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 ~° Medizinisches Wissen - Neurologie °~
Luca Offline




Beiträge: 10.600

21.10.2005 21:55
RE: noch was über Epilepsie! Antworten

Hallo,
das hier habe ich auch noch im Netz gefunden:

Epilepsie

Zusammenfassung:

Die Epilepsie, auch als Fallsucht bekannt, ist eine Erkrankung, die auf eine gestörte Balance zwischen Erregung und Hemmung der Nervenzellen im Gehirn zurückgeht. Das führt zu Funktionsstörungen, die anfallsartig auftreten. Dabei entladen sich gleichzeitig unzählige Gehirnzellen in bestimmten Hirnarealen (fokaler Anfall) oder in der ganzen Gehirnrinde (generalisierter Anfall).
Epileptische Anfälle können sehr verschieden verlaufen. Am bekanntesten ist der Große Anfall (Grand Mal), der mit schweren Krämpfen, Zittern und Bewusstlosigkeit einhergeht. Weitaus häufiger sind aber weniger dramatische Formen der Epilepsie. Die Anfälle treten oft spontan auf, können aber auch durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden.
Als Ursachen der Krankheit kommen vor allem diffuse Hirnschädigungen während der Schwangerschaft oder der Geburt in Frage, weiters unter anderem Gefäßkrankheiten im Gehirn, Schädel-Hirn-Traumen, degenerative Veränderungen des Gehirns und Infektionskrankheiten. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen lässt sich die Ursache nicht klären.
Die wichtigste Behandlung besteht in speziellen Medikamenten. Manchen Betroffenen gelingt es mit der Zeit, die Anfälle selbst zu unterbrechen. Eine Operation ist nur bei zwei Prozent der Patienten sinnvoll. Insgesamt können etwa 70 Prozent der Betroffenen von ihren Anfällen befreit werden.


