Epilepsie spricht man nur dann, wenn sich die Anfälle selbst ohne besonderen Anlass wiederholen. Als Ursache für Gelegenheitskrämpfe kommen in Frage:
Entzündungen, z.B. Meningitis (Hirnhautentzündung)
Hirntraumen, z.B. Gehirnerschütterung
Stoffwechselstörungen (z.B. Zuckerkrankheit, Rachitis, Störungen des Aminosäurestoffwechsels u.a.)
Vergiftungen (Medikamente, Schwermetalle)
schwere chronische Sauerstoffmangelzustände, z.B. bei angeborenen Lungenmissbildungen
starke Durchblutungsstörungen
Besonders hervorzuheben sind die Fieber- oder Infektkrämpfe. Unter einem Fieberkrampf versteht man ein Ereignis des Säuglings- oder Kleinkindesalters, das in der Regel im Alter zwischen 6 Monaten und 4 Jahren auftritt und mit Fieber verbunden ist ohne Hinweis auf eine Infektion des Gehirns oder eine andere definierte Ursache. Davon auszunehmen sind Krämpfe bei Kindern, bei denen zu einem früheren Zeitpunkt bereits Krämpfe ohne bestehendes Fieber aufgetreten sind. Ein Fieberkrampfanfall dauert nur 1-2 Minuten. Bei Jungen treten Fieberkrämpfe häufiger auf als bei Mädchen.Eine familiäre Belastung wird bei ca. 30% gefunden. Das Vorliegen eines Fieberkrampfes darf erst angenommen werden, wenn andere Ursachen für einen Krampf bei Fieber (z. B. eine Meningitis (Hirnhautentzündung) ) ausgeschlossen wurden.

Auswirkungen

Epileptische Anfälle haben gewöhnlich keine Auswirkungen auf die normale Entwicklung des Kindes. Auch bei wiederholten großen Anfällen kommt es in der Regel nicht zu einem geistigem Abbau. Bei komplizierten, lang andauernden Fieberkrämpfen sowie wiederholten Anfällen mit längerem Atemstillstand und erheblichem Sauerstoffmangel kann es jedoch zu Nervenschädigungen kommen, die auf Dauer bedeutsam sein können. Meist liegt in diesen Fällen allerdings eine Vorschädigung des Gehirns vor, die erst die Grundlage der Epilepsie bildet.

Die Verletzungsgefahr durch Sturz ist groß bei Epilepsieformen, die mit plötzlicher Bewusstlosigkeit einher gehen und sich nicht durch ein Vorgefühl (Aura) ankündigen.

Das Kind muss regelmäßig Medikamente einnehmen, oft nur für ein paar Jahre, manchmal aber auch ein Leben lang. Neben ihrer positiven Wirkung auf die Krankheit können diese Medikamente auch Nebenwirkungen haben.
Unter anderem können auftreten:
Verlangsamung
verminderte Spannkraft, leichte Ermüdung
Doppeltsehen
leichtes Zittern
Medikamente: Zwischen Hoffnung und Furcht
Zum Teil sind diese Nebenwirkungen dosisabhängig und können nach optimaler Einstellung des Medikaments gemindert oder ganz aufgehoben werden. Gelegentlich muss das Medikament aber auch aufgrund der Nebenwirkungen gewechselt werden.
Zu Beginn der Erkrankung ist oft eine stationäre Aufnahme notwendig, damit das Kind genau beurteilt werden kann. Die Phase der Therapiefindung kann eine deutliche Belastung für das Kind und seine Familie darstellen. Gerade bei komplizierten Epilepsien, bei denen nicht sofort Anfallsfreiheit erreicht wird, kommt es zu einem Hin und Her zwischen Hoffnung auf das neue Medikament und Furcht vor dessen Versagen und Nebenwirkungen.

Schule, Beruf - Epilepsie hat soziale Folgen

Die Diagnose einer chronischen Erkrankung bedeutet immer eine schwere Belastung des Patienten und seines Umfeldes. Sie wirft Kinder und Jugendliche nicht selten sozial, schulisch und später auch beruflich aus der Bahn. Die Krankheit Epilepsie ist zudem stark von negativen Vorurteilen geprägt. So befanden bei einer Umfrage 1996 noch 27% der Befragten, dass Kinder mit Epilepsie eine Sonderschule besuchen sollten, 20% hielten Epilepsie für eine Geisteskrankheit. Die Deutsche Epilepsievereinigung (DE) teilt mit, dass nur jeder 20. erkrankte Jugendliche direkt in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt werden könne. Ursache sei aber nicht die Erkrankung an sich, sondern die Unwissenheit darüber.