URSACHEN
BESCHWERDEN
DIAGNOSE
BEHANDLUNG
LEBEN MIT DER KRANKHEIT


Epileptische Anfälle sind nach Kopfschmerzen das zweithäufigste neurologische Symptom. Etwa fünf Prozent der Menschen - also jeder 20. - erleiden mindestens einmal im Leben einen epileptischen Anfall. Die Häufigkeit der Epilepsie wird durch schlechte Gesundheitsversorgung für Neugeborene, Unterernährung und Infektionskrankheiten des Gehirns erhöht und ist dementsprechend in Ländern der dritten Welt und in sozioökonomisch benachteiligten Schichten der industrialisierten Welt höher als im Durchschnitt.
In Europa und Nordamerika sind 650 Menschen je 100.000 Einwohner von irgendeiner Form der Epilepsie betroffen. Ein Erkrankungsgipfel liegt in der frühen Kindheit. Dabei handelt es sich meist um Epilepsien mit unklarer Ursache und generalisierten Anfällen. In höherem Alter kommt es zum zweiten und bedeutendsten Erkrankungsgipfel. Dabei überwiegen Epilepsien mit fokalen Anfällen, die zum Teil später in generalisierte Anfälle übergehen.
Ursachen
Bei etwa zwei Drittel der Betroffenen kann die Ursache für die Erkrankung nicht geklärt werden - meist dann nicht, wenn die Epilepsie bereits im Kindesalter einsetzt. Es wird angenommen, dass die Ursache in solchen Fällen in diffusen Schädigungen des Gehirns bei der Geburt liegt oder in bis jetzt unbekannten chemischen Veränderungen im Gehirn. Die Störung betrifft dann meist das ganze Gehirn und die Erkrankung äußert sich in generalisierten Anfällen (Großer Anfall oder Grand Mal, Kleiner Anfall oder Petit Mal).
Bei rund einem Drittel der Fälle kann die Ursache geklärt werden. Sie kann zu verschiedenen Bereichen gehören. Relativ häufig handelt es sich um Gefäßveränderungen im Gehirn (zerebrovaskuläre Veränderungen) wie Arteriosklerose und in der Folge Hirninfarkt und wieder Schädigungen des Gehirns während der Geburt oder kurz danach. Weiters treten Schädel-Hirn-Traumen oder Hirntumore als Ursache von Epilepsien auf, auch degenerative Veränderungen des Gehirns (z.B. Alzheimer-Krankheit) und Infektionen (z.B. Gehirnentzündung). Die Störung betrifft dann meist einen bestimmten Teil des Gehirns und die Erkrankung äußert sich in fokalen Anfällen, die später in generalisierte Anfälle übergehen können. Auch Stoffwechselstörungen und Giftstoffe kommen als Ursache vor, Alkoholismus relativ häufig.
Die Gene spielen auch eine gewisse Rolle. Bei mehr als zehn Prozent der Betroffenen liegt eine familiäre Häufung vor. Wenn die Eltern unter Epilepsie leiden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder daran erkranken, höher als beim Durchschnitt der Bevölkerung. Ob die Veranlagung direkt zur Erkrankung führt oder empfänglicher für Einflüsse von außen macht, die eine Erkrankung hervorrufen, konnte bisher nicht geklärt werden.
Auslöser für epileptische Anfälle
Epileptische Anfälle können spontan, oft aber in Verbindung mit bestimmten Auslösern auftreten. Diese können in der körperlichen Verfassung liegen (Müdigkeit, Erschöpfung, Überanstrengung), in Gemütszuständen (Stress, Ärger, Angst) oder in äußeren Reizen (Farben, Töne, starke Kontraste).
Schwankungen im Schlaf-Wach-Rhythmus (Flugreisen, Schichtarbeit, langes Aufbleiben) können epileptische Anfälle auslösen. Lichtreize können Anfälle herbeiführen und zwar besonders dann, wenn sich die Lichtreize schnell wiederholen (Flackerlicht). Das ist zum Beispiel der Fall bei Fernsehschirmen, im Kino oder vor dem Computer sowie bei Lichtorgeln. Auch die schnell wechselnden Lichtverhältnisse beim Fahren durch eine Allee bei Sonne können einen Anfall provozieren, ebenso wie das Glitzern einer Wasseroberfläche oder ein fliegender Hubschrauber.
Größere Mengen Alkohol können zu einem epileptischen Anfall führen. Manchen Patientinnen leiden zur Zeit der Menstruation häufiger unter Anfällen, manche Betroffene bei Vollmond oder bei bestimmten Wetterlagen wie Fön. Akustische Reize als Auslöser sind eher selten. Sie können von einer Türklingel oder von bestimmten Melodien ausgehen.
Prinzipiell ist jedes Gehirn krampffähig, es kommt darauf an, wie heftig man es provoziert. Die "Krampfschwelle" ist individuell verschieden und unter anderem abhängig von Konstitution und Genetik. Belastende Faktoren können sie verändern.
Vorbeugung
Eine effektive Vorbeugung gegen Epilepsie ist nur bei einem sehr kleinen Teil der Betroffenen - und auch hier nur indirekt - möglich. Bei Alkoholismus zum Beispiel liegt die Vorbeugung in der Vermeidung bzw. Therapie dieser Grunderkrankung. Eine Verringerung der Risikofaktoren für Arteriosklerose verringert auch das Risiko zerebrovaskulärer Veränderungen (Hirninfarkt).
Beschwerden
Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich verlaufen. Es gibt mehr als zehn Arten der Epilepsie, die individuell sehr verschieden ausgeprägt sein können. Die früher als großer Anfall und kleiner Anfall bezeichneten Formen werden in der Fachliteratur heute unter dem Begriff generalisierter Anfall zusammengefasst.
Generalisierter Anfall
Große Anfälle betreffen nur relativ wenige Erkrankte.
Der Betroffene stößt manchmal einen Schrei aus, bevor er bewusstlos wird, zu Boden stürzt und der Körper in einen schweren Krampf verfällt. Die Augen sind häufig starr geöffnet, die Pupillen nach oben verdreht, die Arme und Beine leicht angewinkelt. Diese Starre geht nach etwa einer halben Minute in rhythmische, krampfhafte Zuckungen in Gesicht und Gliedern über, die immer stärker werden. Der Betroffene kann sich in die Zunge oder Wange beißen, einen erhöhten Speichelfluss und Schaum vor dem Mund haben. Die Blasenkontrolle kann ausfallen.
Der Anfall dauert zwei bis fünf Minuten und kann mit einem ebenfalls einige Minuten dauernden Koma enden. Danach ist der Betroffene einige Stunden erschöpft.
Kleine Anfälle treten vor allem im Kindes- und Jugendalter auf und enden meist nach einigen Sekunden so plötzlich, wie sie begonnen haben. Häufig äußern sie sich nur durch eine kurze Abwesenheit (Absence) oder ein Zusammenzucken wie beim Erschrecken. Wenn der Betroffene gerade etwas in der Hand hält, läßt er es oft fallen. Kleine Kinder können auch zu Boden stürzen. Bei Schulkindern fällt dabei oft auf, dass sie während des Anfalls den Kopf unnatürlich weit nach hinten halten und manchmal eine Bewegung ständig wiederholen.
Kleine Anfälle bei Kindern werden häufig als Unaufmerksamkeit oder Ungezogenheit missverstanden. Bei Erwachsenen werden sie oft als Trunkenheit gedeutet.
Fokaler Anfall
Fokale Anfälle sind bei weitem die häufigste Form epileptischer Anfälle. Sie können sich völlig verschieden äußern, je nachdem, welche Gehirnregion betroffen ist. Sie dauern im Allgemeinen nicht länger als einige Minuten. Oft werden sie von der Umgebung gar nicht bemerkt.
Dabei kann das Bewusstsein ungestört bleiben (einfacher fokaler Anfall). Der Betroffene kann ein Zucken oder eine Steifigkeit in einer Hand, einem Arm oder einem Bein bemerken. Oft treten blitzartig kurze Halluzinationen auf, auch Traum-ähnliche Empfindungen kommen vor. Der Betroffene hört Töne, nimmt Gerüche oder Geschmäcker war, die oft unangenehm sind. Er fühlt sich leichter oder meint, zu fallen. Er meint, alles in Zeitlupe oder umgekehrt im Zeitraffer zu erleben.
Es kann vorkommen, dass sich das Bewusstsein einengt und der Betroffene nicht mehr auf Reize reagiert (komplexer fokaler Anfall). Er wirkt verwirrt und wie in einem Dämmerzustand - früher wurden diese Anfälle "Dämmerattacken" genannt. Dazu kommen häufig "Automatismen". Der Betroffene tut Dinge, die nicht in den Zusammenhang passen. Er beginnt vielleicht, im Kreis zu gehen, er löffelt weiter, obwohl der Teller längst leer ist oder er beginnt während der Arbeit plötzlich das Hemd aufzuknöpfen.