Aus Angst vor Vorurteilen versuchen viele Eltern und Angehörige, mit allen Mitteln die Krankheit vor der Umwelt zu verheimlichen. Doch Verheimlichungen helfen dem epilepsiekranken Kind nicht, seine soziale Integration zu bewältigen. Aus Furcht vor Diskriminierung geben viele Eltern die Epilepsie ihres Kindes, gerade beim Besuch weiterführender Schulen nicht an. Dabei ist es wichtig, dass ein Lehrer bestimmte Anfälle, besonders die unauffälligen Absencen, nicht als Aufmerksamkeitsstörungen abtut.
Bis zu 80% der Kinder mit Epilepsie sind durchschnittlich intelligent und können daher die ihnen entsprechende Regelschule besuchen. Dennoch hat jedes 2. Kind Schul- und Lernschwierigkeiten. Ursache kann die Krankheit selbst, Medikamente, familiäre oder psychosoziale Aspekte sein. Um Fehleinschätzungen zu verhindern, ist es deshalb erforderlich, dass sich Eltern, Lehrer und Erzieher genau über die Krankheit sowie über das spezielle Krankheitsbild des Kindes informieren.
Außerdem haben Lehrer Möglichkeiten, das Schicksal des epilepsiekranken Kindes zu erleichtern. Dies kann in Form von Stärkung der Persönlichkeit durch Verständnis und Anerkennung geschehen, durch Hilfe bei der Betonung der „Normalität“ der Erkrankung oder durch genaue Anfallbeobachtung während der Schulzeit, in der die Eltern nicht zugegen sind.
Merkblätter für Lehrer gibt es beim behandelnden Arzt.

Die Teilnahme am Sport ist durchaus erwünscht. Allerdings müssen gewisse Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt werden. Schwimmen ist nur unter Einzelaufsicht gestattet, und Sportarten mit Absturzgefahr (Klettern u.a.) sollten möglichst vermieden werden.

Die Teilnahme am Straßenverkehr (Fahrrad, Mofa, Führerschein) ist nur nach längerer Anfallsfreiheit (mindestens 2 Jahre) und mit Einverständnis des behandelnden Arztes möglich.

Erkennung

Für die Diagnose ist die Erkennung und Beurteilung der aufgetretenen Anfälle ein entscheidendes Kriterium. In der Medizin wird streng unterschieden zwischen epileptischen Anfällen und Epilepsien. Epileptische Anfälle sind Krankheitserscheinungen (Symptome), Epilepsien sind die Krankheiten (Syndrome). Um einen Anfall richtig einordnen und beurteilen zu können, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt und der Anfall genau beobachtet und protokolliert. Der Arzt muss sich bei letzterem häufig auf die Angaben dritter Personen verlassen, die den Anfall miterlebt haben.
Tritt ein Anfall zu Hause auf, sollten die Eltern Ruhe bewahren und auf folgendes achten:
Gab es einen bestimmten Auslöser für den Anfall (z.B. Wut, Schmerz, einen starken Lichtreiz) ?
Hat das Kind zu Beginn des Anfalls ein Vorgefühl (Aura) beschrieben?
Trat der Anfall zunächst nur einseitig auf?
Wie lange dauert der Anfall? In der Aufregung ist es sinnvoll, eine Uhr für Zeitangaben zu verwenden.
War das Kind während des Anfalls bei Bewusstsein? Hat es z.B. auf Befehle reagiert („Hebe bitte den rechten Arm!“), oder konnte es sich ein Wort merken, dass ihm während des Anfalls gegeben und später abgefragt wurde?
Wie sah der sonstige Verlauf des Krampfanfalls aus? Welche Bewegungsmuster wurden ausgeführt?
Trat das Ende des Anfalls plötzlich auf? War das Kind orientierungslos oder fand es sich schnell wieder zurecht?
Videoaufnahmen können hier sehr hilfreich sein.