Aura oder Vorgefühl
Generalisierte epileptische Anfälle können sich für den Betroffenen durch ein ganz eigenes Vorgefühl (Aura) ankündigen. Streng genommen handelt es sich dabei um einen fokalen Anfall. Die Aura kann als Schwindel, Augenflimmern, Schwarz werden vor den Augen, Übelkeit, Schweißausbruch oder Schwächegefühl auftreten. Auch visuelle oder akustische Halluzinationen sind möglich, ebenso Geruchs- oder Geschmacksempfindungen. Ein "vom Magen aufsteigendes Gefühl" kann auftreten. Betroffene empfinden gelegentlich ein besonderes Gefühl der Vertrautheit, aber auch der Fremdheit.
Die Bezeichnung Aura geht auf den griechischen Arzt Galen zurück, der im 2. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat.
Gelegenheitsanfälle
Ein einzelner epileptischer Anfall kann Folge verschiedenster Störungen und Krankheiten sein. Dazu gehören Fieberkrämpfe bei Säuglingen und Kleinkindern. Zu 90 Prozent wiederholen sich diese Anfälle später im Leben nicht. Bei Erwachsenen kommen Gelegenheitsanfälle relativ häufig bei Diabetikern unter Blutzuckermangel vor. Auch ein Kreislaufkollaps kann dazu führen. Im Unterschied zu einem "echten" epileptischen Anfall ist der Betroffene nach einigen Minuten wieder wohlauf.
Vereinzelte epileptische Anfälle können auch im Alkoholentzug, bei Schlafentzug oder unter Medikamenteneinwirkung auftreten.
Von einer Erkrankung an Epilepsie sprechen die Ärzte erst, wenn öfters als zwei Mal Anfälle ohne erkennbare Ursache aufgetreten sind.
Mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen
Je nach Art, Schwere, Häufigkeit und tageszeitlicher Verteilung der Anfälle kann die Epilepsie das Leben so einschränken, dass von einer Behinderung gesprochen werden muss.
Es können Folgekrankheiten wie Anämie, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen auftreten. Es kann zu einer Verringerung der Immunzellen kommen.
Bei Anfällen mit einer Beeinträchtigung des Bewusstseins kommt es öfters auch zu Verletzungen.
Die Selbstmordrate unter Betroffenen ist vier Mal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt.
Diagnose
Entscheidende Bedeutung hat die Schilderung der Symptome durch den Betroffenen. Mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) kann die Bereitschaft zu epileptischen Anfällen eingeschätzt werden. Eine genauere Aussage ist allerdings erst dann möglich, wenn das EEG während eines Anfalls gemacht wird (Video-EEG). Manchmal wird daher ein Anfall durch übermäßige Atmung (Hyperventilation), Flackerlicht oder Schlafentzug ausgelöst.
Die Computertomografie kann diffuse Veränderungen im Gehirn oder lokale Schäden nach einem Schädel-Hirn-Trauma sichtbar machen. Mehr Details werden mit einer Kernspintomografie erkennbar.
Behandlung
Die medikamentöse Therapie sollte möglichst nur mit einem einzigen Antiepileptikum durchgeführt werden und nicht in Kombination mit einem zweiten Präparat. Das ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Es gibt besonders geeignete Antiepileptika für verschiedene Typen von Anfällen.
Chirurgische Maßnahmen
Vor einer Operation sollte immer eine zweite Expertenmeinung über die Sinnhaftigkeit des Eingriffes eingeholt werden.
Grundsätzlich kommt die Epilepsie-Chirurgie nur für sehr wenige Betroffene (rund zwei Prozent) in Frage. Wenn die Ursache der Epilepsie in einer eindeutig abgrenzbaren Veränderung im Gehirn (z.B. Hirntumor oder Hirnblutungen) liegt, kann eine Operation Abhilfe schaffen, sofern die Veränderung zugänglich ist. Dabei wird der Schädel unter Vollnarkose geöffnet und der Hirntumor oder die Blutansammlung entfernt.
Heilungschancen
Rund 70 Prozent der Betroffenen werden durch die Kombination von Medikamenten, Selbstkontrolle und anderen unterstützenden Maßnahmen anfallsfrei. Ein Restrisiko bleibt aber immer bestehen. In der Regel gelingt es zumindest, die Zahl der Anfälle stark zu reduzieren.
Zum Tod führt eine Epilepsie selten. Die Todesursache liegt dann meist in indirekten Auswirkungen eines Anfalls, z.B. ertrinken.
Ergänzende Maßnahmen
Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte, zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung bestimmter Therapieformen wird aber dennoch angeführt: Diese Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar.
Zu den Naturheilverfahren gehört das EEG-Biofeedback, das auf eine teilweise Kontrolle des eigenen EEGs beziehungsweise der Gehirnströme abzielt, um Anfälle zu unterdrücken. Dieses sehr zeit- und geduldaufwendige Verfahren eignet sich am ehesten für Betroffene, die Anzeichen eines Anfalls spüren. Als ergänzende Behandlung können Akupunktur und Akupressur sinnvoll sein.
Zu den unkonventionellen, wissenschaftlich nicht anerkannte Therapieverfahren, die aber von Einzelpersonen als hilfreich empfunden werden, zählt die Homöopathie.
Rehabilitation
Methoden der Ergotherapie können bei der Bewältigung des Alltags und einer eventuell notwendigen Umschulung für einen neuen Beruf, der auch mit Epilepsie ausgeübt werden kann, unterstützen. Meistens können die Schulungen in spezialisierten Epilepsiezentren ambulant durchgeführt werden.
Leben mit der Krankheit
Ein geregelter Tagesablauf kann die Therapie unterstützen, wobei ausreichend Schlaf eine besonders wichtige Rolle spielt. Reize wie stundenlanges Fernsehen oder rasche klimatische Wechsel wirken sich meist ungünstig aus. Während Alkohol anfallsfördernd wirken kann, ist diese direkte Wirkung von Nikotin nicht bekannt. Allerdings führt Nikotin - so wie bei nicht Betroffenen - zu erhöhter innerer Spannung und Gefäßschäden, wodurch die Anfallsschwelle sinken kann.
Das Leben mit Epilepsie kann durch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe erleichtert werden.
Wenn der Betroffene zu Anfällen mit Bewusstseinsstörungen neigt, ist es gut, einen Notfallpass mit Name, Krankheit und behandelndem Arzt bei sich zu haben.
Selbstkontrolle
Manche Betroffene erreichen eine gewisse Kontrolle über die Anfälle. Dafür ist es notwendig, die Bedingungen für seine Anfälle und damit das Anfallsrisiko genau kennenzulernen. Auslösende Faktoren können dann vermieden werden. Vor allem Betroffene mit fokalen Anfällen können Methoden entwickeln, die Anfälle zu unterbrechen, wenn sie sich ankündigen. Das kann auf verschiedenste Art und Weise funktionieren - mit Augenzwinkern, Zusammendrücken der Hände oder Fixieren eines bestimmten Punkts mit den Augen. Die Gehirnzellen in der Nähe des "Epizentrums" werden sozusagen überredet, nicht "mitzumachen".
Es ist auch möglich, angrenzende Gehirnzellen in einen dem Anfalls-Auslöser entgegengesetzten Erregungszustand zu bringen. Wenn Ärger oder Aufregung zum Anfall führen, können Entspannungstechniken helfen, ihn zu vermeiden. Wenn Abgespanntheit der Auslöser ist, kann eine Aktivierung gleiche Wirkung erzielen.
Schutz vor Verletzungen
Betroffene mit Anfällen mit Bewusstseinsstörungen, die trotz Medikamenten nicht anfallsfrei werden, brauchen individuell abgestimmte Maßnahmen zum Schutz vor Verletzungen. Das ist immer eine Gratwanderung zwischen Schutz und Einengung.
Ereignen sich die Anfälle vorwiegend beim Schlafen, kann das Verletzungsrisiko durch niedrige Betten verringert werden. Treten sie am Morgen nach dem Aufwachen auf, hilft es, den Wecker eine Stunde früher zu stellen, damit man die erste Stunde noch im Bett verbringen kann. Das Badezimmer gehört zu den gefährlichsten Orten in der Wohnung. Es kann günstig sein, das Waschbecken so niedrig anbringen zu lassen, dass man sich im Sitzen waschen kann. Je weniger Wasser in der Badewanne ist, umso geringer ist das Risiko zu ertrinken. Kinder baden besser nie alleine. Anstatt die Badezimmer- oder Toilettentür abzusperren, kann ein "Besetzt"-Schild angebracht werden, um Hilfe jederzeit möglich zu machen.