Eine wichtige Untersuchungsmethode ist das Elektroenzephalogramm (EEG). Typisch für eine Epilepsie sind bestimmte Kurvenveränderungen im EEG, die in der Regel auch zwischen den Anfällen nachweisbar sind. Bei einer fokalen Epilepsie, bei der sich der Anfall auf abgegrenzte Bereiche des Gehirns konzentriert, sieht man im EEG hohe und spitze Ausschläge, sogenannte Spikes. Bei einem generalisierten Anfall, bei dem das gesamte Gehirn beeinträchtigt ist, sind sowohl Spikes als auch hohe wellenförmige Ausschläge (Waves) im EEG-Muster zu sehen.

Eine EEG-Ableitung im Schlaf oder während eines ganzen Tages (Lanzeit-EEG) sowie nach gezielter Belastung (Schlafentzug, Lichtreize) können die Diagnose erhärten.

Liegt die Vermutung nahe, dass die Ursache für die Epilepsie eine Gehirnschädigung ist, werden zur Abklärung bildgebende Methoden angewandt. Zu diesen Methoden zählen die Computertomografie und die Kernspintomografie. Aber auch eine Untersuchung des Hirnwassers ist in Einzelfällen notwendig.

Weitere Untersuchungen richten sich nach Verdacht auf andere Ursachen für die jeweilige Epilepsie.

Therapie

Ziel der Behandlung einer Epilepsie ist die Anfallsfreiheit. Diese ist manchmal schon mit einer gesunden Lebensführung zu erreichen, bei der Betroffene alles vermeiden, was nach Erfahrung einen Anfall auslösen kann (ungenügender Schlaf, bestimmte Lichtreize oder Geräusche).

In der Regel ist eine Behandlung mit Medikamenten erforderlich. Sie führt im Kindesalter in 3 von 4 Fällen zur Anfallsfreiheit, bei gutartigen Epilepsien in etwa 9 von 10 Fällen. Als gutartige Epilepsien bezeichnet man solche, bei denen keine bestimmte Ursache für die Krankheit gefunden werden konnte (idiopathische Epilepsien) und die sich manchmal bei fortschreitender Entwicklung des Kindes „auswachsen“.
Es gibt unterschiedliche Medikamente, die mit gleicher Berechtigung als Einstiegsmedikament genutzt werden. Die Wahl richtet sich nach der Epilepsieform und der Einschätzung der möglichen Wirkung sowie dem Bekanntheits- und Schweregrad möglicher Nebenwirkungen. Wichtig ist jedoch, dass das Medikament konsequent verabreicht wird, die Wirkung und die Nebenwirkungen dokumentiert werden und es solange und in der Dosis gegeben wird, bis die Verträglichkeitsgrenze erreicht ist, bevor ein Medikament verworfen wird. Nur so lässt sich vermeiden, dass ein Präparat im Laufe der Krankheitsgeschichte immer wieder unzulänglich eingesetzt wird, und keine Fortschritte erzielt werden. Die Therapie sollte daher in der Hand eines Arztes liegen. Häufiger Arztwechsel führt dazu, dass keine Therapie konsequent verfolgt werden kann.
Kontrolltermine beim Arzt, bei denen eine körperliche Untersuchung, EEG-Ableitung und Blutkontrollen durchgeführt werden, sollten unbedingt eingehalten werden. Unterstützend können für Eltern Selbsthilfegruppen Betroffener sein.

Um eine Operation als Therapiemethode in Erwägung zu ziehen, müssen ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sein, die nur auf sehr wenige Patienten zutreffen.
Eine neue Behandlungsmethode ist die Vagusnerv-Stimulation (VNS), welche jedoch nur in seltenen Fällen hilfreich ist.

Eine Ketondiät kann in wenigen Fällen angewendet werden, wenn Medikamente nicht vertragen werden oder nicht genügend wirken. Diese sehr fettreiche und schwer einhaltbare Diät hat jedoch auch Risiken und Nebenwirkungen.

Erlernen einer „Selbstkontrolle“ mittels aktiver Ablenkungstechniken ist erst bei älteren Kindern möglich. Sie kann gelegentlich die Ausbreitung fokaler Anfälle verhindern, wenn sie sich vorher durch eine Aura ankündigen.
Quelle: Epilepsie-Netzwer.DE
Gruß
Luca:Blume:

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