Sturzverletzungen können durch Möbel ohne scharfe Kanten vermieden werden. Heizkörper läßt man am besten verkleiden. Beim Kochen kann man sich vor Verbrühungen schützen, indem man die hintere Herdplatte benutzt. Töpfe mit heißen Speisen besser nicht über längere Strecken tragen.
Zu Fuß unterwegs bleiben Betroffene besser in der Mitte des Gehsteigs, an einem Fluss oder See vom Ufer weg. Beim Rad fahren schützt ein Helm und es ist günstiger, wenig befahrene Strecken zu nehmen.
Sport
Es gibt keine Hinweise dafür, dass Sport zu einer Häufung von Anfällen führt.
Der Nutzen überwiegt, so lange die Anstrengung nicht allzu groß wird. Die stärkere Atmung beim Sport ist nicht dasselbe wie die Hyperventilation, die zu Anfällen führen kann. Auch gegen Wettkampf- oder Leistungssport ist meist nichts einzuwenden.
Von Sportarten wie Tiefseetauchen, Hochgebirgsklettern, Fallschirmspringen oder Gleitschirmfliegen raten Experten jedoch ab. Beim Schwimmen ist ebenfalls besondere Vorsicht geboten und die Anwesenheit eines Betreuers günstig.
Psychologische Betreuung
Die psychologische Unterstützung durch geschulte Therapeuten kann helfen, die Angst vor Anfällen zu verringern und selbstsicher mit dem Anfallsrisiko umzugehen. Die Unterstützung eines Therapeuten kann auch nützlich sein, um Anfallsituationen rechtzeitig zu erkennen und Gegenmittel zu entwickeln.
Betreuung zu Hause
Viele Erkrankte wünschen sich eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden.
Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung). Wenn die persönlichen Voraussetzungen für die häusliche Pflege stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik. Wer für eine gute Organisation der Pflege sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung bei.
Was Anwesende bei einem Anfall tun können
Während eines Anfalls und kurz danach kann man für den Betroffenen wenig tun.
Gibt es Anzeichen oder kündigt der Betroffene den Anfall an, ist es am besten, ihn hinzulegen. Das verringert die Verletzungsgefahr. Beengende Kleidungsstücke sollten geöffnet, Gegenstände außer Reichweite gebracht werden. Nach dem Anfall sollte der Betroffene wegen des möglichen Speichelflusses in die stabile Seitenlage gebracht werden.
Zu vermeiden sind Versuche, den Anfall durch Schütteln, Anreden oder Wiederbelebungsmaßnahmen zu stoppen. Das ist unmöglich. Es ist auch sinnlos, den Betroffenen während oder kurz nach dem Anfall woanders hinführen zu wollen. Verkrampfte Glieder dürfen nicht festgehalten werden, man darf auch nicht versuchen, verkrampfte Hände zu öffnen. Es ist sinnlos, etwas in den Mund schieben zu wollen, damit sich der Betroffene nicht beißen kann. Wenn der Betroffene nach dem Anfall einschläft, darf man ihn nicht wecken.
Es ist meistens nicht notwendig, einen Arzt zu rufen. Das ist erst dann sinnvoll, wenn der Betroffene länger als fünf Minuten zuckt und krampft und blau im Gesicht wird; weiters, wenn sich ein großer Anfall innerhalb einer Stunde wiederholt oder der Betroffene mehrere Stunden verwirrt ist. Bei kleinen Anfällen sollte dann der Arzt geholt werden, wenn sie in Serie auftreten und der Betroffene längere Zeit orientierungslos ist.

Letzte Aktualisierung:
06.09.2002 (Inge Smolek)
Autor:
Karin Gruber
Experten für die Seite:
Univ. Doz. DDr. Josef Finsterer (Neurologie)
Dr. med. Thomas Sycha (Pharmakologie)
Dipl. PT Christine Tiefenbach (Psysiotherapie)
Dr. med. Dirk K. Wolter-Henseler (Neurologie)
Dr. med. Albert Wuschitz (Neurologie)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.


Quelle: surfmed; 29.08.2005

Gruß
Luca

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